Handwerk geht mit gedämpften Aussichten ins neue Jahr – Handwerkskammer mahnt Aufträge im Wirtschafts- und öffentlichen Bau an

Die neuesten Konjunkturzahlen für das Handwerk in der Region Rhein-Neckar-Odenwald für das vierte Quartal 2020 zeigen zu Beginn des Jahres ein durchwachsenes Bild. Die Stimmung in den Betrieben trübte sich merklich ein, die Handwerkskonjunktur wurde ausgebremst.

Denn nur noch jeder zweite Handwerksunternehmer (52,1 Prozent – Vorjahr: 76,4 Prozent) bewertete seine Geschäftsentwicklung mit „gut“, als befriedigend jeder Sechste (15,6 Prozent – wie im Vorjahr) und als mangelhaft jeder Dritte (32,3, Prozent – Vorjahr 3,3 Prozent). Für die nächsten Wochen erwarten knapp die Hälfte (48,2 Prozent) eine Entwicklung auf aktuellem Niveau. 41,0 Prozent befürchten eine Verschlechterung und nur 10,8 Prozent eine Verbesserung der künftigen Geschäftslage.

Die Aufträge der Betriebe sind im vierten Quartal eingebrochen. So meldeten 16,4 Prozent der regionalen Firmen ein höheres Auftragsaufkommen, dagegen 48,8 Prozent der Befragten Einbußen bei den Aufträgen. Für die kommenden Wochen stellen sich die Betriebe auf eine flaue Auftragsentwicklung ein. Ein Fünftel (20,6 Prozent) rechnen mit einer Steigerung, aber zwei Fünftel (40,7 Prozent) mit Auftragsrückgängen.

Auch die Betriebsauslastung macht deutlich, dass das Handwerk konjunkturell gespalten ist. Während 14,2 Prozent (Vorjahr 16,3 Prozent) über ihre Kapazitätsgrenzen hinaus ausgelastet waren, konnten deutlich weniger Firmen im letzten Quartal ihre Kapazitäten nutzen (38,9 Prozent –Vorjahr 53,1 Prozent). Wie im Vorjahr hatte jeder fünfte Betrieb (20,0 Prozent – Vorjahr 31 Prozent) eine 61- bis 80-prozentige Auslastung. Deutlich angestiegen ist im Vergleichszeitrum der Anteil der Betriebe, die noch über große Kapazitätsfreiräume verfügten, auf nunmehr 20,9 Prozent im zurückliegenden Quartal (Vorjahr 9,6 Prozent).

Auch die Umsatzkurve ist in den letzten drei Monaten eingeknickt. Immerhin konnte sich jeder vierte Betrieb (26,5 Prozent) über höhere Umsätze freuen. Doch mussten zwei Fünftel (39,8 Prozent) Einbußen hinnehmen. An eine bessere Umsatzentwicklung glauben nur die wenigsten Betriebe. Mit einem Plus rechnen 12,1 Prozent (Vorjahr 11,4 Prozent) der Befragten. Die Mehrheit der Handwerker (54,5 Prozent) befürchtet Umsatzeinbußen in den nächsten Monaten (Vorjahr 31,1 Prozent).

Eine gute Nachricht gibt es von der Beschäftigungsfront. Jeder zehnte Betrieb hält an seinem Mitarbeiterstamm fest (89 Prozent). Verkleinert haben lediglich 8,5 Prozent der Betriebe ihre Belegschaft und immerhin schufen 2,5 Prozent sogar neue Arbeitsplätze.

Bei Betrachtung der Branchen im Einzelnen wird deutlich, dass auch im zurückliegenden Quartal das Bauhauptgewerbe mit plus 80 Punkten an der Spitze steht. Nach oben ging es für die Nahrungsmittelhandwerke, die mit plus 63,2 Punkten den zweiten Platz belegen. Einen deutlichen Rückgang verzeichnete im vierten Quartal das Ausbauhandwerk mit aktuell 47,8 Punkten, das sein Vorjahresergebnis um 52,2 Zähler nach unten anpassen musste. Die Gesundheitshandwerke positionierten sich auf Platz vier mit plus 25 Punkten gefolgt von den Handwerken des gewerblichen Bedarfs (0 Punkte) und des Kfz-Gewerbes (minus 11,8 Punkte). Den größten Einbruch erlebte die Dienstleistungsbranche, deren Index um 86,7 Zähler nach unten rauschte und der mit einem Ergebnis von minus 40,0 Punkten das Schlusslicht bildet. Angesichts der aktuellen Entwicklung hat der Konjunkturoptimismus deutlich nachgelassen, der durch die Bank ein negatives Vorzeichen hat.

„Die Lage ist im Moment für viele Betriebe außerordentlich schwierig“, interpretiert Detlev Michalke, Pressesprecher der Handwerkskammer die aktuellen Zahlen. Die wachsende Verunsicherung sei nur zu verständlich. Michalke weiter: „Die negativen Auswirkungen der Coronakrise sind mittlerweile auch bei den Betrieben zu spüren, die noch weiterarbeiten dürfen. Für diese Betriebe ist wichtig, dass es auch zukünftig Aufträge im Wirtschafts- und im öffentlichen Bau geben muss und hier nicht der Rotstift regiert“. Ein Lichtblick sei die Wiedereröffnung der Friseursalons zum 1. März, die den Betrieben und ihren Beschäftigten ein Stück Existenzangst nehme, zugleich aber auch die Anerkennung der von den Betrieben ausgearbeiteten und umgesetzten Hygienekonzepte.

Anmerkung:

Den angesprochenen ausführlichen Bericht zur Konjunktur in der Region Rhein-Neckar-Odenwald inklusive Grafiken finden Sie auf der Homepage der Kammer www.hwk-mannheim.de/…

Das Handwerk ist mit seinen kleinen und mittleren Betrieben das Herz des Mittelstandes und der deutschen Wirtschaft. Im Bezirk der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald mit den Stadtkreisen Mannheim und Heidelberg und den Landkreisen Rhein-Neckar und Neckar-Odenwald sind mehr als 13.000 Betriebe mit mehr als 87.000 Beschäftigten sowie rund 4.400 Lehrlingen und einem Umsatz von mehr als 6,6 Milliarden Euro im Handwerk tätig.

 

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