Studie bei Frühchen: Automatische Sauerstoffgabe ist sicher und kann Personal entlasten

Extrem frühgeborene Kinder benötigen meist zusätzlichen Sauerstoff, da die Lunge noch nicht voll ausgebildet ist. Eine große Studie unter Beteiligung des Klinikums Karlsruhe hat nun untersucht, ob die maschinengesteuerte Sauerstoffgabe der manuellen Gabe und Kontrolle von Sauerstoff durch das Fachpersonal überlegen ist.

Je früher ein Kind zur Welt kommt, desto unreifer sind seine Organe. Das gilt auch für die Lunge, weshalb vor der 28. Schwangerschaftswoche geborene Kinder meist eine Atemunterstützung samt Sauerstoffgabe benötigen. Die Gabe von Sauerstoff muss allerdings in engen Grenzen erfolgen, da sowohl ein „Zuwenig“ als auch ein „Zuviel“ schädlich für diese extrem kleinen Patientinnen und Patienten sind. Die Folgen können chronische Lungenerkrankungen, schwerwiegende Netzhauterkrankungen oder sogar der Tod sein.

Eine internationale Studie unter Beteiligung des Städtischen Klinikums Karlsruhe hat nun untersucht, ob eine automatische Steuerung des Sauerstoffanteils in der Atemluft der Frühgeborenen der bisher üblichen Gabe und Kontrolle von Sauerstoff durch das Fachpersonal mittels Säuglingsbeatmungsgeräten überlegen ist. Die wissenschaftliche Leitung lag bei Prof. Dr. Axel Franz vom Universitätsklinikum Tübingen.

32 neonatologische Intensivstationen in China, Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden haben sich an der Studie beteiligt, sie verglichen die manuelle mit der automatischen Sauerstoffgabe bei 1.082 Neugeborenen, die zwischen der 23. und 28. Schwangerschaftswoche geboren waren.

„Die Studie hat gezeigt, dass es keine relevanten klinischen Unterschiede zwischen der herkömmlichen manuellen und der automatischen Sauerstoffgabe gibt“, erklärt Prof. Dr. Sascha Meyer, Direktor der Franz-Lust-Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Karlsruhe. „Das Risiko für schwerwiegende Erkrankungen sinkt also nicht, wenn der Sauerstoffanteil in der eingeatmeten Luft automatisch über Algorithmen gesteuert wird.“

Gleichwohl habe die Studie wichtige Erkenntnisse gebracht: „Aufgrund der unregelmäßigen Atemmuster von Säuglingen und der Schwankungen in der Lungenbelüftung und -funktion sind häufige, vorsichtige Anpassungen der Atemluft erforderlich, was angesichts knapper Personalressourcen schwierig, zeitaufwändig und oft unmöglich ist“, sagt Prof. Meyer. „Die automatische Anpassung der Sauerstoffkonzentration hat deshalb das Potenzial, die Arbeitsbelastung des ärztlichen und pflegerischen Personals in Zukunft zu reduzieren.“

„Auch, wenn wir keine Auswirkungen auf die untersuchten schwerwiegenden Krankheitsbilder nachweisen konnten, ist es denkbar, dass die automatische Steuerung der Sauerstoffkonzentration zur physiologischen Stabilität bei diesen besonders vulnerablen Patientinnen und Patienten beiträgt und die Häufigkeit von Alarmen der Überwachungsmonitore im Patientenzimmer senkt“, erläutert Prof. Dr. Axel Franz vom Universitätsklinikum Tübingen, Erstautor der Studie. „Das bedeutet mehr Ruhe – und Ruhe kann die Entwicklung der unreifen Frühgeborenen günstig beeinflussen.“

Vonseiten der Franz-Lust-Klinik waren an der Studie beteiligt: Das Team der Station S26 um Dr. Sandra Holz und die Pflegerische Bereichsleitung Kerstin Klein, der frühere Klinikdirektor Prof. Dr. Joachim Kühr, Oberärztin Dr. Silvia Welcker, Studienassistentin Heike Scheer-Baumann, Julia Hertel sowie Prof. Meyer.

„Ich freue mich sehr, dass unser Team an dieser multizentrischen Studie teilgenommen hat“, betont der Klinikdirektor. „Durch diese wissenschaftlich-fachliche Anbindung an große neonatologische Zentren in Deutschland – hier insbesondere an das Universitätsklinikum Tübingen – bleiben wir immer ‚Up-2-date‘ im hochspezialisierten Fachgebiet Neonatologie.“

Seit 2003 sind die Franz-Lust-Klinik, die Frauenklinik und die Kinderchirurgische Klinik unter einem Dach im Zentrum für Kinder und Frauen vereint. Damit ist ein Perinatalzentrum der höchsten Stufe geschaffen worden, das die Maximalversorgung von Früh- und Neugeborenen bietet: Dieses Zentrum verfügt beispielsweise über eine ständige Hebammen- und Arztbereitschaft, zudem ist für jedes intensivtherapiebedürftige bzw. zwei intensivüberwachungsbedürftige Frühgeborene unter 1.500 Gramm eine Pflegefachkraft mit abgeschlossener Fachweiterbildung für neonatologische Intensivpflege anwesend. Entbindungsstation, Operationssäle und Neugeborenen-Intensivstation befinden sich im selben Gebäude.

Publiziert wurde die Studie in der renommierten pädiatrischen Fachzeitschrift The Lancet. Eine Zusammenfassung der Studie ist hier zu finden.

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