Handwerkskammer Reutlingen warnt vor Abschaffung des Handwerkerbonus

Die im Bundeskabinett beschlossenen Eckwerte für den Bundeshaushalt 2027 sorgen im regionalen Handwerk für Unruhe. Im Rahmen der geplanten Kürzungen bei „Finanzhilfen und Steuervergünstigungen“ steht offenbar auch die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen – der sogenannte Handwerkerbonus – auf dem Prüfstand. Die Handwerkskammer Reutlingen warnt eindringlich vor den möglichen Folgen einer Abschaffung.

„Der Handwerkerbonus ist kein Privileg für das Handwerk, sondern ein gezielter Impuls für legale Aufträge in privaten Haushalten“, betont Alexander Wälde, Präsident der Handwerkskammer Reutlingen. „Wer diese Steuerermäßigung streicht, riskiert, dass wieder mehr Arbeiten an der Steuer vorbei erledigt werden. Am Ende verliert dann nicht nur das Handwerk, sondern auch der Staat über Steuerausfälle.“

Seit 2006 können Privatpersonen einen Teil der Lohnkosten für Handwerkerleistungen von der Einkommensteuer absetzen. Dieses Instrument wurde eingeführt, um Schwarzarbeit unattraktiver zu machen und die Nachfrage nach legalen Handwerkerleistungen zu stärken. „Gerade in einer wirtschaftlich angespannten Lage ist es fatal, ausgerechnet ein bewährtes Instrument zur Nachfrage-Stabilisierung infrage zu stellen“, erklärt Wälde. „Viele Haushalte verschieben ohnehin Investitionen in ihre Wohnung oder ihr Haus. Wenn jetzt auch noch der steuerliche Anreiz entfällt, werden noch mehr notwendige Arbeiten gar nicht oder im schlimmsten Fall schwarz erledigt.“ Die Diskussion kommt für das Handwerk zudem zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Viele Betriebe stehen aufgrund gestiegener Material-, Energie- und Personalkosten massiv unter Druck. Gleichzeitig sollen sie zentrale Aufgaben bei Klimaschutz, Energiewende und demografie-gerechtem Umbau des Wohnungsbestands stemmen. „Die Politik erwartet zu Recht, dass das Handwerk beim klimafreundlichen Sanieren, beim barrierefreien Umbau und bei der Modernisierung des Gebäudebestands liefert“, so Wälde. „Wer aber den Handwerkerbonus abschafft, erschwert genau diese Investitionen. Das ist ein Signal in die völlig falsche Richtung – für Privathaushalte, für das Handwerk und für die Klimaziele.“

Aus Sicht der Handwerkskammer Reutlingen wird die Funktion des Handwerkerbonus in der aktuellen Debatte verkannt. Die Steuerermäßigung belaste den Staatshaushalt nicht einseitig, sondern sorge für mehr Transparenz, mehr gemeldete Umsätze und damit auch für zusätzliche Steuer- und Sozialversicherungsbeiträge. Wälde: „Die Vorstellung, man könne durch die Streichung des Handwerkerbonus einfach Geld im Haushalt einsparen, greift viel zu kurz. Wenn Aufträge ins Illegale abwandern, fehlen am Ende Umsatzsteuer, Einkommensteuer und Sozialabgaben. Das ist der eigentliche Steuerschaden – und der trifft auch die ehrlichen Betriebe, die korrekt abrechnen.“

Die Handwerkskammer Reutlingen appelliert daher an die Bundesregierung und die Bundestagsabgeordneten aus der Region, sich für den Erhalt der Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen einzusetzen. „Natürlich muss die Politik sorgfältig prüfen, wo sich Subventionen und Vergünstigungen sinnvoll abbauen lassen“, fasst Wälde zusammen. „Aber der Handwerkerbonus gehört nicht auf die Streichliste. Er stärkt die Legalität, stabilisiert die Konjunktur und unterstützt private Investitionen in dringend notwendige Modernisierungen. Ihn abzuschaffen, wäre kurzsichtig und am Ende teurer als sein Erhalt.“

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