Klimawandel und Gesundheit: Aktuelle Umfrage in der Ärzt:innenschaft zeigt Handlungsbedarf

Letztes Jahr fasste der 125. Deutsche Ärztetag weitreichende Beschlüsse zu Klima und Gesundheit. Eine aktuelle Umfrage der Stiftung Gesundheit im Auftrag der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG) mit dem Centre for Planetary Health Policy (CPHP) hat in der Ärzt:innenschaft den Status Quo abgefragt – etwa, welche Beschlüsse sie bereits im Praxis- und Klinikalltag umsetzen und wo sie Unterstützung benötigen. Die Ergebnisse zeigen, was jetzt zu tun ist.

Der vergangene Bericht des Weltklimarats IPCC prognostiziert für Deutschland eine massive Zunahme von Extremwetterereignissen wie Hitzewellen bis 2050. Gleichzeitig ist der Gesundheitssektor für rund fünf Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Studien zeigen: Weltweit beobachtet das Gesundheitsfachpersonal bereits heute die gesundheitlichen Folgen der Klimakrise bei Patient:innen. Vor diesem Hintergrund fasste der Deutsche Ärztetag im Herbst 2021 weitreichende Beschlüsse, die unter anderem eine Klimaneutralität des deutschen Gesundheitssystems bis 2030 vorsehen und Subventionen abschaffen wollen, die Klima und Biodiversität schaden.

Klimawandel und Gesundheit beschäftigt Ärzt:innen

„Rund 20.000 Ärzt:innen haben wir im Auftrag der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. mit dem Centre for Planetary Health Policy zu ihrer Wahrnehmung der gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels, Hitzeschutz im ärztlichen Alltag, dem Stand der Umsetzung der Beschlüsse des 125. Ärztetages und die dafür nötige Unterstützung befragt“, sagt Christoph Dippe, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gesundheit. „Die repräsentative Online-Umfrage lief von April bis Mai mit einer überdurchschnittlichen Responderquote. Das zeigt, dass Klimawandel und Gesundheit ein Thema ist, das die Ärzt:innenschaft bewegt“, so Dippe weiter.

Informationen und Konzepte für Praxis- und Klinikalltag fehlen

Die Antworten der befragten Ärzt:innen zeigen ein geringes Bewusstsein für Gesundheitsgefährdungen der Patient:innen durch die Klimakrise. So schätzt nur etwa ein Viertel die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit der Patient:innen und Menschen in der eigenen Stadt oder Gemeinde als stark oder sehr stark ein. Drei Fünftel der Befragten beobachtet jedoch bereits gesundheitliche Auswirkungen von Hitzewellen bei Patient:innen. Die Medikation der Patient:innen passt nur jede:r achte Ärzt:in bei Hitze regelmäßig an und hitzebezogene Informationsmaterialien stellen noch weniger, lediglich 8%, bereit. Beides ist wichtig, um vor allem besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen mit relevanten Vorerkrankungen zu schützen. Der Deutschland Bericht (Policy Brief) des Lancet Countdown 2021 verdeutlichte, dass Konzepte zum Umgang mit diesen Extremwetterereignissen in vielen deutschen Krankenhäusern und Praxen fehlen. Die aktuelle Umfrage zeigt außerdem, dass sich nur 17% der Teilnehmer:innen zu klimasensiblen Erkrankungen fortbilden, wohingegen mehr als die Hälfte (58%) der befragten Ärzt:innen bereits den Verbrauch von Ressourcen im Arbeitsalltag reduzieren.

Policy Brief gibt Empfehlungen für den Deutschen Ärztetag 2022

Was gilt es jetzt zu tun? Die Autor:innen der Umfrage sehen einen hohen Handlungsbedarf beim Hitzeschutz und empfehlen Fort- und Weiterbildungen für Ärzt:innen und ihre Gesundheitsteams, Aufklärungsmaterialien und Leitlinien zu Hitzeschutzmaßnahmen zu entwickeln. Außerdem sollte die Ärzt:innenschaft transparente Informationen zu Klima- und Umweltbilanzen der Medizinprodukte und Arzneimittel von den Hersteller:innen fordern. Wichtig ist auch, dass die Führungsebene in Gesundheitseinrichtungen strategische Klimaneutralitätsziele einführt. Um Klima- und Umweltmanagement umzusetzen, braucht es zudem mehr personelle und finanzielle Ressourcen. Klare Leitlinien zur Vereinbarkeit von Hygienevorschriften und Nachhaltigkeit, insbesondere beim ressourcenschonenden Einsatz von Medikamenten, sollten zur Unterstützung der Ärzt:innen erstellt werden. „Insgesamt sollte es Ärzt:innen möglichst einfach gemacht werden, ihre Arbeit nachhaltig zu gestalten und ihre Patient:innen in Klimaschutz und -anpassung einzubinden,“ empfiehlt Maike Voss, Geschäftsführerin bei KLUG/CPHP und Ko-Autorin der Umfrage. Viel Diskussionsstoff also für den 126. Deutschen Ärztetag nächste Woche in Bremen.

Weitere Informationen:

Über KLUG

Die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG) gründete Ende 2021 die Denkfabrik „Centre for Planetary Health Policy“ (CPHP). Als außeruniversitäre Denkfabrik ist CPHP ein Ort der wissenschaftlichen Politikberatung zum Thema Gesundheit innerhalb planetarer Grenzen. CPHP arbeitet mit einem interdisziplinären, systemischen Ansatz, der der Wechselwirkung zwischen Klimawandel, Biodiversität, Nachhaltigkeit und Gesundheit gerecht wird.

Über Stiftung Gesundheit – Gemeinnützige rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts

Wissen ist die beste Medizin – angespornt von diesem Gedanken setzt sich die Stiftung Gesundheit mit Sitz in Hamburg bundesweit und unabhängig seit mehr als 25 Jahren für Transparenz und Orientierung im Gesundheitswesen ein. Neben ihren satzungsgemäßen Aufgaben führt die Stiftung Gesundheit kontinuierlich Studien durch, um Stimmung, Meinungen und Erfahrungen der Ärzt:innenschaft zu erfassen und Forschungsergebnisse zu aktuellen Fragestellungen zu liefern.

Firmenkontakt und Herausgeber der Meldung:

Stiftung Gesundheit – Gemeinnützige rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts
Behringstraße 28 a
22765 Hamburg
Telefon: +49 (40) 809087-0
Telefax: +49 (40) 809087-555
http://www.stiftung-gesundheit.de

Ansprechpartner:
Jaqueline Kleihaus
Telefon: +49 (40) 809087-217
E-Mail: kleihaus@stiftung-gesundheit.de
Für die oben stehende Pressemitteilung ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmenkontakt oben) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber des Pressetextes, sowie der angehängten Bild-, Ton-, Video-, Medien- und Informationsmaterialien. Die United News Network GmbH übernimmt keine Haftung für die Korrektheit oder Vollständigkeit der dargestellten Meldung. Auch bei Übertragungsfehlern oder anderen Störungen haftet sie nur im Fall von Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. Die Nutzung von hier archivierten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Eine systematische Speicherung dieser Daten sowie die Verwendung auch von Teilen dieses Datenbankwerks sind nur mit schriftlicher Genehmigung durch die United News Network GmbH gestattet.

counterpixel