Ernährungs- und Genussmittelindustrie nach Corona: Branche steht vor nachhaltigem Wandel

 

  • Mehrheit der Unternehmen rechnet bis Ende 2022 mit Rückkehr zu alten Umsatzniveaus
  • Wachstum im Online-Handel und Direktgeschäft, Einbrüche bei Großhandel, Großverbrauchern, Gastronomie und im Export
  • Unternehmen befürchten Personalabbau infolge der Pandemie
  • "New Work" verändert die Branche, Preis- und Margendruck in der Ernährungsindustrie wird weiter zunehmen

Die Corona-Pandemie beschleunigt den Wandel im Ernährungssektor: Bestehende Entwicklungen wie der Preis- und Margendruck setzen sich fort, Strategien und Geschäftsmodelle kommen auf den Prüfstand, Trends wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung bekommen zusätzlichen Auftrieb und "New Work" verändert traditionelle Arbeitsmuster. Das ist das Ergebnis der aktuellen Studie "Alles anders?" der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss e.V. (ANG) sowie von Ebner Stolz, die auf Basis der Befragung von Branchenexperten aus über 180 Unternehmen die Auswirkungen von Corona auf die Ernährungs- und Genussmittelindustrie untersucht hat.


Die Bilanzen der Unternehmen verdeutlichen den Handlungsdruck im Ernährungssektor, denn die Pandemie hat dort im vergangenen Jahr teilweise tiefe Spuren hinterlassen. Es verwundert daher nicht, dass 60 Prozent der 188 Umfrageteilnehmer für 2020 mit deutlichen Umsatzrückgängen rechnen. Mit Blick in die Zukunft ist die Branche aber durchaus optimistisch: 57 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass sich die allgemeine Geschäftslage wieder oder weiter verbessert und knapp vier Fünftel der befragten Top-Entscheider gehen davon aus, dass spätestens 2022 wieder die Umsatzniveaus der Vorkrisenzeit erreicht werden.

"Das Bild ist hier allerdings uneinheitlich, denn die Corona-Pandemie hat zu deutlichen Verwerfungen innerhalb der Ernährungsindustrie geführt. Während die Lock-Downs und die notwendige Verlagerung vieler Prozesse in die digitale Welt zwar den Online-Handel und das Direktgeschäft mit den Verarbeitern befördern, haben der Großhandel sowie das Geschäft mit Großverbrauchern und Gastronomie und der Export erheblich gelitten. Die Wirtschafts- und Finanzpolitik steht mit der Bewältigung der Krisenfolgen vor einer Mammutaufgabe und muss rasch die richtigen Weichen stellen, damit Unternehmen am Standort Deutschland gerade angesichts der parallel anstehenden Nachhaltigkeitsanforderungen eine Perspektive haben.", erläutert Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der BVE.

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie schlagen sich auch in den Beschäftigungsabsichten der Unternehmen nieder. Zwar erwarten 58 Prozent der Befragten für 2021 keine Veränderungen. Aber über ein Viertel der Umfrageteilnehmer befürchten, dass sie Personal abbauen müssen; im Bereich Großhandel/-verbraucher sogar fast ein Drittel. Nur acht Prozent planen für das laufende Jahr mit Neueinstellungen.

"Die Mehrheit der Unternehmen der Ernährungs- und Genussmittelindustrie rechnet trotz Pandemie mit einem stabilen Beschäftigungsniveau. Die Branche bewährt sich damit als verlässlicher und krisenfester Arbeitgeber. Dennoch wird sich die Arbeit in der Branche zukünftig wandeln, so fordern Digitalisierung und Homeoffice neue Arbeitswelten und eine nachhaltige Resilienz neue Kompetenzen." fasst Stefanie Sabet, Hauptgeschäftsführerin der ANG, die Beschäftigungsaussichten der Branche zusammen.

Beim Blick in die Zukunft geht die große Mehrheit der Umfrageteilnehmer (80 Prozent) davon aus, dass die Pandemie zwar nicht zu disruptiven, jedoch zu relevanten oder deutlichen Veränderungen in der Ernährungsindustrie führen wird. Dazu zählen 55 Prozent der Befragten insbesondere die Kontaktpunkte der Unternehmen mit dem Kunden, die sich verstärkt in die digitale Welt verlagern werden.

Vor allem vier Trends werden die Branche nach Meinung der Experten – teilweise unabhängig von der aktuellen Situation – in naher Zukunft prägen. An erster Stelle steht dabei der Preis- und Margendruck, von dem 84 Prozent der Branchenexperten annehmen, dass er sich fortsetzen wird. Ähnlich hoch bewerten die Befragten den Komplex "New Work", worunter der Rückgang von Dienstreisen sowie die weitere Zunahme von flexiblen Arbeitsformen und Home Office zusammengefasst werden. Darüber hinaus werden Nachhaltigkeit und Digitalisierung als branchenübergreifende Trends das weitere Handeln im Ernährungssektor bestimmen.
Zahlreiche Unternehmen nutzen deshalb die Krise, um neue Absatzwege zu erschließen, Prozesse, Organisations- und Führungsstrukturen zu hinterfragen oder die Digitalisierung weiter voranzutreiben. Diese ersten Schritte zu einem nachhaltigen Umbau des Unternehmens gehen häufig einher mit einer tiefgreifenden strategischen Neuausrichtung, die zahlreiche Aspekte des gegenwärtigen Geschäftsmodells einschließt – von der Neudefinition der Zielgruppen, Kanäle und Unternehmensstrukturen bis zur Anpassung von Sortimenten, Organisations-, Kosten- und Werksstrukturen.

"Corona wirkt in vielen Unternehmen wie ein Zeitraffer. Es mag an der einen oder anderen Stelle der Eindruck entstehen, dass sich die Welt weiterdreht wie zuvor. Aber der Wandel ist da – und er ist nicht aufzuhalten", fasst Christoph Havermann, Partner bei Ebner Stolz, die aktuellen Entwicklungen in der Ernährungs- und Genussmittelindustrie zusammen.

Weitere Einzelheiten können Sie der vollständigen Studie entnehmen.

Über die ANG
Die Ernährungs- und Genussmittelindustrie beschäftigt in über 6.100 vorwiegend kleinen und mittelständischen Betrieben rund 610.000 Menschen. Anders als in allen anderen deutschen Industrien werden in der Branche jedes Jahr hunderte von Tarifverträgen in den einzelnen Regionen und Teilbranchen abgeschlossen und neu verhandelt. Es gibt keinen anderen Wirtschaftsbereich in Deutschland, der eine solch differenzierte Tarifpolitik betreibt. Die ANG verbindet als Dachverband die neun sozialpolitischen Landesverbände sowie vier Fachverbände der Ernährungs- und Genussmittelindustrie.

Über Ebner Stolz
Ebner Stolz ist eine der größten unabhängigen mittelständischen Prüfungs- und Beratungsgesellschaften in Deutschland und gehört zu den Top Ten der Branche. Das Unternehmen verfügt über jahrzehntelange fundierte Erfahrung in Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Rechtsberatung und Unternehmensberatung. Dieses breite Spektrum bieten 1.700 Mitarbeiter in dem für sie typischen multidisziplinären Ansatz in allen wesentlichen deutschen Großstädten und Wirtschaftszentren an. Als Marktführer im Mittelstand betreut das Unternehmen überwiegend mittelständische Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen aller Branchen und Größenordnungen.
Länderübergreifende Prüfungs- und Beratungsaufträge führt Ebner Stolz zusammen mit Partnern von Nexia International durch, weltweit eines der zehn größten Netzwerke von Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen. Ebner Stolz ist über Nexia in über 120 Ländern mit mehr als 720 Büros vertreten.
Standorte: Berlin, Bonn, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Köln, Leipzig, München, Reutlingen, Siegen, Stuttgart

Über den BVE – Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e.V.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) ist der wirtschaftspolitische Spitzenverband der deutschen Lebensmittelindustrie. Seit über 70 Jahren vertritt sie die branchenübergreifenden Interessen der Hersteller. In der BVE haben sich über Fachverbände und Unternehmen alle wichtigen Branchen der Ernährungsindustrie zusammengeschlossen. Die BVE ist der zentrale Kontakt für nationale und internationale Belange der Ernährungsindustrie und geübter Vermittler in einem umfassenden Bran-chennetzwerk. Durch eine aktive Interessenvertretung, den offenen Dialog und eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit tritt die BVE für die Positionen und Leistungen der Ernährungsindustrie gegenüber Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Medien in Berlin, Brüssel und darüber hinaus ein.
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