Es geht wieder los – Startschuss für das forstliches Gutachten 2018

Alle drei Jahre werden die Jungpflanzen im Wald unter die Lupe genommen. Gutachter der Forstverwaltung stellen fest, wie stark die jungen Fichten, Tannen, Buchen und Co vom Rehwild verbissen wurden. Anhand dieser Ergebnisse wird dann eine Empfehlung für den Rehwildabschuss erarbeitet. Die bayerischen Jäger gehen fleißig auf die Jagd: Seit Jahren geht der Verbiss der Waldbäume deutlich zurück.

Im oberbayerischen Oberpframmern wurde das forstliche Gutachten 2018 offiziell auf den Weg gebracht. Mit dabei war auch der Präsident des Bayerischen Jagdverbandes Prof. Dr. Jürgen Vocke: „Einen Erfolg haben wir erreicht: wie wir es lange gefordert haben, wird heuer allein der Leittriebverbiss der Maßstab für die Bewertung von Verbissschäden sein.“

Ganz zufrieden ist der BJV mit der aktuellen Neuauflage des forstlichen Gutachtens dennoch nicht. Präsident Vocke: „Nach wie vor stehen die verbissenen Pflanzen im Vordergrund. Dabei wäre es viel sinnvoller, den Schwerpunkt auf die nicht verbissenen Pflanzen zu legen, also auf die, die tatsächlich durchkommen. Wichtig ist doch die Frage, erreicht der Waldbesitzer sein waldbauliches Ziel. Dafür aber sind die Pflanzen entscheidend, die durchkommen.“  Deshalb regte der BJV wiederholt an, dass im forstlichen Gutachten die waldbaulichen Betriebsziele vor Ort stärker berücksichtigt werden und die jeweils notwendige Sollpflanzenzahl eingetragen wird. Sie lässt sich dann mit der Zahl der unverbissenen Pflanzen vergleichen. Das wäre transparent, zielorientiert und würde viele Fragen im Vorfeld beantworten.


Der Bayerische Jagdverband weist auch darauf hin,  dass laut Waldgesetz nur so genannte Naturverjüngungsflächen der standortgemäßen Baumarten – das sind Flächen, auf denen sich die Bäumchen selbst ausgesät haben – und keine Forstkulturen  – also eigens gepflanzte Bäume – begutachtet werden dürfen.

Wichtig wäre es, so Vocke, dass sich alle Beteiligten vor Ort an einen Tisch setzen und miteinander reden. Im Gespräch lässt sich vieles lösen, bevor es zum Problem wird. Genauso wichtig aber ist es auch, dass sich die übergeordnete Ebene zusammensetzt – Waldbesitzer, Landwirte, Forstverwaltung und Jäger –, um das forstliche Gutachten und seine Umsetzung weiter zu verbessern: Was kann sinnvoller gemacht werden, was einfacher und transparenter, womit lässt sich mehr Verständnis für alle Seiten erzielen. Bisher wurden diese Forderung des BJV auf oberster Ebene aber nicht aufgegriffen. „Diese Haltung“, bedauert der Präsident des Bayerischen Jagdverbandes, „schadet allen und ist auch keineswegs mehr zeitgemäß. Eine Verbesserung müsste allen am Herzen liegen, schließlich kostet das forstliche Gutachten alle drei Jahre rund drei Millionen Euro Steuergelder.“

Der BJV ruft seine Mitglieder und Revierpächter auf, bei den jetzt anstehenden Aufnahmen zur Situation der Waldverjüngung teilzunehmen und so auch die Schwerpunkte und Details der Arbeit in den Jagdrevieren zu kommunizieren. Präsident Vocke: „Wenn man nicht dabei ist, kann man im Nachhinein auch nur bedingt mitreden.“

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