Neue Allianz gegen Schwarzarbeit: Behörden bündeln Kräfte

Handwerkskammern, Ordnungsbehörden und nun auch wieder der Zoll sitzen an einem Tisch: Bei der 26. Bundesfachtagung zur Bekämpfung der Schwarzarbeit am 10. und 11. Juni 2026 in der Handwerkskammer Region Stuttgart tauschen rund 200 Fachleute aus ganz Deutschland Erfahrungen aus und diskutieren, wie Kontrollen effizienter organisiert und Verstöße konsequenter verfolgt werden können. Ein zentrales Thema: die Friseur- und Kosmetikbranche, die seit dem 01. Januar 2026 als Schwarzarbeitsschwerpunktbranche gesetzlich eingestuft ist.

Neues Gesetz, neue Möglichkeiten: Friseure im Fokus

Die Friseur- und Kosmetikbranche ist nach wie vor besonders häufig von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung betroffen. Mit dem Gesetz zur Modernisierung und Digitalisierung der Schwarzarbeitsbekämpfung wurden Friseur- und Kosmetikbetriebe am 30. Dezember 2025 in den Branchenkatalog des Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetzes aufgenommen. Arbeitgeber sind seither verpflichtet, Arbeitszeitaufzeichnungen zu führen und bei Prüfungen vorzulegen sowie Sofortmeldungen zur Sozialversicherung vor Arbeitsbeginn zu erstatten. Das erleichtert Prüfungen erheblich und schützt die Wettbewerbssituation gesetzestreuer Betriebe.

Gezielte Prüfungen des Zolls

Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Zolls führte im April 2025 eine bundesweite Schwerpunktprüfung im Friseur- und Kosmetikgewerbe durch. Im Rahmen der einwöchigen Aktion, an der bundesweit mehr als 30 Hauptzollämter mit über 1.300 Einsatzkräften teilnahmen, wurden 334 Friseursalons, Barbershops und Kosmetikstudios sowie die dort tätigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer überprüft. Die Auswahl erfolgte risikoorientiert, das heißt aufgrund branchenspezifischer Gefährdungsanalysen, auffälliger Unternehmensprofile oder konkreter Verdachtshinweise.

Bereits vor Ort leitete der Zoll 194 Strafverfahren ein, davon über 20 Verfahren wegen Nichtzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen und in rund 135 Fällen wegen Aufenthalt ohne Aufenthaltstitel. Hinzu kamen 171 Ordnungswidrigkeitenverfahren. Constanze Voß, Präsidentin der Fachdirektion VII – Finanzkontrolle Schwarzarbeit der Generalzolldirektion: „Nur wer Informationen teilt und vernetzt ermittelt, kann risikoorientiert vorgehen und wirksam gegen Schwarzarbeit kämpfen. Der regelmäßige Austausch mit Partnerbehörden ist dafür unverzichtbar.“

Gemeinsame Aktionen vor Ort erhöhen Schlagkraft

Wie wirksam koordinierte Prüfungen sein können, zeigte eine Gemeinschaftsaktion am 10. März 2026 in der StädteRegion Aachen: Das Ordnungsamt, das Hauptzollamt Aachen, die Handwerkskammer Aachen und der Arbeitsschutz der Bezirksregierung Köln überprüften gemeinsam fünf Barbershops in Baesweiler, Alsdorf und Aachen. Bei allen kontrollierten Betrieben wurden Verstöße – etwa gegen Gewerbe-, Handwerks- und Sozialversicherungsrecht – festgestellt, die nun von den jeweiligen Behörden weiter verfolgt werden. Es war das erste Mal, dass auch Handwerkskammer und Arbeitsschutz in einer solchen Kontrolle direkt mitwirkten. „Die behördenübergreifende Zusammenarbeit bündelt Knowhow und Befugnisse. So werden Kontrollen deutlich effektiver,“ erklärt Nadine Pier, Ordnungsamt StädteRegion Aachen.

Handwerkskammer Region Stuttgart: KI-gestützt gegen Schwarzarbeit

Die Handwerkskammer Region Stuttgart hat ihre Aktivitäten gegen unerlaubte Handwerksausübung in den vergangenen Jahren deutlich intensiviert. Neben personeller Aufstockung und verstärkten Betriebsstättenprüfungen setzt die Kammer seit 2025 auch auf Künstliche Intelligenz: Ein KI-gestütztes Analysetool durchsucht Firmenwebseiten systematisch nach Betrieben, die zulassungspflichtige Handwerke ohne Eintrag in der Handwerksrolle anbieten. Allein im ersten Projektdurchlauf wurden rund 500 Betriebe überprüft, zahlreiche Eintragungen nachgeholt und mehrere Abmahnverfahren eingeleitet.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auch hier auf dem Friseurhandwerk: Seit Ende 2025 wurden rund 340 Friseur- und Barbershop-Betriebe auf die tatsächliche Anwesenheit ihrer eingetragenen Betriebsleitung überprüft. Bei Verstößen leitet die Kammer Löschungs- oder Betriebsuntersagungsverfahren ein. Im Frühjahr 2026 wurden ähnliche Betriebsleiterkontrollen auf das Kfz-Handwerk ausgeweitet: Von über 100 Einzelunternehmen mit angestellter Betriebsleitung wurden bereits 90 besucht. „Wir erhöhen die Aufklärungsquote dort, wo bisher noch zu wenig kontrolliert wurde. Deshalb ist die Vernetzung so wichtig: Gemeinsame Kontrollen und Schulungen machen alle beteiligten Behörden schlagkräftiger“, resümiert Volker Süssmuth, Rechtsberater Schwarzarbeitsbekämpfung und Wettbewerbsrecht der Handwerkskammer Region Stuttgart.

Zur Veranstaltung
Die 26. Bundesfachtagung zur Bekämpfung der Schwarzarbeit findet am 10. und 11. Juni 2026 in der Handwerkskammer Region Stuttgart, Heilbronner Straße 43, 70191 Stuttgart statt.

Die Bundesfachtagung gilt seit 1998 als zentrales Forum für den Austausch zwischen Handwerkskammern und Ordnungsbehörden. 2026 nehmen auch wieder die Zollbehörden teil. Das Ziel: Wissen bündeln, Netzwerke stärken, Schwarzarbeit wirksamer bekämpfen.

Zu den beteiligten Behörden

Im föderalen Deutschland sind eine Vielzahl an Behörden für die Bekämpfung der im Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz (SchwarzArbG) genannten Vergehen zuständig. Nachfolgend finden Sie eine Übersicht zu den Aufgaben der hier genannten Behörden.

Ordnungsamt

Das Ordnungsamt ist in Deutschland für die Bekämpfung von Schwarzarbeit zuständig, insbesondere im Bereich handwerks- und gewerberechtlicher Verstöße (z. B. fehlende Gewerbeanmeldung oder Meisterpflicht). Es verhängt Bußgelder, arbeitet eng mit dem Zoll zusammen und führt unangekündigte Kontrollen vor Ort durch.

Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS)

Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Zolls bekämpft Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung. Sie prüft, ob Unternehmen arbeits-, sozialversicherungs- und aufenthaltsrechtliche Vorschriften einhalten – vor allem in besonders gefährdeten Branchen wie Bau, Gastronomie, Transport oder Pflege. Dazu gehört auch die Kontrolle des gesetzlichen Mindestlohns. Regelmäßige Schwerpunktprüfungen dienen der Aufdeckung von Verstößen und wirken zugleich präventiv.

Handwerkskammer

Die Handwerkskammern sowie die Handwerksorganisationen unterstützen die zuständigen Behörden durch Hinweise auf mögliche Vergehen, aber auch durch das Führen der Handwerksrolle, Überprüfungen der handwerksrechtlichen Voraussetzungen sowie durch die Einleitung einer Androhung der Betriebsuntersagung oder von Schließungs- und Sanktionsverfahren.

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