So oder so ähnlich könnte ein Fall aussehen, der sich rund ein Jahr später in der Statistik des Deutschen Reanimationsregisters wiederfindet. „Denn gemeinsam mit den Einsatzdienstkolleginnen und -kollegen sowie den Krankenhäusern der Region dokumentieren wir minutiös jeden Schritt, wenn im Vogelsbergkreis der Rettungsdienst zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand alarmiert wird“, sagt Dr. Dennis Humburg, ärztlicher Leiter des Rettungsdiensts im Vogelsbergkreis. Alle 119 außerklinischen Reanimationen im Kreisgebiet, zu denen der Rettungsdienst alarmiert wurde, sind im Register erfasst.
Allerdings beeinflussen viele Faktoren den Erfolg einer Reanimation, unterstreicht der Mediziner. „Es macht einen Unterschied, ob ein Herz-Kreislauf-Stillstand am Arbeitsplatz oder unbeobachtet beim Spaziergang im Wald eintritt“, sagt Dr. Humburg. Vorerkrankungen spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Ursache des Herzstillstands. „Trotzdem muss man bedenken, dass jeder dritte Herz-Kreislauf-Stillstand im Kreisgebiet bei Menschen auftritt, die ohne bekannte, schwere Vorerkrankungen mitten im Leben stehen“, sagt Dr. Humburg. „Und dann ist es gut, wenn jemand in der Nähe ist, der Hilfe leistet und die Überlebenschancen erhöht.“
Betrachtet man alle durch den Rettungsdienst begonnenen Reanimationen, erreichten im letzten Jahr im Vogelsbergkreis 13,4 Prozent der Patienten nicht nur ein Krankenhaus, sondern verließen dieses auch wieder lebend. „Das mag wenig klingen. Es sind aber eben auch viele Menschen darunter, deren Kollaps nicht beobachtet wurde, und die schwere Vorerkrankungen hatten“, erklärt Dr. Humburg. „Und wir liegen damit in Deutschland auf Platz 15 und deutlich über dem Durchschnitt.“ Er ergänzt: „Noch wichtiger ist, dass von den Überlebenden fast neun von zehn keine schweren neurologischen Schäden davongetragen haben. Damit stehen wir 13 Prozent über dem Bundesschnitt.“
Besonders wichtig für den Fachmann sind die Ergebnisse bei den sogenannten „Indexpatienten“. Das sind Patienten, deren Kreislaufstillstand von einem Zeugen beobachtet wurde, die als ersten dokumentierten Herzrhythmus ein Kammerflimmern hatten und bei denen ein Problem des Herzens wahrscheinlich die Ursache war. „Das sind statistisch diejenigen mit den besten Karten, gerettet zu werden“, erklärt Dr. Humburg. „Unser Rettungsdienst hat es 2024 in genau 75 Prozent der Fälle geschafft, dass diese Menschen nach Kreislaufstillstand mit schlagendem Herzen in eine unserer Zielkliniken kommen. Deutschlandweit ist das nur in 66,5 Prozent der Einsätze gelungen. Diese Tendenz zieht sich durch alle anderen wichtigen Statistiken zu den Indexpatienten. Da sind wir überall 10 bis 20 Prozent besser als der Durchschnitt.“
„Die Daten zeigen, dass wir im Vogelsbergkreis durch die enge und gute Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Partnern im Rettungsdienst sowie in der klinischen Weiterversorgung gute Arbeit leisten“, konstatiert Dr. Humburg. Trotz ländlicher Struktur und weiter Wege schaffe man es etwa, in durchschnittlich 6,5 Minuten nach Alarmierung mit Rettungswagen oder Notarzt vor Ort zu sein, und verbessere weiter das System: „Mit unserem Voraushelferprogramm versuchen wir diese Zeit bei Herz-Kreislauf-Stillständen weiter zu verkürzen – gleichzeitig ist aber die Reanimation durch Ersthelfer im Privaten oder in der Öffentlichkeit nicht zu ersetzen“, sagt der Mediziner.
Die Ergebnisse des Rea-Registers fließen nun in die Fort- und Weiterbildung der Fachleute im Kreisgebiet ein, „gleichzeitig appelliere ich aber auch an die Bürgerinnen und Bürger, ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen. Denn jede Minute zählt!“, macht der Ärztliche Leiter abschließend deutlich.
Wie kann ich helfen?
Beim Herz-Kreislauf-Stillstand zählt schnelles Handeln, wenn lebenswichtige Organe nicht mit Sauerstoff versorgt sind. Daher gilt der Satz: Das Einzige, was man falsch machen kann, ist, nichts zu tun! „Reagiert ein bewusstloser Mensch nicht, atmet nicht normaloder gar nicht, muss sofort über die 112 der Rettungsdienst verständigt werden und mit der Herzdruckmassage begonnen werdenerklärt der Ärztliche Leiter. Die Mitarbeiter der Leitstelle unterstützen dann mit klaren Anweisungen und leiten die Reanimation nach einem vorgegebenen Protokoll an.
„Wenn der letzte Erste-Hilfe-Kurs schon länger als zwei Jahre zurückliegt, sollte man seine Kenntnisse auffrischen“, rät der Fachmann. „Denn 80,7 Prozent der Reanimationen beginnen in den eigenen vier Wänden. Grundlegendes Wissen kann dort Leben retten“, sagt Dr. Humburg abschließend.
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