„Ich kann nicht die Welt retten, aber ich kann sie vielleicht etwas besser machen“.

Wer in eines der ärmsten Länder der Welt reist, hat nicht Urlaub und Erholung im gedanklichen Gepäck. So auch nicht Mario Kunzendorf, Obermeister der Dachdecker-Innung Oberpfalz und Kreis Kelheim, sein Odenwälder Kollege, Dachdeckermeister Michael Lenk und acht weitere deutsche Handwerksmeister, die in einer heißen Julinacht auf dem Airport von Entebbe ankamen. Sie alle waren vielmehr einer Einladung der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ gefolgt. Sinn und Ziel der Reise war es, durch den direkten Erfahrungsaustausch und Betriebspartnerschaften eine „unmittelbare Entwicklungshilfe“ zu leisten. Aktives Netzwerken anstatt Almosen.

„German Quality“ hat in Uganda, einem Land mit 40 Mio. Einwohnern, die Hälfte davon unter 16 Jahre alt, einen hervorragenden Ruf. Auch bei den von der Handwerker-Delegation besuchten Betrieben. Dazu gilt das deutsche Duale Ausbildungssystem auch hier als vorbildlich.

„Ugandische Handwerker wollen von uns lernen“, berichtet Mario Kunzendorf nach vielen persönlichen Gesprächen mit seinen afrikanischen Handwerkskollegen. „Und sie können und sollen von uns nicht nur das Handwerk und die Ausbildung lernen, sondern auch Arbeitsschutz, Baurecht und Nachhaltigkeit – um damit langfristig sichere Arbeitsplätze zu schaffen“. Wer Arbeit und ein Auskommen mit seinem Einkommen hat, der hat keinen Grund, sein Land zu verlassen.


Kunzendorf sieht sein Engagement als kleinen Baustein zu einer direkten Entwicklungshilfe per Selbsthilfe. Er weiß, wovon er spricht. Viele Entwicklungsländer hat er bereits bereist, hat drei Patenkinder in Entwicklungsländern und hatte auf der Uganda-Reise verschiedene Werkzeuge mit dabei und an Handwerker vor Ort verschenkt. „Der stete kleine Tropfen, der durch direkte Kontakte und Partnerschaften permanent fließt, kann mehr bewirken als das Gießkannenprinzip vieler staatlicher Entwicklungshilfen“, weiß er aus eigener Erfahrung.

Außerdem sieht der Obermeister aus der Oberpfalz hier einen durchaus gewünschten Nebeneffekt für die eigene Nachwuchsgewinnung im deutschen Handwerk: „Ein interkultureller Austausch ist nicht nur eine gute Imagegeschichte für unser Handwerk – wir können damit auch zeigen, dass ein guter deutscher Dachdecker nicht nur auf deutschen Dächern arbeiten kann, sondern auch im Ausland ein gefragter Experte ist“.

Erste Erfolge haben sich schon wenige Monate nach der Reise gezeigt. So hat ein Schreinermeister aus Niederbayern im Rahmen einer Betriebspartnerschaft einen Gegenbesuch von einem ugandischen Kollegen bekommen. Erfahrungen zur Optimierung der Fertigung wurden ihm mit auf den Weg zurück nach Kampala gegeben. Die Wege für einen reibungs- und verlustfreien Versand von Maschinen und Werkzeugen nach Uganda wurde geebnet. Im Gegenzug könnten uralte afrikanische Holzbearbeitungstechniken bald Einzug in Bayern halten. Ein Baumrindenvlies gilt als ältestes Textil der Menschheit und ist inzwischen eingetragenes UNESCO Weltkulturerbe. Und es könnte schon bald zur Verzierung von Möbeln aus bayerischer Produktion eingesetzt werden.

Bereits im Juni hatte die GIZ Handwerker zu zwei Reisen nach Ruanda eingeladen. An einer dieser Reisen nahm als Vertreter des Dachdeckerhandwerks der Dachdeckermeister Uwe Mäusgeier aus Rotenburg a. d. Fulda teil. Er absolviert derzeit ehrenamtlich eine Fortbildung zum Internationalen Handwerksmeister.

Die beste Entwicklungshilfe für ein Land und sein Handwerk ist eine gegenseitige Partnerschaft von Handwerksbetrieben – da ist sich Mario Kunzendorf sicher.  Bestes Beispiel dafür ist sein Kollege aus Thüringen, Dachdeckermeister Rolf Strathausen. Schon seit Jahren engagiert er sich erfolgreich in Uganda mit dieser Art der „persönlichen Entwicklungshilfe“ mit einem eigenen Hilfsverein Ugandakreis Heiligenstadt e. V. (www.ugandakreis.de). Von diesem Verein werden derzeit mehrere Projekte – von Schulen bis zu Solarstromanlagen – unterstützt.

„Ich weiß auch, dass ich Afrika nicht retten kann – aber wenn sich etwas Sinnvolles ergibt, will ich dabei sein“. Dieser Satz des Obermeisters der oberpfälzischen Dachdecker-Innung Mario Kunzendorf soll gleichzeitig eine Einladung an seine Kolleginnen und Kollegen sein, diesen Weg mit ihm zu gehen.

In Vorbereitung ist übrigens bei der GIZ eine ähnliche Reise von deutschen Handwerkern nach Äthiopien.

Kontakt: info@kunzendorf.com

BUZ: Bilder Kunzendorf

Bild U260.jpg: Maria Strathausen mit einem Schreinerschüler im Ausbildungszentrum Nakawa

Bilder U057 und U013.jpg: Typische Baustellenszenen in Uganda

Bild U518.jpg: Selbst gepresste Betondachsteine und eine „schwungvolle“ Verlegetechnik.

Bild IMG4811.jpg: Hinten Mitte links: Obermeister Mario Kunzendorf und (re.) Dachdeckermeister Michael Lenk in einer Gruppe Sanitärschüler. Foto: GIZ

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