2026 war kein gutes Jahr für die Religionsfreiheit

Die Jahrbücher „Religionsfreiheit“ und „Verfolgung und Diskriminierung von Christen“ werden herausgegeben für die Evangelischen Allianzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie für das Internationale Institut für Religionsfreiheit und die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM).

Die Frage, ob sich die Lage im Blick auf Verletzungen der Religionsfreiheit und der Menschenrechte generell verbessert und ob Diskriminierung und Verfolgung gläubiger Menschen abgenommen habe, haben die Herausgeber der Jahrbücher mit einem klaren Nein beantwortet. Darüber informierte u.a. die Presseplattform „Bonner Querschnitte“ – eine Einrichtung im Umfeld der Evangelischen Allianz – in einer Pressemitteilung.

Die weltweite Lage der Religionsfreiheit müsse 2026 im Vergleich zu den Vorjahren als „schlechter“ bis „anhaltend schlecht“ bewertet werden. Dabei wurde besonders auf die Verschärfungen der Situation in Iran, Pakistan und Ägypten sowie in Staaten wie China und Kuba hingewiesen. Populistische Instrumentalisierungen religiöser Identität oder Narrative zur Einschränkung von Religions- und Weltanschauungsfreiheit seien auf dem Vormarsch. Der Missbrauch des Glaubens als ideologische Waffe und die religiöse Legitimierung von Kriegsverbrechen durch Russland sei zudem eine sich verschärfende Besonderheit.

Auch der Beauftragte der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Thomas Rachel (CDU), äußerte sich aus Anlass der Veröffentlichung der Jahrbücher besorgt über die Zunahme der Verstöße gegen die Religionsfreiheit, wie die evangelische Nachrichtenagentur IDEA berichtete. Er nannte dazu Beispiele aus Nicaragua, Pakistan und China.

Fehlender Wille zur Verteidigung der Religionsfreiheit

Nicht nur Religionsfreiheit sei bedroht, sondern zunehmend auch der Wille, sie zu verteidigen, so der Präsident des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (IIRF) sowie der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (ISHR), Prof. Dr. Thomas Paul Schirrmacher: „Die Religionsfreiheit ist weltweit gleich doppelt bedroht: durch diejenigen, die sie mit Füßen treten, und durch diejenigen, die sie aus der internationalen Politik verdrängen.“ Dies sei eine gefährliche Entwicklung. „Nicht nur die Religionsfreiheit gerät unter Druck, sondern auch der politische Wille, sie zu verteidigen. Angesichts der Kriege und Bürgerkriege in der Ukraine, in Äthiopien, im Iran, im Nahen Osten und anderswo, angesichts geopolitischer Machtkämpfe und energiepolitischer Abhängigkeiten wird die Religionsfreiheit zunehmend zur Nebensache. Für Regierungen, die religiöse Minderheiten unterdrücken, ist das eine gute Nachricht: Sie müssen immer seltener mit ernsthaften Konsequenzen rechnen“, so Schirrmacher. Dagegen helfe nur eine breite, religionsübergreifende Allianz von Politikern, Parlamentariern, Journalisten, Wissenschaftlern, religiösen Führungspersönlichkeiten und Menschenrechtsorganisationen. Sie brauche eine gemeinsame Grundlage: unabhängig erhobene, sorgfältig überprüfte und belastbare Fakten. „Mit unseren Jahrbüchern wollen wir dazu einen konkreten Beitrag leisten. Denn wer die Religionsfreiheit aus der internationalen Politik verdrängt, schafft den Verfolgern neue Freiräume“, erklärte er.

Geschlechtsspezifische Dimension

Die Abgeordnete des österreichischen Nationalrats, Vize-Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung der OSZE und Sprecherin für Menschenrechte der ÖVP, Dr. Gudrun Kugler, wies auf die geschlechtsspezifische Dimension der Verfolgung hin: Frauen aus religiösen Minderheiten erlebten Verfolgung häufig in einer doppelten oder mehrfachen Weise – sowohl als Frau als auch aufgrund ihres Glaubens. „Während Männer häufiger direkter physischer Gewalt ausgesetzt sind, sind Frauen besonders von Zwangsheirat, Entführungen, sexualisierter Gewalt und sozialer Ausgrenzung betroffen. Diese Formen der Gewalt bleiben oft unsichtbar, entfalten jedoch eine tiefgreifende Wirkung auf das Leben der Betroffenen und auf die Stabilität ganzer Gemeinschaften“, so Kugler.

Bezug der Jahrbücher

Die Jahrbücher stehen ab sofort zum kostenfreien Download bereit (https://iirf.global/jahrbuch/) oder können als zum Wendebuch zusammengebundenes Jahrbuch für 16 Euro im Buchhandel erworben werden.  Gemeinnützige Organisationen können kostenlose Exemplare zur gezielten Weitergabe an Entscheidungsträger in 10er-Paketen beim Internationalen Institut für Religionsfreiheit bestellen (E-Mail: jahrbuch@vkw.li).

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