Verwertung von Nesselfasern aus Grenzertragsflächen, angebaut im System der Agro-Forstwirtschaft

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Die Diskussionen über die energetische und rohstoffliche Nutzung von Biomasse zeigen, dass es einen zunehmenden Landnutzungskonflikt zwischen den Bedürfnissen der Nahrungsmittelproduktion und dem „Non-Food“-Einsatz von Pflanzenprodukten gibt. Dieser Konflikt ist durch die Nutzung von Grenzertragsflächen, die z.B. durch industrielle Kontamination für die Nahrungsmittelproduktion ungeeignet sind, gleich grundsätzlich lösbar. Während die Biomasse-Erzeugung für die Energiegewinnung auf Grenzertragsflächen bereits realisiert ist, fehlen Konzepte für die Produktion biologischer Werkstoffe auf diesen Böden – wie Pflanzenfasern. Durch die Auswahl entsprechender Pflanzenarten lässt sich weiterhin die Biodiversität verbessern. Das EU-Projekt NETFIB (Förderung über Horizon 2020), an dem die Hochschule Bremen (HSB) beteiligt ist, bietet hierzu einen ganzheitlichen Ansatz: Verwertung von Nesselfasern aus dem Anbau auf Grenzertragsflächen in einem nachhaltigen innovativen Agro-Forstwirtschaftssystem.

Das Projektthema ist brandaktuell; wie die kürzlich veröffentlichte Aussage (VDI Nachrichten vom 23. August 2019) von Vorsitzenden des Weltklimarats IPCC, Hoesung Lee zeigt: „Die Landflächen stehen unter einem wachsenden, von Menschen erzeigten Druck“. Teil der Lösung liege im Umgang mit den zur Verfügung stehenden Landflächen. Auch Bundes-Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) kündigte noch für dieses Jahr eine neue „Ackerbaustrategie“ an (https://www.abendblatt.de/politik/ausland/article226715725/Weltklimarat-Schon-1-5-Grad-Temperaturanstieg-ueber-Land.html). Das Projekt wird von einem europäischen Konsortium aus Wissenschaft und Industrie an fünf Standorten in der EU durchgeführt (Italien, Frankreich, Österreich, England und Deutschland).


Die einheimische Große Brennnessel (Urtica dioica) steht potenziell in großen Mengen auf solchen „Phytomanagement“-Standorten zur Verfügung. Das bisher nicht ausreichend geprüfte Verwertungspotential der Brennnessel, soll in diesem Projekt analysiert werden. Die Arbeitsgruppe Biologische Werkstoffe von Professor Dr.-Ing. Jörg Müssig am Bionik-Innovations-Centrum der HSB leitet in dem Projekt das Arbeitspaket zur Bewertung der Brennnesselfaserqualität für die Faserverarbeitung. Weiterhin gehört zu den Aufgaben der HSB die Bewertung der Nachhaltigkeit des NETFIB-Konzepts. Darin sieht Dr. Katharina Albrecht eine großartige Chance: „Unsere langjährige Erfahrung im Bereich der Erstellung von Naturfaser-Prozessketten zur Bestimmung der ökologischen Nachhaltigkeit fließen in dieses Projekt ein.“ Professor Jörg Müssig, der Projektleiter seitens der HSB, freut sich sehr über den Start des dreijährigen EU-Projekts: „Mit der Durchführung des Projektes können wir ein Anbaukonzept zur ökologischen und ökonomisch nachhaltigen Produktion eines Nachwachsenden Rohstoffes entwickeln, das nicht in Konkurrenz mit der Lebensmittelproduktion steht.“

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