Dresden-Sinfonie zum 2. Jahrestag der Wiedereröffnung des Kulturpalasts

Mit der Dresden-Sinfonie für Chor, Kinderchor und Orchester von Karsten Gundermann feiert die Philharmonische Familie die Wiedereröffnung des Kulturpalasts vor zwei Jahren. Aktive und ehemalige Philharmoniker, das Fördervereinsorchester und die Philharmonischen Chöre bringen ein opulentes Werk auf die Bühne des Konzertsaals, das nichts weniger als eine „lokale Utopie“ ist.

„Dresden – das sind nicht Sehenswürdigkeiten, die selbstbewusst im Zentrum thronen – es sind die Menschen, die zu ihren Seiten geboren werden, leben, lieben, leiden und weiterleben und die Stadt bewohnen."
(aus dem Eingangsteil der Dresden-Sinfonie)

Wie wird sich Dresden in Zukunft entwickeln? Wie wird die Stadt in 25, 50, 75 Jahren aussehen? Ist die Neustadt dann verkehrsfreie Zone? Werden die Kinder dann vom Internet erzogen? Gewinnen die Löbtauer Bürgerbots gegen die globale Mietperformance-KI?
Karsten Gundermann hat ein Werk geschaffen, das aktueller und lokalbezogener kaum sein könnte. Ausgehend von den Menschen, die in Dresden leben und leben werden, beziehen sich die Gesangstexte auf Eigenheiten des urbanen Raums und ihre Relevanz für genau diese Stadt. So geht es beispielsweise um das Verhältnis von Zentrum und Peripherie, Stadt und Umland oder auch von historischer zu moderner Stadtplanung.


Musikalisch orientiert sich das Werk weniger an den Formen zeitgenössischer Avantgarde, sondern vielmehr am Festcharakter des Konzerts und der Zusammensetzung der Mitwirkenden. Über seine Musik sagt Gundermann, sie sei inspiriert von der Vielfalt und Originalität der Volksmusik, er selbst liebe Melodien und glaube an die Kraft der Harmonie, in der Musik wie auch als Lebenshaltung. Die Texte seines Werkes entstanden in intensiven Diskussionen mit Stadtplanern, Sozialarbeitern, Ingenieuren, Architekten und nicht zuletzt Bewohnern seiner Heimatstadt Dresden.

Karsten Gundermann (*1966), studierte Komposition in Dresden, klassisches Chinesisches Theater in Peking und Musik für Film und Theater an der New York University. Entsprechend vielseitig ist auch sein Schaffen. Mit seiner 1993 uraufgeführten Oper Die Nachtigall schuf er eine der bedeutendsten Pekingopern der Gegenwart. Nach Abschluss seines Studiums arbeitete er freischaffend für Werbung, Film und Fernsehen. Als Komponist und Kulturmanager setzt er sich in zahlreichen Projekten für Kulturaustausch und Völkerverständigung ein. Ein Schwerpunkt seines Schaffens widmet sich der Einbindung ausländischer Instrumente ins europäische Sinfonieorchester, so entstanden u.a. das Didgeridoo-Konzert, ein Hardangerfiedelkonzert, das Konzert für Maultrommel und Orchester sowie ein Konzert für Bansuri und Streichorchester. Die Auseinandersetzung mit außereuropäischer Musik ermöglichte Gundermann gleichzeitig eine neue Annäherung an die eigene deutsche Volkskunsttradition. So entstanden zahlreiche Volksliedbearbeitungen und in jüngster Zeit Forschungen im Bereich des sächsischen Minnegesangs: Das Hohe Lob der Frau und Das Hohe Lob des Heiligen Kreuzes – zwei Rekonstruktionen mittelalterlicher Werke nach Heinrich von Meissen.

In enger Zusammenarbeit mit dem Dresdner Kammerchor oder dem Rias Kammerchor entstanden Entwicklungen neuer Vokalmusik als Crossoverprojekt oder Klangcollagen (Chinesisch Deutsche Jahres- und Tageszeiten – ein Goetheoratorium oder Le Cinesi – Barockoper trifft Pekingoper, Emotik und Lachmusik – zwei experimentelle Videopartituren). In den letzten Jahren gab es eine stärkere Hinwendung zum Musiktheater, Kammeroper und Oper (Kafkas Prozeß, Eroica, Die Wassermelonenkerne, Faust 2). Gundermann schrieb bisher drei Sinfonien: Spreesinfonie, (2007, Dresdner Philharmonie), Abendland, (2007, Beethovenorchester Bonn) und Wachstum und Gewalt, (2016, Elblandphilharmonie Sachsen). Für Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, die Internationale Bachakademie Stuttgart und die Elblandphilharmonie Sachsen entstanden zahlreiche Education- und Stadtteilprojekte. Die dort gesammelten Erfahrungen weckten Gundermanns Interesse an Stadtplanung und Kulturvermittlung, die sich in den Texten seiner neuesten Sinfonie "Dresden – eine lokale Utopie" wiederfinden.

Das Orchester des Fördervereins Dresdner Philharmonie e.V. hat sich in den über 20 Jahren seines Bestehens ein breites Repertoire erarbeitet und findet sich unter der Leitung von Prof. Wolfgang Hentrich, Konzertmeister der Dresdner Philharmonie, regelmäßig zu ambitionierten Projekten zusammen. Unterstützt wird es bei diesem Konzert von ehemaligen und aktiven Philharmonikerinnen und Philharmonikern, von den Philharmonischen Chören sowie von der Deutschen Streicherphilharmonie, dem jüngsten deutschen Spitzenorchester.

Tickets ab 14 Euro sind über den Ticketservice der Dresdner Philharmonie und an der Abendkasse erhältlich.

Programm:
28. April 2019, Sonntag, 18.00 Uhr

Konzertsaal
KULTURPALAST

Jean Sibelius
Andante festivo (1922/38)

Grazyna Bacewicz
Konzert für Streichorchester (1948)

Georges Bizet
Suite aus „L’Arlésienne“ (1872)

Karsten Gundermann
Dresden-Sinfonie – eine lokale Utopie für Chor, Kinderchor und Orchester (2019), Uraufführung

Prof. Wolfgang Hentrich | Leitung
Fördervereins-Orchester gemeinsam mit ehemaligen und aktiven Mitgliedern der Dresdner Philharmonie
Philharmonischer Chor Dresden
Philharmonischer Kinderchor Dresden
Deutsche Streicherphilharmonie

Veranstaltung des Fördervereins Dresdner Philharmonie e.V. in Kooperation mit der Dresdner Philharmonie

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