Immer Ärger mit den Großeltern

Was erben wir von unseren Vorfahren? Kulturelle Prägungen, aber auch unverarbeitete Traumata der Eltern- und Großelterngeneration übertragen sich auf die Nachgeborenen und können dort nicht nur unerklärliche Verhaltensweisen, sondern auch Krankheiten auslösen. Wie gelingt ein selbstbestimmter Umgang mit dem Erbe, das wir nicht oder nur in Teilen in unser Leben übernehmen möchten? Mit einer Arbeit der Leipziger Künstlerin Ute Richter zu Rosa Luxemburg bis hin zu Wilhelm Klotzeks humorvoller Persiflage der Debattenkultur über die architektonischen Visionen und städtebaulichen Sünden der Eltern- und Großelterngeneration nach 1989 spannt die Ausstellung einen Bogen: Vom Erbe der Gewalt, die mit dem Ringen um eine neue Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts einherging, bis hin zur Suche nach Neuorientierung in einer postutopischen Gesellschaft nach 1989, von der mutmaßlich unerklärlich auftretenden Schmerzkrankheit in der dritten Generation (Antje Engelmann) mitten hinein in eine Stadt, in der der generationelle Wechsel und Umgang mit historischen Prägungen eine besondere Rolle spielt, verkörpert in der Arbeit von Sven Johne in der Figur des 70-jährigen Ingenieurs Peter Bittel, der einen Brief an Wladimir Putin schreibt.

Die Ausstellung wird im Kontext der Dresdner Gedenkveranstaltungen im Februar 2018 auch als ein Beitrag zu Fragen der Erinnerungskultur gezeigt:

Der geweitete Traditionsraum einer jungen Generation von Künstlerinnen und Künstlern, überwiegend mit Lebensschwerpunkt in Deutschland, umfasst neben der Auseinandersetzung mit dem durch die Generationen weitergegebenen familiären Erbe des Nationalsozialismus (Ingo Vetter, Amit Epstein, Lisa Maria Baier, Deborah Jeromin, Antje Engelmann) und dem kulturellen und politischen Nachlass der DDR und der Transformationszeit nach 1989 (Sven Johne, Margret Hoppe, Kateřina Šedá, Wilhelm Klotzek) auch das erinnerungskulturelle Tabu der japanischen Kolonialherrschaft in Korea (Kyung-hwa Choi-ahoi), das Erbe kolonialer rassistischer Ideologien (Rajkamal Kahlon) und das materielle Erbe, das Sorgen auslöst: Brachliegende Grundstücke in Bosnien-Herzegowina (Saša Tatić , Mila Panić), Goldzähne (Ingo Vetter), ein Gemälde (Amit Epstein) …


Inspiriert durch eine von dem Künstler Ingo Vetter kuratierte Ausstellung im Künstlerhaus Sootbörn in Hamburg wurde ›Immer Ärger mit den Großeltern‹ in Zusammenarbeit mit den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern durch das Kunsthaus Dresden weiterentwickelt.

Gefördert durch die Stiftung Kunstfonds Bonn.

Künstlerinnen und Künstler
Lisa Maria Baier, Kyung-hwa Choi-ahoi, Antje Engelmann, Amit Epstein, Deborah Jeromin, Sven Johne, Margret Hoppe, Rajkamal Kahlon, Ahmet Kavas, Wilhelm Klotzek, Kateřina Šedá, Mila Panić , Ute Richter, Johanna Rüggen, Saša Tatić , Nikos Valsamakis, Ingo Vetter

Kuratiert von Christiane Mennicke-Schwarz (Künstlerische Leiterin Kunsthaus Dresden) und Ingo Vetter (Künstler und Co-Initiator der Ausstellung)

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