Partei-Websites im Check 2026: bei digitaler Barrierefreiheit und Datenschutz besteht Verbesserungspotenzial

 

Zwei zentrale Compliance-Themen für Websites

Wie gut sind die Websites deutscher Partei-Landesverbände bei Datenschutz und digitaler Barrierefreiheit aufgestellt?

Im Mittelpunkt der Analyse standen zwei zentrale Aspekte der digitalen Compliance: mögliche Datenschutzlücken und technische Barrieren bei der digitalen Barrierefreiheit. Ziel der Analyse war es, einen parteiübergreifenden Überblick zu geben und aufzuzeigen in welchem Umfang Verbesserungspotenzial besteht. Ausgewertet wurde, welche Risiko-Score-Verteilungen die Websites der einzelnen Landesverbände aufweisen. Zudem wurde der Gesamtscore pro Partei ermittelt.

Die Ergebnisse unterscheiden sich deutlich: Beim Datenschutz schneiden die untersuchten Websites insgesamt besser ab als bei der digitalen Barrierefreiheit. Während beim Datenschutz 78 % der Websites (64 von 82) Hinweise auf Datenschutzlücken haben, zeigen bei der Barrierefreiheit 99 % der Websites (81 von 82) automatisiert erkennbare Auffälligkeiten.

Gleichzeitig macht die Analyse deutlich, dass beide Themen kontinuierliche Aufmerksamkeit erfordern. Ein Cookie-Banner und eine Datenschutzerklärung machen eine Website nicht automatisch Datenschutzkonform. Entscheidend ist, ob die technische Datenverarbeitung, die Einwilligungsmechanismen und die Informationen in der Datenschutzerklärung tatsächlich zusammenpassen.

Bei der Analyse der digitalen Barrierefreiheit wird untersucht, ob technische und strukturelle Barrieren die Wahrnehmung, Bedienung oder das Verständnis einer Website erschweren können. Dazu zählen unter anderem die Zugänglichkeit von Inhalten, eine nachvollziehbare Seitenstruktur sowie die Nutzbarkeit von Navigation, Links, Buttons und Formularen.

Politische Websites tragen besondere digitale Verantwortung

Parteien wollen Menschen informieren, politische Positionen vermitteln und gesellschaftliche Beteiligung ermöglichen.

Politische Websites sind daher eine zentrale Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger. Ein verantwortungsvoller Umgang mit personenbezogenen Daten ist von besonderer Bedeutung, wenn Bürgerinnen und Bürger Kontaktformulare nutzen, Newsletter abonnieren oder sich über Mitgliedschaft und Beteiligungsmöglichkeiten informieren. Eine transparente und datenschutzbewusste technische Gestaltung unterstützt dabei das Vertrauen in diese Angebote.

Barrierefreiheit ist aus Perspektive der Teilhabe besonders relevant: Bürgerinnen und Bürger sollten politische Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten möglichst unabhängig davon nutzen können, ob sie beispielsweise auf Tastaturnavigation, Screenreader, Vergrößerungsfunktionen oder andere assistive Technologien angewiesen sind. Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, wird eine relevante Anzahl an Nutzern von den digitalen Angeboten ausgeschlossen. Mit Blick auf die demografische Entwicklung in Deutschland ist die Teilhabe von älteren Menschen an digitalen Angeboten hervorzuheben.

Barrierefreiheit zeigt das größte Verbesserungspotenzial

Bewertet wurde auf einer Skala von A=bester Wert bis G= schlechtester Wert. Das Ergebnis bei der digitalen Barrierefreiheit fällt deutlich aus. Nur eine der 82 untersuchten Websites erreicht den Risiko-Score A – das ist 1 %. Bei 99 % der untersuchten Websites gibt es Hinweise auf Probleme mit Barrierefreiheit.

Die Websites wurden wie folgt eingeordnet:

  • 1 Website (1 %) mit Score A
  • 9 Websites (11 %) mit Score B
  • 11 Websites (13 %) mit Score C
  • 31 Websites (38 %) mit Score D
  • 5 Websites (6 %) mit Score E
  • 21 Websites (26 %) mit Score F
  • 4 Websites (5 %) mit Score G

Untersucht wurde zusätzlich der durchschnittliche Gesamtscore pro Partei. Hier gibt es ebenfalls ein heterogenes Bild. Am besten scheidet die Partei Die Linke mit einem Gesamtscore von C ab. Im Durchschnitt kommt die SPD auf einen Gesamtscore von D. Damit liegt sie gleichauf mit AfD, BSW, Bündnis 90 / Die Grünen und FDP. CDU/CSU sowie die Klein- und Regionalparteien erreichen jeweils den Gesamtscore E.

Beim Scan auf Probleme mit Barrierefreiheit wurden automatisiert erkennbare Auffälligkeiten festgestellt. Diese können beispielsweise Kontraste, Alternativtexte für Bilder, Formularbeschriftungen, Links und Buttons, Spracheinstellungen oder Überschriftenstrukturen betreffen. Die erkannten Hinweise geben einen Überblick über technisch bedingte Probleme einer Website in Bezug auf Barrierefreiheit und zeigen auf, in welchen Bereichen Handlungsbedarf besteht.

Wichtig für die Einordnung: Automatisierte Prüfungen können nur einen Teil möglicher Barrierefreiheitsprobleme erkennen und ersetzen kein vollständiges manuelles Audit. Sie liefern jedoch konkrete technische Hinweise darauf, wo eine weiterführende Prüfung sinnvoll ist.

Beim Datenschutz-Scan zeigt sich ein differenzierteres Bild

Beim Datenschutz fallen die Ergebnisse gemischter aus. Das Thema scheint stärker bei der Umsetzung der Websites verankert zu sein. 22 % (18 von 82) der Websites erreichen mit Score A die beste Bewertung innerhalb der Analyse. Gleichzeitig wurden bei insgesamt 78 % (64 von 82) der Websites technische Auffälligkeiten oder Risikohinweise festgestellt.

Das Ergebnis:

  • 22 % (18) der Websites mit Score A
  • 38 % (31) der Websites mit Score B
  • 9 % (7) der Websites mit Score C
  • 23 % (19) der Websites mit Score D
  • 9 % (7) der Websites mit Score E

Auch bei den Ergebnissen aus den Datenschutz-Scans wurde der durchschnittliche Gesamtscore pro Partei ermittelt. Der durchschnittliche Wert der Parteien liegt nah beieinander: bei 4-mal B und 4-mal C.  Mit einer Gesamtbewertung von B schneiden BSW, Die Linke, FDP sowie die Klein- und Regionalparteien im Vergleich am besten ab. AfD, Bündnis 90/Die Grünen, CDU/CSU und SPD erreichen jeweils die Gesamtbewertung C.

Die Ergebnisse zeigen damit einerseits Beispiele für eine solide technische Umsetzung, andererseits aber auch weiteres Optimierungspotenzial.

Die Ergebnisse betreffen das gesamte Parteienspektrum

Die Analyse macht Unterschiede zwischen einzelnen Partei-Landesverbänden sichtbar, zeigt zugleich aber eine klare Gemeinsamkeit: Verbesserungspotenziale bei Datenschutz und Barrierefreiheit lassen sich nicht einer bestimmten politischen Richtung zuordnen.

Bei der digitalen Barrierefreiheit finden sich bei allen Parteigruppen durchgehend Landesverbände mit mittleren oder höheren Risikowerten. Eine barrierefreie Website ist hier die Ausnahme von der Regel.

Beim Datenschutz ist das Bild differenzierter: Verschiedene Partei-Landesverbände verfügen über Websites mit Score A oder B, gleichzeitig treten bei einzelnen Landesverbänden höhere Risikowerte auf. Insgesamt ist das Thema Datenschutzkonformität stärker in der Umsetzung der Websites verankert.

Dennoch besteht bei einer erheblichen Anzahl der untersuchten Websites in Bezug auf mögliche Datenschutzlücken und bei automatisiert erkennbaren Barrieren Verbesserungspotenzial.

Wie bei der Betrachtung der Gesamtwerte nach Parteien sichtbar wurde, steht weniger das Abschneiden einzelner Parteien im Vordergrund als eine gemeinsame Frage: Wie können politische Websites dauerhaft zugänglich, datenschutzbewusst und nutzerfreundlich gestaltet werden?

Was Parteien und Webagenturen konkret tun können

Viele technische Auffälligkeiten entstehen in wiederverwendeten Templates, Designsystemen, CMS-Komponenten, Formularmodulen oder eingebundenen Drittanbieter-Diensten. Verbesserungen an diesen zentralen Stellen können sich daher auf zahlreiche Unterseiten gleichzeitig auswirken.

Mögliche Ansatzpunkte sind:

  • Barrierefreiheit früh berücksichtigen: Navigation, Buttons, Formulare, Dialogfenster und Consent-Banner bereits bei Konzeption und Entwicklung auf Zugänglichkeit prüfen.
  • Datenschutz regelmäßig kontrollieren: Tracking, Cookies, externe Dienste, Consent-Mechanismen und Formularprozesse technisch überprüfen.
  • Automatisiertes Monitoring etablieren: Wiederkehrende Scans nutzen, um Veränderungen und neue technische Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen.
  • Manuelle Barrierefreiheit-Tests ergänzen: Zentrale Nutzerwege mit Tastatur, Screenreader und Vergrößerungsfunktionen praktisch überprüfen.
  • Verantwortlichkeiten verbinden: Redaktion, Entwicklung, UX, Datenschutz und Compliance in gemeinsame Qualitätsprozesse einbeziehen.

Fazit: Eine gemeinsame Qualitätsaufgabe für politische Websites

Die Analyse liefert vor allem eine zentrale Erkenntnis: Bei der digitalen Barrierefreiheit besteht auf den untersuchten Partei-Websites parteiübergreifend deutliches Verbesserungspotenzial. Beim Datenschutz ist das Bild differenzierter, auch hier zeigen sich jedoch bei vielen Websites technische Ansatzpunkte für Verbesserungen.

Die Ergebnisse sollen dabei nicht einzelne Parteien an den Pranger stellen. Sie zeigen vielmehr, dass Datenschutz und digitale Barrierefreiheit dauerhafte Qualitätsaufgaben für politische Webangebote sind.

Automatisierte Prüfungen können hierfür einen Ausgangspunkt bilden, indem sie technische Auffälligkeiten sichtbar machen und eine gezielte Priorisierung ermöglichen. In Kombination mit manuellen Tests und fachlicher Bewertung können sie Parteien und Webagenturen dabei unterstützen, ihre Angebote kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Das Ziel ist dabei ebenso einfach wie relevant: Politische Informationen sollten für möglichst viele Menschen zugänglich sein und über digitale Angebote bereitgestellt werden, denen Bürgerinnen und Bürger vertrauen können.

Über die Analyse

Untersucht wurden 82 Websites von Landesverbänden der in deutschen Landtagen vertretenen Parteien. Die automatisierte Analyse wurde mit der decareto Plattform für Website-Compliance-Analyse am 3. August 2026 durchgeführt.

Die ermittelten Scores und Befunde stellen technische Risikohinweise dar und sind ausdrücklich nicht mit einer abschließenden rechtlichen Bewertung oder einem vollständigen Barrierefreiheits-Audit gleichzusetzen.

Folgende Websites von deutschen Partei-Landesverbänden wurden untersucht

AfD Hessen, AfD Landesverband Baden-Württemberg, AfD Landesverband Bayern, AfD Landesverband Berlin, AfD Landesverband Brandenburg, AfD Landesverband Bremen, AfD Landesverband Hamburg, AfD Landesverband Niedersachsen, AfD Landesverband NRW, AfD Landesverband Rheinland-Pfalz, AfD Landesverband Saarland, AfD Landesverband Sachsen, AfD Landesverband Sachsen-Anhalt, AfD Landesverband Thüringen, AfD Mecklenburg-Vorpommern, BSW Brandenburg, BSW Landesverband Berlin, BSW Landesverband Sachsen, BSW Landesverband Thüringen, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Berlin, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Rheinland-Pfalz, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Baden-Württemberg, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Hessen, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Landesverband Bayern, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Landesverband Niedersachsen, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Landesverband NRW, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Landesverband Schleswig-Holstein, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Mecklenburg-Vorpommern, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen-Anhalt, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Landesverband Bremen, BÜNDNIS DEUTSCHLAND Landesverband Bremen, Bürgerallianz Bremen/Bremerhaven, CDU Hessen, CDU in Niedersachsen, CDU Landesverband Berlin, CDU Landesverband Bremen, CDU Landesverband Hamburg, CDU Landesverband Mecklenburg-Vorpommern, CDU Landesverband Nordrhein-Westfalen, CDU Landesverband Rheinland-Pfalz, CDU Landesverband Saar, CDU Landesverband Thüringen, CDU Sachsen, CDU Sachsen-Anhalt, CDU Schleswig-Holstein, CDU-Landesverband Baden-Württemberg, CDU-Landesverband Brandenburg, CSU-Bayern, Die Linke Berlin, Die Linke Hamburg, Die Linke Landesverband Bremen, Die Linke Landesverband Sachsen-Anhalt, Die Linke Mecklenburg-Vorpommern, Die Linke Sachsen, Die Linke Thüringen, FDP Fraktion Schleswig-Holstein, FDP Landesverband Bremen, FDP Landesverband Hessen e.V., FDP Landesverband Mecklenburg-Vorpommern, FDP Landesverband NRW, FDP Sachsen-Anhalt, Freie Wähler in Bayern, Freie Wähler Sachsen e.V., GRÜNER Landesverband Hamburg, SPD Landesverband Berlin, SPD – BayernSPD Landesverband, SPD Brandenburg, SPD Landesorganisation Hamburg, SPD Landesverband Hessen, SPD Landesverband Nordrhein-Westfalen, SPD Landesverband Saarland, SPD Landesverband Sachsen, SPD Mecklenburg-Vorpommern, SPD Rheinland-Pfalz, SPD Sachsen-Anhalt, SPD Schleswig-Holstein, SPD-Landesorganisation Bremen, SPD-Landesverband Baden-Württemberg, SPD-Landesverband Niedersachsen, SPD-Landesverband Thüringen, Südschleswigscher Wählerverband

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