Im Rahmen des 66. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. in München wurde der Preis an zwei Arbeiten verliehen. Zum einen an Dr. Fenja Knöpp, Justus Liebig University, Giessen und zum anderen an Herrn Dr. med. Athiththan Yogeswaran, University Hospital Giessen und Marburg GmbH
Insgesamt wurden acht hochqualifizierte Arbeiten eingereicht, die eine Entscheidung der dreiköpfigen Jury nicht leichtmachten. Die prämierten Arbeiten entsprechen den wichtigen Bewertungskriterien wie Originalität, Innovation und klinische Relevanz.
Priv.-Doz. Dr. med. Hans F. E. Klose vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Prof. Dr. Hanno H. Leuchte vom Krankenhaus Neuwittelsbach sprachen die Laudatio.
Beiträge der beiden Preisträger zu den preisgekrönten Arbeiten:
Preisträgerin Dr. Fenja Knöpp, Justus Liebig University, Giessen:
„Piezo1 in PASMCs: Critical for Hypoxia-Induced Pulmonary Hypertension Development“
Wenn Zellen Druck spüren: Mechanosensitiver Ionenkanal Piezo1 als neuer Schlüsselfaktor bei der Entstehung von Lungenhochdruck identifiziert
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Fenja Knoepp vom Excellence Cluster Cardio-Pulmonary Institute (CPI, Universität Giessen), Prof. Dr. Eric Honoré und Prof. Dr. Serge Adnot hat einen zentralen Mechanismus bei der Entstehung von Hypoxie-induziertem Lungenhochdruck (Pulmonaler Hypertonie, PH) entschlüsselt.
In der im renommierten Fachjournal Circulation Research (https://doi.org/…) veröffentlichten Studie zeigt sich, dass der in pulmonalen glatten Muskelzellen (PASMCs) vorkommende Ionenkanal Piezo1 – ein zellulärer Sensor für mechanische Reize in den Zellen – eine zentrale Rolle bei der Entstehung dieser derzeit unheilbaren und lebensbedrohlichen Lungenerkrankung spielt.
Hypoxie-induzierte Pulmonale Hypertonie ist eine schwerwiegende Erkrankung, bei der sich die Blutgefäße in der Lunge in Reaktion auf chronische und generalisierte Hypoxie zusammenziehen und durch krankhafte Umbauprozesse zusätzlich verengen. Dies führt zu einem erhöhten Blutdruck im Lungenkreislauf und einer daraus resultierenden Überlastung des rechten Herzens – was schließlich zum Tode führen kann. Die neue Studie zeigt, dass Piezo1 in den Muskelzellen der Lungengefäße bei betroffenen Patienten verstärkt vorhanden ist. Durch mechanische Reize – etwa durch veränderten Blutfluss – wird Piezo1 aktiviert und löst so Veränderungen in den Zellen aus, die das Gefäßsystem (weiter) schädigen.
Besonders bedeutend ist der Zusammenhang zwischen Piezo1 und der zellulären Seneszenz von Endothelzellen, der innersten Schicht von Blutgefäßen. Seneszente Zellen hören zwar auf, sich zu teilen, senden jedoch gleichzeitig entzündungsfördernde Signale aus, die umliegendes Gewebe schädigen und krankhafte Umbauprozesse in den Blutgefäßen fördern können. Die neue Studie legt nahe, dass Piezo1 diese Form der Zellalterung verstärken kann.
Durch das gezielte genetische Ausschalten von Piezo1 in PASMCs konnten die Wissenschaftler in Krankheitsmodellen der pulmonalen Hypertonie eine deutliche Reduktion der durch Sauerstoffmangel bedingten Gefäßverengung, der Umbauprozesse sowie der Zahl seneszenter Zellen beobachten. Dies führte zu einer spürbaren Verbesserung der Gefäßstruktur und schützte wirksam vor der Entstehung von Lungenhochdruck.
Insgesamt konnte das Forscherteam mit Piezo1 einen zentralen Treiber der Erkrankung identifizieren. Damit eröffnen sich neue, vielversprechende Ansätze für künftige Therapien: eine gezielte Blockade von Piezo1 in PASMCs könnte dazu beitragen, das Fortschreiten von Lungenhochdruck wirksam zu bremsen und die Lebensqualität betroffener Patientinnen und Patienten zu verbessern.
Preisträger Dr. med. Athiththan Yogeswaran, University Hospital Giessen und Marburg GmbH
„Hemodynamics and Phosphodiesterase-5 Inhibitor TreatmentAssociated with Survival in Pulmonary Hypertension in Interstitial Lung Disease“ A PVRI GoDeep Meta-Registry Analysis
„Hämodynamik und Therapie mit Phosphodiesterase-5 Inhibitoren bei Pulmonaler Hypertonie assoziiert mit interstitiellen Lungenerkrankungen – eine PVRI GoDeep Metaregisteranalyse“
Die pulmonale Hypertonie (PH) ist eine schwerwiegende Erkrankung der Lungengefäße, die insbesondere bei Patient:innen mit interstitiellen Lungenerkrankungen (ILD), wie der idiopathischen Lungenfibrose (IPF), auftritt und mit einer deutlich eingeschränkten Lebenserwartung verbunden ist. Trotz dieser ungünstigen Prognose existieren bislang nur sehr begrenzte evidenzbasierte Therapieoptionen. Ziel unserer Studie war es, Patient:innen mit PH im Rahmen einer interstitiellen Lungenerkrankung (ILD-PH) genauer zu charakterisieren und den Zusammenhang zwischen einer PH-spezifischen Therapie und dem Überleben zu untersuchen.Hierzu wurden Daten aus dem internationalen PVRI GoDeep Metaregister analysiert, dem weltweit größten Register für pulmonale Hypertonie. Aus über 34.000 Patient:innen konnten 940 Patient:innen mit neu diagnostizierter PH bei ILD identifiziert und untersucht werden. Ein zentraler prognostischer Faktor war der pulmonal-vaskuläre Widerstand (PVR). Patient:innen mit schwerer pulmonaler Hypertonie (PVR >5 Wood-Einheiten) hatten eine deutlich schlechtere Prognose als Patient:innen mit geringerer hämodynamischer Beeinträchtigung. Die Überlebensraten betrugen in dieser Hochrisikogruppe lediglich 29 % nach drei Jahren und 18 % nach fünf Jahren.Ein wesentliches Ergebnis der Studie ist der potenzielle Nutzen einer Therapie mit Phosphodiesterase-5-Inhibitoren (PDE5-Inhibitoren), einer Medikamentengruppe, die bereits erfolgreich bei der pulmonal-arteriellen Hypertonie (Gruppe 1 PH) eingesetzt wird. Bei Patient:innen mit schwerer ILD-PH war die Behandlung mit PDE5-Inhibitoren konsistent mit einem signifikant verbesserten Überleben assoziiert. Dieser Zusammenhang zeigte sich unabhängig davon, ob die Patient:innen zusätzlich eine spezifische Therapie ihrer zugrunde liegenden Lungenerkrankung erhielten.Besonders hervorzuheben ist, dass eine Kombinationstherapie aus PDE5-Inhibitoren und inhalativen Prostazyklinen mit einem noch stärkeren Überlebensvorteil verbunden war als eine alleinige Therapie mit PDE5-Inhibitoren. Die Robustheit dieser Ergebnisse wurde durch umfangreiche statistische Analysen, Sensitivitätsanalysen sowie eine unabhängige externe Validierung im COMPERA-Register bestätigt.Diese Studie liefert zusammenfassend wichtige neue Erkenntnisse zur Risikostratifizierung und potenziellen Behandlung von Patient:innen mit pulmonaler Hypertonie bei interstitiellen Lungenerkrankungen. Sie zeigt, dass der pulmonal-vaskuläre Widerstand ein entscheidender prognostischer Marker ist und dass eine Therapie mit PDE5-Inhibitoren, insbesondere in Kombination mit inhalativen Prostazyklinen, mit einem verbesserten Überleben bei Patient:innen mit schwerer ILD-PH assoziiert ist. Die Ergebnisse bilden eine wichtige Grundlage für zukünftige randomisierte klinische Studien und könnten langfristig dazu beitragen, neue evidenzbasierte Therapieoptionen zu etablieren und die Prognose dieser schwer erkrankten Patientengruppe nachhaltig zu verbessern. Pulmonal arterielle Hypertonie (Lungenhochdruck)
Lungenhochdruck, medizinisch auch pulmonal arterielle Hypertonie (PAH), ist eine seltene, schwerwiegende Erkrankung, die durch eine starke Verengung der Lungengefäße gekennzeichnet ist.
Die Betroffenen leiden bereits bei geringster Belastung oder sogar in Ruhe unter Atemnot, blauen Lippen, Beinödemen, Brustschmerzen, und klagen allgemein über schnelle Erschöpfung und Ermüdung.
Die richtige Diagnose wird zumeist erst gestellt, wenn es durch die fortschreitende Druck- und Volumenbelastung des rechten Herzens zu dessen chronischem Versagen kommt. Diagnose: Bluthochdruck im Lungenkreislauf. Dieses Krankheitsbild tritt isoliert oder als Begleiterkrankung verschiedener Herz- und Lungenerkrankungen auf. Obgleich die pulmonale Hypertonie (PH) noch nicht geheilt werden kann, konnten in den letzten Jahren doch große Fortschritte in der Diagnostik und Therapie dieser Krankheit erzielt werden.
Die René Baumgart-Stiftung
Die René Baumgart-Stiftung wurde im Jahr 2001 vom gemeinnützigen Selbsthilfeverein pulmonale hypertonie e.v. gegründet und mit einen Kapitalstock von 70000 € ausgestattet. Seit 2004 wird jährlich ein Forschungspreis ausgelobt. Die René Baumgart-Stiftung fördert die klinische Forschung zur pulmonalen Hypertonie bei Kindern und Erwachsenen. Ziel ist es, durch Ursachenforschung neue Erkenntnisse über den Lungenhochdruck zu gewinnen, so dass eine frühzeitige Diagnose gestellt und mittel- und langfristig neue Therapieoptionen entwickelt werden können, die PH-Patienten nicht nur eine Stabilisierung oder Linderung der Beschwerden versprechen, sondern eine vollständige Heilung.
Der Namensgeber der Stiftung, René Baumgart, wurde 1971 in Aalen geboren. Als René 10 Jahre alt war, starb seine Mutter an Idiopathischer Pulmonal Arterieller Hypertonie (IPAH). René Baumgart erhielt seine Diagnose IPAH im Alter von 19 Jahren. Er erlernte den Beruf des Druckers und meldete sich nach bestandener Gesellenprüfung zur Meisterprüfung an. Kurz vor seinem Abschluss verstarb er im Alter von 23 Jahren an der tückischen Krankheit.
Eine Information der René Baumgart-Stiftung
Pulmonale Hypertonie (PH) e.V.
Rheinaustraße 94
76287 Rheinstetten
Telefon: +49 (7242) 9534141
Telefax: +49 (721) 3528-381
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Direktor der Inneren Medizinischen Klinik II
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