Credendo sieht Industrieproduktion durch Gaspreise belastet

Der auf Exporte in Nicht-OECD-Länder spezialisierte Kreditversicherer Credendo sieht die weltweite Industrieproduktion durch hohe Energiepreise belastet. Weltweit sind die Gaspreise in den letzten Monaten rasant gestiegen. In einigen Regionen erreichen sie gar Rekordwerte. Insbesondere in Europa liegen die Preise mehr als fünfmal so hoch wie vor der Krise. Auf dem LNG-Markt stieg die Nachfrage deutlich schneller als das Angebot. Die wirtschaftliche Erholung nach den ersten Coronawellen trieb die weltweite Nachfrage an. Dazu kommen verschiedene regionale Aspekte, die den Boom treiben. 

Europas Energiemix ist zunehmend von LNG abhängig, da die interne Versorgung mit Pipelinegas aus Norwegen oder den Niederlanden immer weiter zurückgeht. Die Importe aus Russland waren ziemlich stabil. Europa nimmt LNG-Vorräte auf, die nach Deckung des Bedarfs in anderen Regionen übrig bleiben. Aufgrund der steigenden Nachfrage aus Asien und Lateinamerika (wo Brasiliens Wasserstoffproduktion stark von der Dürre betroffen war) stand Europa weniger LNG zur Verfügung. Darüber hinaus ging die eigene Gasproduktion in der EU und im Vereinigten Königreich in den ersten acht Monaten 2021 um Vergleich zum Jahr 2019 um 24 % zurück. Im gleichen Zeitraum sank der Import von russischem Pipelinegas um 16 %. Dieser Angebotsrückgang trifft auf deutlich zunehmende Nachfrage. Dieses Ungleichgewicht hat zu einer dramatischen Preissteigerung wesentlich beigetragen. 

Credendo sieht darin eine gute Nachricht für die vorgelagerte Gasindustrie (Exploration und Förderung), die außerordentliche Gewinne erzielt. Gaslieferanten und -verteiler sind hingegen negtaiv betroffen. Durch den Verbraucherschutz können Strom- und Gasunternehmen in vielen Ländern steigende Kosten nur begrenzt an Verbraucher weitergeben.

Der Kreditversicherer sieht auch gravierende Auswirkungen auf andere Branchen, vor allem auf solche, die Gas nicht nur als Energieträger, sondern auch als Rohstoff verwenden. Dies ist beispielsweise in der Düngemittelindustrie der Fall, die Gas zur Herstellung von Ammoniak verwendet. Da die Produktionskosten drastisch ansteigen, mussten mehrere Düngemittelhersteller die Produktion kürzen. Zwei große Düngemittelfabriken in Großbritannien mussten vorübergehend schließen, bevor sie staatliche Unterstützung erhielten. Der norwegische Konzern Yara kündigte an, die europäische Ammoniakproduktion um 40 % zu reduzieren. Auch der österreichische Konzern Borealis kündigte Produktionskürzungen an. In der Folge sind auch Schlachtbetriebe betroffen, weil weniger CO2-basierte Betäubungsmittel zur Verfügung stehen. Supermärkte konnten sich kein Eis liefern lassen, da der Vorrat an Trockeneis knapp wurde, das für den Transport von Eiscreme benötigt wird. 

In Asien steigen aufgrund starker Nachfrage die Erdgaspreise. In China herrscht Kohlemangel. In Verbindung mit Emissionseschränkungen führt dies zu Stromengpässen, insbesondere in nordostchinesischen Provinzen. Fabriken in Branchen wie Aluminium, Elektronikkomponenten oder Automobilbau wurden angewiesen, weniger Strom zu verbrauchen oder sogar für einige Tage zu schließen. 

Credendo befürchtet, dass die anhaltende Energiekrise die Industrieproduktion den ganzen Winter über belasten könnte. Es wird erwartet, dass die Gaspreise in den kommenden Monaten auf hohem Niveau bleiben. In manchen Bereichen wird auf Öl umgestellt, was auch den Ölpreis treibt. Bei der europäischen Gasversorgung ist Entlastung durch weitere Lieferungen aus Russland ungewiss. Selbst wenn Nord Stream 2 schnell in Betrieb genommen würde, ist die russische Produktion bereits auf einem Rekordhoch und Exporte werden durch hohen einheimischen Bedarf eingeschränkt. Ohne eine deutliche Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft, so dass mehr LNG in andere Teile der Welt transportiert werden könnte, oder einen sehr milden Winter auf der Nordhalbkugel werden hohe Preise die Rantabilität vieler Branchen einschränken. 

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