Botschafter Wu Ken erläutert chinesische Belt and Road-Initiative

Mit einem besonderen Highlight wartet der Galaabend des Deutschen Logistik-Kongresses am 23. Oktober in Berlin auf. Der Vorsitzende der BVL-Geschäftsführung, Prof. Thomas Wimmer, begrüßt den Botschafter der Volksrepublik China, S. E. Wu Ken, zu einem Gespräch auf der Bühne der Arena Berlin. Dritter im Bunde ist Erich Staake, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG.

Im Gespräch der drei geht es um die Chancen und Perspektiven der Neuen Seidenstraße, also der von China vorangetriebenen Belt and Road-Initiative. Vom Duisburger Hafen aus führt deren Weg entlang der eisernen Seidenstraße über Polen, Russland und Kasachstan bis in die chinesischen Städte Chongqing, Wuhan und Yiwu. Bis zu 35 Züge wöchentlich rollen heute schon über die 11.000 Kilometer lange Strecke. Damit ist Duisburg ein wichtiger Knotenpunkt der Belt and Road-Initiative. Welches Potenzial steckt in diesem riesigen Infrastrukturprojekt – und wo liegen die Risiken? Diese Fragen sind für Logistiker von hoher Relevanz.

Der 1961 in Hunan geborene Wu Ken ist chinesischer Diplomat mit engen Verbindungen nach Deutschland und Europa. Einen Teil seines Studiums absolvierte er an der Goethe-Universität in Frankfurt. Berufliche Stationen führten ihn in den 1990er-Jahre nach Deutschland und Österreich. Von 2007 bis 2010 war er Botschafter in Österreich, anschließend bis 2013 in der Schweiz und von 2016 bis 2019 in den Niederlanden. Seit dem 27. März 2019 ist Wu Ken chinesischer Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland.


In der Rede zu seiner Akkreditierung führte Wu Ken mit Blick auf die Neue Seidenstraße aus: „Wir müssen durch offenen Austausch das gegenseitige Verständnis verbessern, Missverständnisse abbauen und das bilaterale Vertrauen stärken. Das ist, glaube ich, für die chinesisch-deutsche Zusammenarbeit von entscheidender Bedeutung. In jüngster Zeit hat die öffentliche Meinung in Deutschland und Europa ihre Aufmerksamkeit besonders auf China gerichtet, auch ich selbst habe sehr unterschiedliche Interpretationen von Chinas Entwicklung und Aufstieg gehört, insbesondere bei der Frage, ob die „Belt and Road"-Initiative (also die Neue Seidenstraße) eine Chance oder doch eine Herausforderung für Europa sei.“

Das Programm des dreitägigen Deutschen Logistik-Kongresses, der vom 23. bis 25. Oktober in Berlin stattfindet, bietet den Teilnehmern in 65 Stunden rund 150 Redner, die in Hauptvorträgen, Fachvorträgen, in Workshops und Worldcafés ein breites Spektrum an Themen bearbeiten, die für die Menschen in Logistik und Supply Chain Management strategisch und operativ von Interesse sind. Der Kongress steht in diesem Jahr unter dem Motto „Mutig machen“. Zu diesem Gedanken hat die BVL im Vorfeld der Veranstaltung ein Dossier mit vielfältigen Informationen und Denkanstößen zusammengestellt: www.bvl.de/mutig-machen.

Hintergrund: Die Neue Seidenstraße

Mit der „Belt and Road Initiative“ (BRI) – „Neue Seidenstraße“ -, hat China ein gigantisches Infrastrukturvorhaben gestartet. 2013 stellte Chinas Staatschef Xi Jinping erstmals die Pläne für das Projekt vor. Der Staatskonzern China Merchants Group setzt die BRI um. Seit 2017 ist das Projekt in seiner langfristigen Dimension sogar in der chinesischen Verfassung verankert. Dabei geht es um den Bau neuer Straßen, Eisenbahnstrecken, Häfen, Kraftwerke und Industrieparks. Wie an einer Perlenkette werden dabei strategische Standpunkte aneinandergereiht, um Asien, Afrika und Europa zu verbinden.

Auf dem Landweg reicht die Route bis nach Europa. Dabei werden viele bestehende Routen mit neu gebauten verknüpft. Bereits seit 2008 gibt es den Trans-Eurasia-Express, die erste Güterzugverbindung, die von Europa bis nach China reicht. Diese Strecke ist auch bekannt als „Eiserne Seidenstraße“: Auf dem Weg von Europa nach China fährt die Bahn durch Weißrussland, Russland, die die Mongolei und Kasachstan. Geplant ist eine weitere Landroute, die China mit dem Mittleren Osten im Iran (Teheran) und der Türkei (Istanbul) verbindet, sowie eine Strecke, die vom Süden Chinas aus bis nach Malaysia (Kuala Lumpur) reicht. Auch innerhalb Afrikas sind weitere Bahnstrecken vorgesehen, die zu BRI zu zählen sind.

Ferner wird der Seeweg weiter ausgebaut. Dazu werden neue Häfen errichtet, unter anderem in Malaysia, Bangladesch, Indien, Sri Lanka sowie in Ost-Afrika. Die Route wird vom Süden Chinas, entlang der Häfen bis an die Ostafrikanische Küste, über Nordafrika, durch den Suezkanal bis nach Südeuropa führen. Zusätzlich sind Gas- und Ölleitungen geplant.

Anfang Juli hat die chinesische Regierung angekündigt, die Belt-and-Road-Initiative auch um militärische Kooperationen zu ergänzen. Dies beinhaltet nicht nur das Angebot einer militärischen Absicherung der teilnehmenden afrikanischen und zentralasiatischen Länder, sondern auch Interesse an sicherheitspolitischen Kooperationen des chinesischen Militärs in pazifischen und karibischen Staaten. Für das Investitionsvolumen gibt es keine konkreten Zahlen, aber seit Start des Baus seien allein staatliche Gelder in Höhe von über 70 Milliarden US$ in das Projekt geflossen.

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