Die Brandenburgische Ingenieurkammer begrüßt das Ziel, den Gebäudebestand klimafreundlicher weiterzuentwickeln und die Anforderungen an Energieeffizienz im Gebäudesektor zu stärken. Gleichzeitig sieht die Kammer die Geschwindigkeit des Gesetzgebungsverfahrens kritisch. Umfangreiche gesetzliche Änderungen mit weitreichenden Auswirkungen auf die Bau- und Planungsbranche benötigen aus Sicht der Kammer ausreichend Zeit für die fachliche Bewertung und Vorbereitung.
„Die Transformation des Gebäudesektors braucht klare politische Ziele. Ebenso wichtig sind verlässliche Rahmenbedingungen für alle Beteiligten. Planungsbüros, Bauherrschaften und Genehmigungsbehörden benötigen ausreichend Zeit, um neue gesetzliche Anforderungen in laufende und künftige Projekte zu integrieren. Planungssicherheit ist ein wesentlicher Baustein für erfolgreiches und wirtschaftliches Bauen“, erklärt Anja Schellhorn, Geschäftsführerin der Brandenburgischen Ingenieurkammer.
Das Gesetz sieht vor, dass die neuen Regelungen zum Heizungstausch unmittelbar nach der Verkündung im Bundesgesetzblatt in Kraft treten. Die Vorschriften zur Umsetzung der Europäischen Gebäuderichtlinie folgen sechs Monate später. Für öffentliche Neubauten gilt der Standard des Nullemissionsgebäudes ab 2028, für alle weiteren Neubauten ab 2030.
Für Ingenieurbüros bedeutet das Gebäudemodernisierungsgesetz steigende Anforderungen an die integrale Planung. Energieeffizienz, Gebäudetechnik, Bauphysik und Tragwerksplanung müssen noch enger miteinander verzahnt werden. Gleichzeitig wächst der Beratungsbedarf bei Bauherrschaften, die Investitionsentscheidungen unter sich verändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen treffen müssen.
Hinzu kommt, dass immer mehr grundlegende Entscheidungen bereits vor Beginn der eigentlichen Objekt- und Fachplanung getroffen werden müssen. Bestandsanalysen, Machbarkeitsstudien, energetische Konzepte, Variantenuntersuchungen und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen bilden die Grundlage für zukunftsfähige Bauprojekte. Diese frühen Beratungs- und Vorplanungsleistungen werden häufig als Leistungsphase 0 bezeichnet, sind jedoch nicht als eigenständiges Leistungsbild in der HOAI verankert.
„Gerade die frühen Planungsphasen entscheiden darüber, ob Bauprojekte wirtschaftlich, nachhaltig und technisch sinnvoll umgesetzt werden können. Wenn die Anforderungen an Klimaschutz, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit steigen, wächst auch der Aufwand für die Ingenieurplanung bereits vor Beginn der eigentlichen Planungsleistungen. Diese Leistungen müssen künftig stärker anerkannt und angemessen vergütet werden. Nur so können Ingenieurbüros ihre fachliche Expertise umfassend einbringen und die Transformation des Gebäudesektors erfolgreich begleiten“, so Anja Schellhorn.
Die Brandenburgische Ingenieurkammer appelliert an Bund und Länder, die Umsetzung der neuen gesetzlichen Anforderungen mit praxisgerechten technischen Regelwerken, nachvollziehbaren Übergangsfristen und einer frühzeitigen Kommunikation zu begleiten. Gleichzeitig sollte die Weiterentwicklung der Honorarstrukturen den gestiegenen Anforderungen an die frühen Planungs- und Beratungsleistungen Rechnung tragen.
Ebenfalls beschlossen wurde das Infrastruktur Zukunftsgesetz. Ziel ist es, Planungs- und Genehmigungsverfahren insbesondere im Verkehrs- und Energiesektor zu beschleunigen. Die Brandenburgische Ingenieurkammer bewertet dieses Ziel grundsätzlich positiv. Eine Beschleunigung kann jedoch nur gelingen, wenn sie mit ausreichend Personal in den Genehmigungsbehörden, einer konsequenten Digitalisierung der Verfahren und einer hohen Planungsqualität einhergeht.
„Schnelleres Planen darf nicht zulasten der Qualität gehen. Gute Ingenieurplanung schafft die Grundlage für nachhaltige, wirtschaftliche und sichere Infrastruktur. Dafür braucht es leistungsfähige Verwaltungen, digitale Prozesse und verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen“, betont Schellhorn.
Die Brandenburgische Ingenieurkammer wird die weitere Umsetzung des Gebäudemodernisierungsgesetzes sowie die Ausgestaltung der nachfolgenden Verordnungen und technischen Regelwerke aufmerksam begleiten.
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