Viele Menschen verbinden mit Rheuma vor allem Gelenkschmerzen im Alter. Doch der Begriff ist deutlich weiter gefasst. Wichtig ist dabei vor allem die Abgrenzung zur Arthrose. Diese ist eine Verschleißerkrankung, bei der sich der Gelenkknorpel durch Belastung und Alterung abbaut. Rheuma hingegen ist entzündlich.
Im engeren Sinne bezeichnet Rheuma heute vor allem die rheumatoide Arthritis, eine chronische, entzündliche Autoimmunerkrankung, die hauptsächlich die Gelenke betrifft. Das Immunsystem greift dabei körpereigenes Gewebe an und löst dauerhafte Entzündungen aus. Die Folge sind Schmerzen, Schwellungen und Steifheit in den betroffenen Gelenken, häufig symmetrisch an den kleinen Gelenken der Hände und Füße. Da es sich um eine systemische Erkrankung handelt, kann sich die rheumatoide Arthritis auch auf weitere Bereiche des Körpers auswirken.
Die Gelenk-Darm-Achse
Dass Darm und Gelenke miteinander in Verbindung stehen, ist in der Rheumatologie seit Langem bekannt. Ärzte beobachten regelmäßig, dass eine Darminfektion eine Gelenkentzündung auslösen kann. Und umgekehrt leiden Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen häufig auch unter Gelenkbeschwerden. Diesen bidirektionalen Zusammenhang bezeichnet die Medizin als Gelenk-Darm-Achse. Die Erklärung basiert auf mehreren Mechanismen:
- Immunorgan: Rund 70 Prozent aller Immunzellen befinden sich in der Darmschleimhaut. Entzündungsreaktionen im Darm können daher das gesamte Immunsystem beeinflussen.
- Gestörte Darmbarriere: Ist die Darmschleimhaut durchlässiger als normal, gelangen Bakterien und Entzündungsstoffe ins Blut und können Entzündungsreaktionen im ganzen Körper auslösen.
- Wandernde Immunzellen: Im Darm aktivierte Immunzellen können in die Gelenke einwandern und dort Entzündungen auslösen.
- Verändertes Mikrobiom: Die Gesamtheit der Darmbakterien beeinflusst maßgeblich, wie stark oder schwach Entzündungsreaktionen im Körper ausfallen.
Rheumatoide Arthritis und Darmerkrankungen
Dass rheumatoide Arthritis und Colitis ulcerosa gemeinsam auftreten könnten, ist seit Längerem bekannt. Eine deutsche Studie aus dem Jahr 2022 belegt diesen Zusammenhang. Ein Forschungsteam der Universität Augsburg untersuchte erstmals in großem Umfang, ob rheumatoide Arthritis die Entstehung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED) begünstigt und umgekehrt. Dabei wurden insbesondere die beiden CED Morbus Chron und Colitis Ulcerosa betrachtet.
Das Ergebnis war eindeutig: Patienten mit rheumatoider Arthritis zeigen ein erhöhtes Risiko, zusätzlich an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung zu erkranken. Das konnte sowohl für den Zusammenhang zwischen rheumatoider Arthritis und Colitis ulcerosa als auch Morbus Crohn nachgewiesen werden. Der umgekehrte Weg hingegen, also dass eine Darmerkrankung die Entstehung einer rheumatoiden Arthritis begünstigt, ließ sich nicht belegen. Patienten mit rheumatoider Arthritis wird daher empfohlen, sich gezielt auf chronisch-entzündliche Darmerkrankungen untersuchen zu lassen.
Warum die Ernährung so wichtig ist
Aufgrund des engen Zusammenhangs zwischen Rheuma und Darm spielt die Ernährung eine größere Rolle als lange angenommen. Wer seine Darmgesundheit durch die richtige Ernährung stärkt, kann damit auch Entzündungsprozesse im Körper positiv beeinflussen. Denn was wir essen, beeinflusst direkt die Zusammensetzung des Darmmikrobioms, und damit auch, wie stark oder schwach das Immunsystem auf Entzündungsreize reagiert. Daher ist die Ernährung häufig ein unterstützender Baustein in der Behandlung von entzündlichem Rheuma.
Bestimmte Lebensmittel, vor allem solche mit hohem Anteil an Zucker, Transfetten oder stark verarbeiteten Inhaltsstoffen, fördern im Darm ein Ungleichgewicht der Bakterienstämme. Dadurch wird die Darmbarriere geschwächt, Entzündungsstoffe gelangen leichter ins Blut und das Immunsystem wird dauerhaft aktiviert. Für Rheumapatienten, deren Immunsystem ohnehin bereits überaktiv ist, kann das die Entzündungsaktivität in den Gelenken weiter verstärken. Umgekehrt kann eine Ernährung, die reich an Ballaststoffen, Omega-3-Fettsäuren und antioxidativen Pflanzenstoffen ist, das Wachstum entzündungshemmender Darmbakterien fördern. Diese produzieren kurzkettige Fettsäuren, die über die Darmschleimhaut ins Blut gelangen und dort entzündliche Prozesse im gesamten Körper dämpfen. Das Ergebnis kann eine spürbare Entlastung der Gelenke sein, weniger Schmerzen, weniger Schwellungen, eine bessere Beweglichkeit.
Wichtig ist: Eine antientzündliche Ernährung ersetzt keine medikamentöse Therapie und sollte immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen. In einigen Fällen kann sie die Behandlung jedoch sinnvoll unterstützen und dazu beitragen, Entzündungsschübe abzumildern und die Lebensqualität langfristig zu verbessern.
Antientzündliche Ernährung bei rheumatoider Arthritis
Eine gezielte Ernährung bei rheumatoider Arthritis kann unterstützende positive Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf haben. Im Fokus steht dabei eine antientzündliche Ernährungsweise, also Kost, die den Körper nicht zusätzlich mit Entzündungsreizen belastet, sondern aktiv dabei hilft, diese zu reduzieren. Als besonders geeignet gilt die Mittelmeerdiät, die reich an frischem Gemüse, gesunden Fetten und entzündungshemmenden Pflanzenstoffen ist und gleichzeitig stark verarbeitete Lebensmittel weitgehend meidet. Neben einzelnen Lebensmitteln sind jedoch vor allem grundlegende Ernährungsprinzipien entscheidend. Denn nicht einzelne Zutaten, sondern die Gesamtzusammensetzung der Ernährung beeinflusst entzündliche Prozesse im Körper. Wer die Ernährung bei rheumatoider Arthritis gezielt anpasst, investiert damit gleichzeitig in seine Darmgesundheit und seine Gelenke.
Gesunde Fette bevorzugen
Gesättigte Fettsäuren können Entzündungsprozesse fördern und sollten sparsam verwendet werden. Empfehlenswert sind stattdessen ungesättigte Fettsäuren aus Olivenöl, Rapsöl oder Leinöl. Besonders Omega-3-Fettsäuren aus fettem Kaltwasserfisch wie Lachs, Hering oder Makrele gelten als stark entzündungshemmend. Wer keinen Fisch mag, kann alternativ auf Walnüsse, Leinsamen oder Chiasamen zurückgreifen.
Vitamine und Mineralstoffe
Für gesunde Gelenke sind ausreichend Vitamin C, Vitamin D, Magnesium und Zink wichtig. Sie unterstützen Knorpelaufbau, Knochendichte und eine regulierte Immunfunktion. Vitamin C findet sich vor allem in Paprika, Zitrusfrüchten und Brokkoli, Vitamin D in fettem Fisch und Eiern. Magnesium steckt in Nüssen, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten, Zink unter anderem in Kürbiskernen und Hülsenfrüchten.
Gewürze statt Salz
Auch die Auswahl der Gewürze ist ein wichtiger, oft unterschätzter Punkt bei der Ernährung bei rheumatoider Arthritis. Kurkuma und Ingwer enthalten sekundäre Pflanzenstoffe mit entzündungshemmenden Eigenschaften und lassen sich einfach in den Alltag integrieren, zum Beispiel im Smoothie, im Tee oder beim Kochen. Generell empfiehlt es sich, stärker mit Kräutern und Gewürzen zu würzen und Salz zu reduzieren. Eine salzreiche Ernährung kann Wasser im Gewebe binden und Gelenkbeschwerden dadurch zusätzlich verstärken.
Fermentierte Lebensmittel
Fermentierte Lebensmittel wie Naturjoghurt, Kefir oder Sauerkraut liefern lebende Mikroorganismen, die das Darmmikrobiom stärken und die Darmbarriere unterstützen können. Da Rheuma und Darm eng miteinander verbunden sind, kann der regelmäßige Verzehr fermentierter Lebensmittel einen wichtigen Beitrag zur Entzündungskontrolle leisten.
Die richtigen Getränke
Ausreichend Wasser zu trinken ist für Rheumapatienten besonders wichtig, da der Gelenkknorpel zu einem großen Teil aus Wasser besteht. Auch grüner Tee kann sinnvoll sein, er enthält entzündungshemmende Pflanzenstoffe. Alkohol hingegen sollte möglichst gemieden werden, da er die Darmbarriere schwächt und Entzündungsschübe begünstigen kann.
Entlastung der Gelenke
Jedes zusätzliche Kilo belastet die Gelenke und kann Rheumasymptome verstärken. Eine ausgewogene Ernährung unterstützt nicht nur den Entzündungshaushalt, sondern hilft auch dabei, ein gesundes Gewicht zu halten.
Internistische Rheumatologie in den Wicker-Kliniken
Bei Wicker behandeln wir nicht nur die Gelenke, sondern den Menschen als Ganzes. Unsere Abteilung für orthopädische und internistisch-rheumatologische Rehabilitation ist auf die Behandlung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen spezialisiert, darunter die rheumatoide Arthritis, Polyarthritis sowie degenerativ-rheumatische Erkrankungen des Bewegungsapparats.
Unser ganzheitlicher Therapieansatz umfasst neben der medizinischen Behandlung auch Ernährungstherapie, gezielte Bewegung und psychologische Begleitung. Denn Rheuma betrifft nicht nur die Gelenke, sondern den gesamten Körper und häufig auch die Lebensqualität der Betroffenen. Genau deshalb greifen bei uns medizinische Expertise, individuelle Therapiekonzepte und ein erfahrenes interdisziplinäres Team ineinander. Das Ziel ist es, Ihre Eigeninitiative zu stärken, Beschwerden langfristig zu lindern und Sie bestmöglich in Ihren Alltag zurückzubegleiten
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