Betriebe setzen immer mehr auf Ausbildung – doch noch zu viele Lehrstellen bleiben unbesetzt

In Sachsen haben zwischen Oktober 2022 und September 2023 knapp 19.000 Jugendliche mit Unterstützung der Berufsberatung einen Ausbildungsplatz gesucht. Zugleich meldeten die sächsischen Unternehmen der Bundesagentur für Arbeit rund 22.600 verfügbare Berufsausbildungsstellen. Die meisten Bewerberinnen und Bewerber haben inzwischen ihre Ausbildung begonnen, allein knapp 670 sind noch auf der Suche. Auch die Unternehmen konnte viele Ausbildungsplätze besetzten: Offen sind noch knapp 2.650. 

„Der Trend der vergangenen Jahre setzt sich fort. Die Bewerberzahlen nehmen ab und immer mehr Betriebe melden ihre freien Ausbildungsstellen. Erfreulich ist, dass immer weniger junge Menschen leer ausgehen. Sorge bereitet mir hingegen, dass wieder so viele Lehrstellen unbesetzt bleiben. Mit dem Blick auf die künftigen Fachkräftebedarfe können wir uns das nicht mehr leisten. Ausbildung ist die Quelle für Fachkräfte – viele Unternehmen haben es erkannt. Daher sehe ich mit dem Blick auf das nächste Ausbildungsjahr große Potenziale bei den schulschwächeren Bewerbern, Studienabbrechern, jungen Erwachsenen und ausländischen Bewerbern. Jeder der will, sollte eine Chance bekommen und sich beweisen können. Falls es während der Ausbildung dann zu Schwierigkeiten kommt, helfen wir mit Coaching, Nachhilfeunterricht oder einer individuellen Begleitung. Fakt ist: Jeder junge Mensch hat Talente, wird gebraucht und sollte einen guten Start ins Berufsleben erfahren – unabhängig von Schulnoten, Behinderungen oder sprachlichen Defiziten“, sagte Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit (BA).  

Gemeldete Ausbildungsbewerber:18.932

Ausbildungsbewerber im Vorjahresvergleich:-286 oder -1,5 Prozent

Gemeldete Berufsausbildungsstellen:22.631

Berufsausbildungsstellen Vorjahresvergleich:+739 oder +3,4 Prozent 

Im Bewerbungszeitraum von Oktober 2022 bis September 2023 haben die sächsischen Jugendberufsagenturen insgesamt 18.932 Jungen und Mädchen betreut, 286 weniger (minus 1,5 Prozent) als noch im Jahr zuvor. Für die Jugendlichen standen im gleichen Zeitraum insgesamt 22.631 Ausbildungsplätze in allen Branchen zur Verfügung, nochmal 739 mehr (plus 3,4 Prozent) als im Vorjahreszeitraum. 

Somit sind zum Ende des Berichtsjahres im September noch 2.643 Lehrstellen unbesetzt, zugleich haben 669 Jugendliche noch keinen Ausbildungsvertrag unterschrieben und gelten folglich als unversorgt. Für alle jungen Menschen, die sich jetzt noch kurzfristig für eine Berufsausbildung entscheiden oder deren Ausbildungsverhältnis vorzeitig gelöst wurde, stehen somit rein rechnerisch fast vier Ausbildungsstellen zur Verfügung. Interessenten erhalten bei der Berufsberatung der Jugendberufsagenturen schnell und direkt passende Angebote. Die Berufsberaterinnen und Berufsberater kennen den regionalen Arbeitsmarkt, aktuelle Trends, Berufe und deren Zukunftschancen. 

Die Mitgliedsunternehmen der drei sächsischen Industrie- und Handelskammern (IHK) Chemnitz, Dresden und zu Leipzig haben für das Ausbildungsjahr 2023/2024 insgesamt 12.237 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen (Stand: 30. September 2023). Das sind 675 mehr als im Vorjahreszeitraum (plus 5,8 Prozent). 

„Die in diesem Jahr gestiegenen Ausbildungszahlen zeigen einmal mehr, dass die gewerbliche Wirtschaft in Sachsen auch in konjunkturell schwierigen Phasen und unter ungünstigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in ihrem Engagement für die Berufsausbildung nicht nachlässt. Damit sich dieser positive Trend verstetigt, muss die Attraktivität der dualen Berufsausbildung weiter gestärkt werden. Wirkungsvolle Berufsorientierungsmaßnahmen, insbesondere Werkstatttage und Betriebspraktika müssen dazu ausgebaut werden. Aber auch die Politik ist gefordert: Größere Beschäftigungsanreize insbesondere für junge Menschen sowie gezielte Maßnahmen zur Beseitigung von Lehrermangel und Unterrichtsausfall an den Schulen sind nur zwei Aspekte, die auch auf das Thema Ausbildung abstrahlen. Sie können dazu beitragen, junge Menschen noch besser auf die Berufsausbildung vorzubereiten beziehungsweise dafür zu begeistern“, sagte Kristian Kirpal, Präsident der IHK zu Leipzig und Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern im Freistaat Sachsen. 

Die TOP-5 Berufsfelder mit den meisten neue abgeschlossenen Verträgen bilden die Metalltechnik (2.619), der Groß- und Einzelhandel (2.447), die kaufmännischen Berufe (1.945), die Hotellerie und Gastronomie (1.453) sowie die Elektrotechnik (1.147). 

Die Betriebe der drei sächsischen Handwerkskammern haben bis zum 30. September 2023 insgesamt 5.410 neue Lehrverträge unterschrieben. Das sind 75 Mehr als im letzten Ausbildungsjahr (plus ein Prozent). 

„Trotz der wirtschaftlichen Talfahrt, in der sich viele Bereiche des Handwerks befinden, investieren die Betriebe in ihr wichtigstes Gut: Bestens ausgebildete Mitarbeiter. Sie wollen weiterhin selbst ihre eigenen Gesellen und damit vielleicht auch am Ende die Meister von Morgen ausbilden. Das ist ein starkes Signal! Denn nur so entgegnet man am besten dem Mangel an Fach- und Arbeitskräften. Die aktuellen Zahlen zeigen aber auch, dass es immer schwieriger wird, alle Ausbildungsplätze zu besetzen. Die Betriebe wollen, allerdings bleiben die Bewerber aus. Es braucht daher noch mehr Unterstützung und gute Rahmenbedingungen für die duale Berufsausbildung: Vor allem Land und Bund – mit Unterstützung der Kammern – müssen dafür jetzt die Grundlagen legen: Mehr Mittel für die Berufsorientierung, Investitionen in die Bildungszentren des Handwerks, kurze Wege zu den Berufsschulen und eine gute ÖPNV-Anbindung, die Gleichwertigkeit von dualer Berufsausbildung und Hochschulbildung – Hier gilt es jetzt anzusetzen, denn das Handwerk wird weiterhin an vielen Stellen gebraucht, sowohl kurz- als auch mittel- und langfristig“, so Frank Wagner, Präsident der Handwerkskammer Chemnitz und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der sächsischen Handwerkskammern. 

Die meisten abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Bereich des Handwerks gab es in den Berufen: Kraftfahrzeugmechatroniker, Elektroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär/Heizung/Klima, Tischler sowie Maler und Lackierer.    

Hintergrundinformationen: 

  • Fast 2.000 mehr freie Lehrstellen als noch suchende Bewerberinnen und Bewerber

Der sächsische Ausbildungsmarkt hat sich zum Bewerbermarkt entwickelt: 2.643 noch unbesetzte Ausbildungsplätze stehen 669 unversorgten Jugendlichen gegenüber – eine Differenz zwischen Angebot und Nachfrage von 1.974 – erneut ein Rekordwert!Der Anstieg des Lehrstellenüberschusses geht auf das gestiegene Ausbildungsangebot der Betriebe zurück. Die sächsischen Unternehmen setzen bei der Fachkräftesicherung auf Ausbildung und melden ihre freien Stellen. 

  • In allen Regionen gibt es mehr Stellen als Bewerber

Die meisten unbesetzten Lehrstellen gibt es in Betrieben in Dresden (341), Bautzen (318), Annaberg-Buchholz (304) und Plauen (301). Die größte Auswahl an freien Ausbildungsplätzen haben unversorgte Jugendliche in Riese (8 freie Lehrstellen pro Person), Bautzen (7,7 freie Lehrstellen pro Person) und Annaberg-Buchholz (7,6 freie Lehrstellen pro Person). 

  • Wunschberufe bleiben unverändert

Die beliebtesten Berufe der Bewerberinnen und Bewerber in Sachsen sind nach wie vor Verkäufer/in (1.643), Kfz-Mechatroniker – PKW-Technik (935), Kaufmann/-frau im Einzelhandel (894), Kaufmann/-frau – Büromanagement (684), Fachlagerist/in (592), Tischler/in (436), Fachinformatiker-Anwendungsentwicklung (436), Mechatroniker/in (397), Medizinische/r Fachangestellte/r (318) und Friseur/in (315). Etwa ein Drittel aller Jugendlichen entschied sich für einen dieser zehn Berufe (35 Prozent) – aus knapp 330 Ausbildungsberufen. 

  • Gute Chancen in weniger bekannten Berufen

Manche Berufe sind bei den Jugendlichen offenbar weniger bekannt oder beliebt. In diesen Berufen standen die Chancen auf eine Ausbildung in Sachsen sehr gut, weil es nur weniger Bewerber mit diesem Wunschberuf gab und vergleichsweise viele freie Ausbildungsstellen. So wurden im vergangenen Ausbildungsjahr beispielsweise 246 Ausbildungsstellen für „Fachverkäufer Lebensmittelhandwerk – Fleischerei“ gemeldet und nur 15 sächsische Jugendliche hatten sich für diesen Wunschberuf entschieden. Dadurch standen rechnerisch einem Jugendlichen insgesamt 16 Ausbildungsplätze gegenüber. TOP 20 der Berufe mit der höchsten Stellen/Bewerber-Relation:

  1. Verfahr.m.-Kunst.-/Kautsch.t.-Formteile                 32
  2. Fachverk.-Lebensm.handwerk – Fleischerei                16
  3. Beton- und Stahlbetonbauer/in                           15
  4. Gießereimechaniker/in                                   15
  5. Eisenbahner/in – Zugverkehrssteuerung                   12
  6. Gleisbauer/in                                           7
  7. Kaufm. -Groß/Außenhandelsmanag – Großh.         7
  8. Gerüstbauer/in                                          6
  9. Fachmann/-frau – Systemgastronomie                      6
  10. Fachkraft – Lebensmitteltechnik                         6
  11. Restaurantfachmann/frau                         6
  12. Werkzeugmechaniker/in                           6
  13. Kaufmann/-frau – IT-System-Management           5
  14. Fachkraft Metalltechnik – Montagetechnik                5
  15. Mechatroniker/in – Kältetechnik                         5
  16. Mikrotechnologe/-technologin                            4
  17. Medientechnologe/-technologin Druck                     4
  18. Kfz.mechatroniker – Sys. u.Hochvolttech.                4
  19. Hörakustiker/in                                         4
  20. Elektroniker/in für Betriebstechnik                     4
  • Arbeitgeber müssen für ihre guten Ausbildungsbedingungen werben

Sinkenden Bewerberzahlen stehen steigende Angebote an Ausbildungsplätzen gegenüber.  Unternehmen müssen um Auszubildende werben und sind deshalb gut beraten, Gelegenheiten für das gegenseitige Kennenlernen zu schaffen. Bei der Auswahl sind Betriebe mehr denn je gefordert, stärkenorientiert vorzugehen. Mögliche schulische Defizite können Arbeitsagenturen über Nachhilfeunterricht ausgleichen – sollten also nicht im Vordergrund stehen. Auch junge Erwachsende ohne Berufsabschluss bis Mitte dreißig – also sogenannte Zukunftsstarter – oder Studienzweifler/-abbrecher sind Kandidaten für freie Lehrstellen. 

  • Eine Ausbildung hat für die jungen Menschen ein Preisschild

Eine Ausbildung kostet die Unternehmen Geld, Kraft und Zeit. Damit hat sie auch für die jungen Menschen ein Preisschild! Auf diesem Preisschild steht „Eignung“ und „Motivation“. Denn eine Ausbildung gibt es nicht geschenkt. 

  • Berufsberater helfen kurzfristig, um die Ausbildung klarzumachen

Auch jetzt ist es noch nicht zu spät! Die Berufsberaterinnen und -berater in den 13 Jugendberufsagenturen in Sachsen kennen den regionalen Arbeitsmarkt, aktuelle Trends, Berufe und deren Zukunftschancen. Sie helfen, fördern, checken die Bewerbung, unterstützen beim Finden einer Alternative zum Wunschberuf (Stichwort: Plan B) und vermitteln, weil sie die Betriebe in der Region kennen. Die Jugendlichen und deren Eltern können sich sowohl persönlich beraten lassen, aber auch per Telefon oder Videokommunikation. 

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