Leon Englers »Wo die Götter kauern wie Hunde« wird im Science Dome uraufgeführt

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Premiere am 26. Juni 2026, 20 Uhr, Science Dome der experimenta
Wo die Götter kauern wie Hunde (UA)
von Leon Engler
Gewinnerstück des internationalen Dramenwettbewerbs »Science & Theatre« 2025
Kooperation des Theaters Heilbronn mit der experimenta Heilbronn

Regie: Janis Knorr
Ausstattung: Ariella Karatolou
Musik: Sebastian Jurchen
Video: Kevin Graber
Dramaturgie: Dr. Mirjam Meuser

Mit:
Stephanie Schönfeld (Dr. Dr. Sophia Maillart; Astrophysikerin und Molekularbiologin)
Sabine Unger (Petra, Kleinunternehmerin)
Regina Speiseder (Kassandra, Privatdetektivin)
Sarah Finkel (Helga, Kundin/Waltie Wagner, Wurstwarenfachverkäufer)
Romy Klötzel (Arachne, Helgas Tochter/Nemesis, sprechende Gans)

»Wo die Götter kauern wie Hunde« von Leon Engler war das Gewinnerstück des internationalen Dramenwettbewerbs 2025, den das Theater Heilbronn und das Science Center experimenta zum vierten Mal innerhalb des Festivals »Science & Theatre« ausgerichtet haben. Die Uraufführung am 26. Juni 2026 im Science Dome der experimenta ist die abschließende Premiere der Spielzeit 2025/2026 und damit auch die letzte in der Intendanz von Axel Vornam am Theater Heilbronn. Regie führt Janis Knorr. Für die Ausstattung ist Ariella Karatolou, für die Musik Sebastian Jurchen, für das Video Kevin Graber und für die Dramaturgie Dr. Mirjam Meuser zuständig.
Englers groteske, tragikomische Parabel über Fortschrittswahn, Hybris und Unsterblichkeitssehnsucht hat nicht nur die die fünfköpfige Jury des Dramenwettbewerbs überzeugt und wurde mit 10.000 Euro prämiert. Das Schauspiel gewann auch den Publikumspreis, als die zwei bestplatzierten aus insgesamt 22 eingesandten Stücken in szenischen Lesungen vorgestellt wurden. Traditionell ist mit dem Sieg im Dramenwettbewerb die Uraufführung im Science Dome der experimenta verbunden. 
Die Jury mit Vertretern aus Kunst und Wissenschaft hat die 22 anonymisierten Texte gelesen und in einem Abstimmungsprozess die zwei besten Stücke ausgewählt. Mitglieder der Jury waren Festivalkuratorin Dr. Mirjam Meuser, Chefdramaturgin des Theaters Heilbronn; Prof. Dr. Alexandra Reichenbach, Professorin für Neuroinformatics und Direktorin des Zentrums für Maschinelles Lernen an der Hochschule Heilbronn; Axel Vornam, Intendant des Theaters Heilbronn; Dr. Wolfgang Hansch, ehemaliger Geschäftsführer der experimenta und Kenan Bromann, Leiter des Science Domes der experimenta.

Inhalt
Leon Englers Stück »Wo die Götter kauern wie Hunde« spielt in der verzerrten Gegenwart unserer vom Untergang bedrohten Welt. Im Mittelpunkt steht die Astrophysikerin und Molekularbiologin Dr. Dr. Sophia Maillart, die am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Genf das Weltall erforscht, um das Universum zu retten. Als Biologin arbeitet sie über genetische Telomere, das sind »Schutzkappen« an den Enden unserer Chromosomen, die das Erbgut bei jeder Zellteilung vor Beschädigung und Informationsverlust schützen. Ihr Ziel ist es, auf diese Weise der Menschheit die Unsterblichkeit zu sichern. Ein banaler Schlüsseldienstbesuch führt sie zur exzentrischen Petra, einer ehemaligen Technikethikerin, die in Sophias Schlüssel den Zugang zu einem mythischen Garten mit dem »Kraut der Unsterblichkeit« vermutet. Gemeinsam mit der Witwe Helga, deren Tochter Arachne und der Detektivin Kassandra spinnt sie ein groteskes Komplott, um an dieses Kraut heranzukommen.
Leon Engler verbindet antike Motive mit moderner Wissenschaftskritik, Alltagsbanalitäten und Witz. Sein Stück ist ein philosophisches Lustspiel über Größenwahn, technische Überforderung und die Sehnsucht nach Sinn in einer entzauberten Welt. Die Dialoge sind pointiert, die Figuren grotesk, der Ton schwankt zwischen Farce und Tragödie. »Wo die Götter kauern wie Hunde« ist ein rasantes, intellektuell funkelndes Schauspiel über Menschen, die den Himmel erobern wollen – und dabei auf der Erde stolpern.

Auszug aus der Laudatio von Dr. Mirjam Meuser:
»Leon Engler ist hier ein großer, böser Spaß gelungen, der allerdings bei aller vermeintlichen Absurdität, die er im Laufe des Stücks entwickelt, nie den tieferen Sinn und die Hintergründigkeit verliert, die ihn grundieren. In Englers verrückter Weltuntergangsphantasie lebt die Menschheit trotz Hochtechnologisierung und Hyperkonnektivität immer noch im mythischen Raum, wird von archaischen Emotionen, Leidenschaften und Konflikten heimgesucht. […] Das große Thema des Stücks – die Jahrtausende überdauernde obsessive Suche des Menschen nach der Unsterblichkeit – ruft dabei eines der wichtigsten Motive der griechischen Tragödie auf, die menschliche Hybris, die die Strafe der Götter provoziert. […]
Die mythologischen Referenzen in Englers Stück sind zahllos. Sie gesellen sich zu einer sich immer wieder selbst überholenden Handlung, die in ihrer Verschmelzung von Realität und Fiktion dem magischen Realismus stark verpflichtet ist. In seiner Struktur testet das Stück nicht zuletzt die physischen Grenzen des Theaters – eine spannende Herausforderung für die Umsetzung auf der Bühne. Und, auch das soll nicht unerwähnt bleiben: Ein mythologisches Stück mit rein weiblichem Personal, darauf hat das Theater gewartet! […]
Und wie absurd scheint die ungebrochene Obsession des Menschen mit dem ewigen Leben – dessen diesbezügliche Hoffnungen sich heute auf Technologien wie die Künstliche Intelligenz und die sich stetig verfeinernde Medizin- und Gentechnik richten –, angesichts eines Lebensraums, der durch die ökologische Katastrophe und die Gefahr eines nuklearen Armageddon zunehmend von Zerstörung bedroht ist. Hier macht Leon Englers Stück seinen Punkt. […]
Als groteske Farce, die Friedrich Dürrenmatts bekanntes Urteil, dass unserer von Verantwortungslosigkeit geprägten, ins Chaos driftenden Welt »nur noch die Komödie« beikäme, in kaum zu überbietender Aktualität auf die Spitze treibt, hat Leon Englers »Wo die Götter kauern wie Hunde« die Jury vollkommen überzeugt. «

Leon Engler (geb. 1989 in Osterzell) ist Psychologe, Autor und Dozent. Er studierte in Wien, Paris und Berlin, erhielt 2022 den 3sat-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb, schrieb preisgekrönte Stücke und Hörspiele und spricht im Podcast »Die Wahrheit irgendwo hier drinnen« über Psychologie. Im August 2025 erschien sein Debütroman »Botanik des Wahnsinns« bei Dumont und wurde zum Bestseller.

Hintergrund des Dramenwettbewerbs
Das Festival »Science & Theatre« wurde 2019 von Axel Vornam und Dr. Wolfgang Hansch ins Leben gerufen und findet seither alle zwei Jahre statt. Fester Bestandteil des Festivals ist von Anfang an der Dramenwettbewerb für noch nicht ur- oder in Deutschland erstaufgeführte Theatertexte, die sich einem gesellschaftlichen Diskurs im Kontext der modernen Wissenschaften stellen. Bisherige Gewinner waren Christina Kettering mit »Schwarze Schwäne« 2019, Mario Wurmitzer mit »Veredelung der Herzen« 2021 und »Die letzte Nacht der Welt« von Laurent Gaudé 2023, mit dessen deutschsprachiger Erstaufführung das Festival 2025 begann.

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