Freie Erfinderinnen und Erfinder in Deutschland: Woher sie kommen, was sie zum Patent anmelden

Auswertung des Deutschen Patent- und Markenamts: Unabhängige Tüftlerinnen und Tüftler kommen häufig aus Bayern und entwickeln im Maschinenbau – DPMA-Präsidentin: Freie Erfinderinnen und Erfinder „unverzichtbarer Teil unseres Innovationsökosystems“

Korkenzieher, Spreizdübel, Airbag: Viele geniale Erfindungen stammen nicht aus Entwicklungsabteilungen großer Unternehmen, sondern von kreativen und kompetenten Tüftlerinnen und Tüftlern, sogenannten freien Erfinderinnen und Erfindern. Sie gehen ihrer Arbeit in Eigeninitiative in Garagen, Werkstätten oder am privaten Computer nach. Im vergangenen Jahr gingen beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) mehr als 2000 Patentanmeldungen freier Erfinderinnen und Erfinder ein. „Freie Erfinderinnen und Erfinder arbeiten oft unter schwierigen Bedingungen und behaupten sich trotzdem immer wieder gegenüber den Entwicklungsabteilungen großer Unternehmen“, sagt DPMA-Präsidentin Eva Schewior. „Sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Innovationsökosystems, und wir als DPMA werden sie weiter bestmöglich unterstützen.“

Anlässlich der Erfindermesse iENA in Nürnberg (28.Oktober bis 30. Oktober) hat das DPMA ausgewertet, aus welchen Bundesländern Patentanmeldungen dieser Gruppe stammen und welchen Technikbereichen sie zuzuordnen sind: Fast ein Viertel der Anmeldungen freier Erfinderinnen und Erfinder kamen im vergangenen Jahr aus Bayern (448). Dahinter folgen im Bundesländer-Ranking Nordrhein-Westfalen (386) und Baden-Württemberg (308). Legt man die Anmeldezahlen auf je 100.000 Einwohner um, dann führt allerdings Rheinland-Pfalz (4,3 Anmeldungen). Auf Platz 2 und 3 liegen Bayern (3,4) und Baden-Württemberg (2,7).

Frauenanteil leicht gestiegen

Betrachtet man die Anmeldungen nach Techniksektoren, liegt der „Maschinenbau“ mit 812 Anmeldungen an der Spitze. Darauf folgt der Sektor „Sonstige Gebiete“ (462), in dem Technikbereiche wie Bauwesen, Möbel, Spiele und sonstige Konsumgüter zusammengefasst sind. Auf Rang 3 liegt der Sektor „Chemie“ (250).

Der Anteil der Anmeldungen freier Erfinderinnen und Erfinder am gesamten Anmeldeaufkommen des DPMA beträgt 5,9 Prozent. Auffällig ist, dass die eingereichten Erfindungen dieser Gruppe im Sektor Sonstige Gebiete mit einem Anteil 17,7 Prozent an allen Anmeldungen deutlich über diesem Wert liegen. Etwas mehr als jede sechste Anmeldung kommt hier also von einer freien Erfinderin oder einem freien Erfinder. Auch im Sektor Chemie ist der Freie-Erfinder-Anteil überproportional (8,9), im Maschinenbau liegt er nahe am Schnitt (5,3). Im Bereich Instrumente (4,1) und in der Elektrotechnik (2,9) liegt der Wert deutlich darunter.

Der Frauenanteil unter den „Freien“ ist zuletzt stetig größer geworden, bleibt aber auf niedrigem Niveau: Im vergangenen Jahr kamen 7,6 Prozent der Anmeldungen von Erfinderinnen (2021: 7,3 Prozent).

Insgesamt ist die Zahl eingereichter Erfindungen aus dieser Gruppe deutlich rückläufig: 2022 gingen beim DPMA 2.021 Anmeldungen freier Erfinderinnen und Erfinder ein. Das sind 21,0 Prozent weniger als im Vorjahr.

Der weit überwiegende Teil angemeldeter Erfindungen stammt in Deutschland von Unternehmen oder Forschungseinrichtungen. Diese werden in Patentanmeldungen auch als „Anmelder“ geführt, während der eigentliche Entwickler oder die Entwicklerin dort als „Erfinder“ angegeben wird. Als Erfindungen freier Erfinderinnen und Erfinder wertet das DPMA Anmeldungen, bei denen in beiden Punkten dieselbe natürliche Person angeführt wird.

DPMA informiert auf der iENA – Erstberatung für Erfinderinnen und Erfinder

Auf der iENA informiert das DPMA in diesem Jahr wieder über die gewerblichen Schutzrechte Patent, Gebrauchsmuster, Marke und Design. An den drei Messetagen stehen dafür Fachleute an unserem Stand bereit (Halle 10, Stand 01). Zudem informieren am Stand Expertinnen und Experten des Europäischen Patentamts, der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) und des Patentzentrums Bayern. Eine Patentanwältin und ein Patentanwalt bieten Erfinderinnen und Erfindern eine Erstberatung. Termine dafür kann man am DPMA-Stand vereinbaren.

Auch auf eigens eingerichteten Internetseiten informiert das DPMA freie Erfinderinnen und Erfinder über Recherchemöglichkeiten und Lizenzierung sowie zu Förderprogrammen.

 

Über Deutsches Patent- und Markenamt

Erfindergeist und Kreativität brauchen wirksamen Schutz. Das DPMA ist das deutsche Kompetenzzentrum für alle Schutzrechte des geistigen Eigentums – für Patente, Gebrauchsmuster, Marken und Designs. Als größtes nationales Patentamt in Europa und fünftgrößtes nationales Patentamt der Welt steht es für die Zukunft des Erfinderlandes Deutschland in einer globalisierten Wirtschaft. Seine knapp 2.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an drei Standorten – München, Jena und Berlin – sind Dienstleister für Erfinder und Unternehmen. Sie setzen Innovationsstrategien des Bundes um und entwickeln die nationalen, europäischen und internationalen Schutzsysteme weiter. Weitere Informationen unter www.dpma.de

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