LVR: Zahl der Persönlichen Budgets für Menschen mit Behinderung deutlich gestiegen

Die Zahl der Menschen mit Behinderung, die mit einem Persönlichen Budget selbstbestimmt ihre Unterstützungsleistung organisieren, ist im Gebiet des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) zwischen 2015 und 2022 deutlich um 150 Prozent gestiegen. Das entspricht 2.198 Leistungsberechtigten. Betrachtet man nur die drei Jahre 2020 bis 2022 ist eine Steigerung der Fallzahlen um 13 Prozent festzustellen. Das geht aus einem heute im Sozialausschuss der Landschaftsversammlung Rheinland vorgestellten Datenbericht des LVR-Dezernates Soziales hervor. Beim Persönlichen Budget erhalten die Menschen mit Behinderung einen Geldbetrag, mit dem sie eigenverantwortlich den vorher erfassten und beschriebenen Unterstützungsbedarf decken. So können die Budget-Nutzer*innen selbst entscheiden, wer die nötige Unterstützung wann und wie erbringt. Anders als bei der sonst üblichen Sachleistung, bei der der LVR direkt einen Dienstleister bezahlt.

Das LVR-Dezernat Soziales informierte zudem über eine online und persönlich durchgeführte Befragung zur Nutzung des Persönlichen Budget, bei der im Herbst/Winter 2022/2023 zufällig ausgewählte Nutzer*innen, aber auch LVR-Mitarbeitende und Expert*innen aus Beratungsstellen befragt worden sind. Es wurden insgesamt rund 50 persönliche Interviews geführt, davon 31 mit Menschen mit Behinderungen bzw. ihren Angehörigen. Das Ergebnis zeigt hohe Zustimmungswerte und einen deutlichen „Selbstbestimmungs-Mehrwert“ bei den Nutzenden, aber auch Unsicherheiten und hohe Arbeitsbelastung auf Seiten der Verwaltung wie der Menschen mit Behinderung.

„Das Persönliche Budget ist ein Instrument zur Förderung der Selbstbestimmung. Dies hat auch die Befragung deutlich gezeigt. Wir freuen uns, dass die proaktive Haltung des LVR dazu beiträgt, dass mehr Menschen mit Behinderung diese Möglichkeiten nutzen können, ihre Assistenzkräfte selbst auszuwählen und ihre eigenen Vorstellungen über ihre Alltagsgestaltung mit Assistenz umsetzen können“, erklärte Martina Zsack-Möllmann, die Vorsitzende des LVR-Sozialausschusses.

Während etwa die Nachweispflichten für die Mittelverwendung auch bisher schon möglichst unbürokratisch gestaltet wurden, so erläuterte LVR-Sozialdezernent Dirk Lewandrowski, zeige die Befragung, dass sowohl Verwaltungsmitarbeitende als auch Menschen mit Behinderung noch viele Hürden und Schwierigkeiten im Prozess der Beantragung und Bearbeitung eines Persönlichen Budgets sehen. Für die LVR-Mitarbeitenden bedeutet die Bearbeitung eines Persönliches Budgets einen deutlich höheren Arbeitsaufwand als die Bewilligung einer Sachleistung. „Wir sind bereits dabei, Arbeitsabläufe zu verändern, um die Verfahrensprozesse für alle Beteiligten zu vereinfachen und zu beschleunigen“, erklärte Lewandrowski. Auch in der Information und Beratung über das Persönliche Budget wolle man noch offensiver werden. Sein Ziel sei sicherzustellen, dass die Menschen mit Behinderung im Rheinland über die Möglichkeiten des Persönlichen Budgets Bescheid wissen: „Nur so können sie ihr gesetzliches Wahlrecht zwischen Sach- und Geldleistung ja überhaupt wahrnehmen“, sagte Lewandrowski.

Es sind überwiegend jüngere Menschen mit Behinderung, die das Persönliche Budget nutzen: 53 Prozent sind jünger als 40 Jahre. Vier von zehn Leistungsberechtigte mit Persönlichem Budget haben eine geistige Behinderung, drei von zehn eine primär körperliche Behinderung. Eingesetzt wird das Persönliche Budget vor allem für Unterstützung bei der sozialen Teilhabe (Wohnen, Alltag) in der eigenen Wohnung.

Um die Information auch für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung zu verbessern hat das LVR-Dezernat Soziales einen Flyer in Einfacher Sprache erstellt, der online und in gedruckter Version auf soziales.lvr.de erhältlich ist.

Weiterführende Informationen
Vorlage Nr. 15/1745 mit Datenbericht und Information zur Beratung 
Publikation "Das Persönliche Budget" (aktualisierte Fassung 2023) 
Publikation "10 interessante Dinge über das Persönliche Budget"
Erklärfilm zum Persönlichen Budget auf dem LVR-Beratungskompass 

Über Landschaftsverband Rheinland

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) arbeitet als Kommunalverband mit rund 22.000 Beschäftigten für die 9,8 Millionen Menschen im Rheinland. Mit seinen 41 Schulen, zehn Kliniken, 20 Museen und Kultureinrichtungen, vier Jugendhilfeeinrichtungen, dem Landesjugendamt sowie dem Verbund Heilpädagogischer Hilfen erfüllt er Aufgaben, die rheinlandweit wahrgenommen werden. Der LVR ist Deutschlands größter Leistungsträger für Menschen mit Behinderungen und engagiert sich für Inklusion in allen Lebensbereichen. „Qualität für Menschen“ ist sein Leitgedanke.

Die 13 kreisfreien Städte und die zwölf Kreise im Rheinland sowie die StädteRegion Aachen sind die Mitgliedskörperschaften des LVR. In der Landschaftsversammlung Rheinland gestalten gewählte Mitglieder aus den rheinischen Kommunen die Arbeit des Verbandes.

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