„Es ist nur ein dummes Gerücht, aber …“

Kaffeeküche, Kantine, Kopierraum und Rauchbereich sind im Unternehmen Basare für Klatsch und Tratsch, für Gerede und Gerüchte. Lästern hat ein schlechtes Image. Sogleich denken wir an infame Mitmenschen, die bösartig hinter dem Rücken anderer über sie herziehen. Wissenschaftler:innen sagen nun, dass Lästern zu Unrecht diesen miesen Ruf hätte. Vielmehr halte es die Gesellschaft zusammen. Tratsch sei gar das Fundament unseres Daseins, so Evolutionspsychologe Robin Dunbar.

Auch bei indigenen Völkern, die sehr traditionell leben, stießen Anthropologen auf reichlich Tratsch-Geschichten. Wahrscheinlich pflegen Menschen schon seit der Steinzeit diesen Austausch.

Wir alle tratschen
Ob wir abends den Arbeitstag Revue passieren lassen, anderen voller Stolz von unseren Kindern erzählen oder einen sportlichen Zwischenfall kommentieren, wir bewerten – lästern also. Psychologin Myriam Bechtoldt, Professorin an der European Business School (EBS), und andere Forschende sind sich sicher: „Es ist an der Zeit, sich mit dem Phänomen des Lästerns und dem Image einer Plaudertasche auszusöhnen.“

So gern wir uns über andere unterhalten, so unsicher sind wir uns über den eigenen Ruf. Aber auf den sollten wir achten. Wer selbst nicht die nobelste Person ist, kann damit rechnen, dass sich das Fehlverhalten durch Lästern rasch verbreitet – und damit das eigene Ansehen lädiert wird. Und ein schlechtes Image möchte niemand haben. Jede Person fühlt sich also bei ihrem eigenen unsozialen Benehmen beobachtet und wird das Möglichste tun, um ihren eventuell schlechten Ruf zu reparieren.

„Es ist extrem wichtig für uns, Informationen über andere zu erhalten, damit wir wissen, wie wir uns der Person gegenüber verhalten sollen. Wir wollen es unbedingt richtig machen“, erklärt Bechtoldt. Dass Menschen miteinander klatschen, macht uns zu verträglicheren Zeitgenossen. Fachleute sind sich darüber einig, dass die meisten Menschen mit ihrem Getratsche anderen nicht schaden wollen.

Beweggründe für Gerede sind vielfältig

  • Zwei Drittel unserer Unterhaltungen drehen sich um private Beziehungen, persönliche Vorlieben und Abneigungen sowie das Verhalten anderer.
  • Ein topaktueller Flurfunk lässt Prozesse reibungsloser funktionieren.
  • Wir tratschten, um Informationen über andere zu sammeln oder auch das eigene Weltbild mit weiteren Personen abzugleichen. Gespräche ermöglichen, sich in der Gesellschaft zu verorten.
  • Lästern verbindet. Wenn wir uns über XYZ unterhalten, dann stellt das auch eine Beziehung zwischen uns und den Zuhörenden her.
  • Zudem warnen und schützen wir oft mögliche Leidtragende, indem wir von eigenen unschönen Erfahrungen mit XYZ berichten.
  • Über Vorgesetzte wird überdurchschnittlich viel getuschelt. Das Team will wissen, wie Personen, die Macht ausüben, ticken.
  • Zweifellos gibt es auch Menschen, die mit Vorliebe abwertend über andere reden, um deren Ruf zu schädigen. 

Das einzig probate Gegenmittel sei nicht ein Lästerverbot, sondern eine transparente Feedback-Kultur, so Bechtoldt. Die idealen Voraussetzungen für versteckte Intrigen sind immer dort zu finden, wo es keine brauchbare Kritik-Kultur gibt.

Das Fazit nach Evolutionspsychologe Dunbar: Lästern ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft und sehr wichtig für den Zusammenhalt. Doch damit dieser Kleister keine unschönen Stellen hinterlässt, muss er mit Sorgfalt und in Maßen eingesetzt werden.

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