Langschläfer mögen es kalt und dunkel

Der positive Trend im Oberharz bestätigt sich: Altenau hält die Zahl seiner Wintergäste konstant. Bei der jüngsten Zählung der Quartiere ermittelten Forscher eine gute Auslastung der Schlafplätze. Allein zehn Fledermäuse zählte Siegfried Wielert beim jüngsten Kontrollgang vergangene Woche. Der Fledermausbeauftragte für den Landkreis Goslar hatte am Montag, 18. Februar, einen unterirdischen Wasserlauf zur Altenauer Silberhütte erkundet. Dort traf er in 80 Meter Tiefe sechs Große Mausohren und vier Wasserfledermäuse schlafend an. Die Tiere hatten sich den abgeriegelten Stollen als Winterquartier ausgesucht. Die unter Naturschutz stehenden Säugetiere nutzen ehemalige Bergwerksstollen und Wasserläufe unter Tage als frostsichere Winterschlafplätze.

„Die Tiere hängen sich kopfunter in kleine Felsspalten oder Ritzen im Gestein und verbringen so die kalte Jahreszeit“, erläutert Siegfried Wielert die Lebensweise der Flugtiere. Der Fledermaus-Fachmann zeigt sich zufrieden über die Maßnahmen zum Schutz der bedrohten Tiere. „Wir haben 2009 gemeinsam mit den Niedersächsischen Landesforsten und dem Landkreis Goslar die Eingänge mit einem Gitter verschlossen. Seitdem überwintern sie ungestört bei konstanter Temperatur“. Wielert verweist auf das Bundesnaturschutzgesetz, das Störungen gesetzlich verbietet. Er weiß was die “Langschläfer“ aus Altenau mögen: Kälte, Dunkelheit und keine Störenfriede bis zum Frühling, wenn die ersten Insekten fliegen. Die Anzahl der gefundenen Tiere schwankte zwischen sechs und sechszehn Individuen seit seiner ersten Kontrolle im Dezember 2009.

Neben dem Altenauer Wasserlauf nutzen Harzer Fledermäuse zahlreiche weitere Winterquartiere. „Auch einen Stollen im Tal der Großen Oker bewohnen aktuell heimische Fledermausarten als Winterschlafplatz“, berichtet Förster Jörg Sonnabend. Der Waldökologe und Naturschutz-Förster vom Niedersächsischen Forstamt Clausthal hatte diesen Winterschlafplatz ebenfalls sichern lassen. Sonnabend sieht darin einen Erfolg für die gute Zusammenarbeit zwischen den Landesforsten, der Naturschutzbehörde, dem Nationalpark Harz und ehrenamtlichem Naturschutz.


Hintergrund:

Stillgelegte Bergbaustollen, Felsspalten und Höhlen sind wertvolle Rückzugsplätze für Fledermäuse während ihres Winterschlafs. Auf Störung durch Besucher reagieren die Tiere empfindlich. Sie verbrauchen Energie, um wach zu werden und aus dem Winterquartier zu fliegen. Die streng geschützten Fledermausarten sind auch regelmäßige Waldbewohner. Die Niedersächsischen Landesforsten schützen nicht nur diesen Winterschlafplatz, sondern erhalten auch die sogenannten Wochenstuben. Fledermäuse ziehen ihre Jungtiere beispielsweise in Baumhöhlen auf. Verlassene Spechthöhlen, morsche oder abgebrochene Bäume bieten diesen Tieren Lebensraum. Ziel der Forstleute ist es, solche Bäume im Wald zu erhalten und gezielt Artenschutz für Fledermäuse zu betreiben. In dem Felswinterquartier bei Altenau können theoretisch alle sogenannten Felsüberwinterer vorkommen. Im Harz zählen hauptsächlich die Bart- und Wasserfledermäuse dazu, aber auch das Große Mausohr und als Harzer Besonderheit die seltene Nordfledermaus.

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