Es dampft, raucht und manchmal knallt es auch – Industriekultur in den Thüringer Städten

Beeindruckt stehen die Mitarbeiter eines Technologiekonzerns hinter der Wenderogel in der Arnstädter Bachkirche. In ihrem Betrieb beschäftigen sie sich mit Halbleitern und Nanotechnologie – hier blicken Sie fasziniert auf die komplexe Mechanik, die der Mühlhäuser Orgelbaumeister Johann Friedrich Wender vor mehr als 300 Jahren schuf. Das Instrument wurde die erste Wirkungsstätte des Komponisten J. S. Bach.

Orgelführungen sind nicht die einzige Möglichkeit, um in der Bachstadt die Handwerks- und Industriekultur Thüringens hautnah zu erleben. Nur unweit entfernt entführen im historischen Lockschuppen Arnstadt Dampf-, Diesel und Rangierlokomotiven in eine Zeit, in der Arnstadt von einer Ackerbürgerstadt zu einem florierenden Industriestandort wuchs. Dieser Zeit widmet sich auch die Sonderausstellung „Hauptfabrikation hierselbst – Handschuhe und Schuhwerk“, welche vom 29.09.2018 bis 19.05.2019 im Schlossmuseum Arnstadt zu sehen ist.

Das Dampflokwerk Meiningen ist heute der größte Betrieb seiner Art in Europa. Bereits seit 1863 werden hier verschiedene Fahrzeugtypen neu gebaut oder instandgesetzt. Legendär ist die 18 201, die derzeit schnellste betriebsfähige Dampflok der Welt.


Für Technikfans bietet das Dampflokwerk jeden Sonnabend Führungen durch das Werk an. Außerdem läuft im Schloss Elisabethenburg bis zum 28. April 2019 die Sonderausstellung „Stütze der Werrabahn – Die Dampflok-Reparaturwerkstatt Meiningen von 1863 bis 1914“. Die Sonderschau beleuchtet die Entwicklung der Betriebsstätten in der Zeit der Industrialisierung.

Dampflokomotiven in Aktion gibt es bei der historischen Harzer Schmalspurbahn. Mit ihr kann man von Nordhausen aus eine Fahrt bis auf den Brocken wagen. Bekannt ist die Stadt für die Nordhäuser Traditionsbrennerei. Bei einem Rundgang durch den Betrieb kann die Geschichte der Brennerei nachvollzogen werden und bei der Verkostung der hauseigenen Proben wird die Qualität getestet.

Das Industriegeschichtliche Museum „Tabakspeicher“ bietet einen guten Überblick über die beeindruckende Fülle und Vielfalt der ehemaligen Produktionsbetriebe in Nordhausen. Sie reicht von Brennerei und Brauerei über Tabak und Bötcherhandwerk bis zur Kaffeerösterei und Fernmeldetechnik.

Ganz ohne Dampf pendelt die Thüringer Waldbahn seit 1929 zwischen der ehemaligen Residenzstadt Gotha und Bad Tabarz, einem idyllischen Erholungsort am Fuße des 916 m hohen Inselsberges. Die Thüringer Wald- und Straßenbahn ist damit eine der ältesten Überlandstraßenbahnen Deutschlands. Während ihrer etwa einstündigen Fahrt in den märchenhaften Thüringer Wald, geht es u. a. an der ehemaligen Pferderennbahn am Boxberg, den Reinhardsbrunner Teichen und der Marienglashöhle in Friedrichroda vorbei.

Die Metallschraubenfabrik Graba in Saalfeld ist ein Kleinod der Industriegeschichte und gilt als das einzige bundesweit erhaltene Industriedenkmal seiner Art. Sie zeigt ein klassisches Fabriksystem um die Jahrhundertwende, in dem Schrauben aller Art hergestellt wurden. Die fast vollständig bewahrte Fabrik wartet auf mit zahlreichen Arbeitsmaschinen wie Drehautomaten, Schleif- und Bohrmaschinen sowie einem Büro mit Schreibtisch, Panzerschrank und Telefonanlage. 80 Jahre lang wurde hier produziert. 1990 wurden die Maschinen endgültig abgestellt und die Maschinensäle so belassen, als hätten sie die Arbeiter nur zu einer kurzen Pause verlassen.

Für weitaus größere Metallprodukte ist die Glockenstadt Apolda weltweit bekannt. Neben der Glockengießerei prägte auch die Textilindustrie die Stadt. Beide Themen finden sich im GlockenStadtMuseum. In der Stadt selbst zeugen imposante Gründerzeitbauten noch heute von dem einstigen Reichtum der Stadt.

Wie eng Industrie und Design mit einander verbunden sind zeigt auch das Bauhaus in Weimar. Vor knapp 100 Jahren gegründete revolutionierte das Bauhaus nicht nur die Architektur. Sowohl Bauwerke als auch Produkte folgten völlig neuen gestalterischen Ideen. Heute sind diese Dinge Designklassiker geworden: von der Wagenfeld-Lampe, dem Marcel-Breuer-Stuhl, der farbenfrohen Wiege von Peter Keler bis hin zum Plattenwohnungsbau. Mit der Eröffnung des neuen bauhaus museum weimar Anfang April 2019 wird dieser Teil der Kunstgeschichte neu und umfassend dargestellt.

Auch in Altenburg ist die industriegeschichtliche Vergangenheit immer noch lebendig. Beispiele sind die Altenburger Brauerei mit ihrem prachtvollen Jugendstil-Sudhaus; zahlreichen Fabrikantenvillen, darunter das Paul-Gustavus-Haus, eine ehemalige Malzkaffee-Produktionsstätte, die Altenburger Hut & Putz GmbH, die aus dem 1874 gegründeten Unternehmen Hut Kley hervorgegangen ist, und – nicht zu vergessen – die 1882 gegründete Altenburger Pergament & Trommelfell GmbH. Lassen Sie sich überraschen!

Die Industrialisierung Mühlhausens hat ihre Wurzeln im mittelalterlichen Zunftwesen. Auf den Spuren der Industriegeschichte sollten Gäste die Helmut Peterseim Strickwaren GmbH besuchen. In Tradition der Mühlhäuser Textilindustrie werden hier hochwertige Strickbekleidungen hergestellt. Ein Werksverkauf lädt zum Stöbern ein.

Die Mühlhäuser Klingenmühle ist Domizil des „MühlenHaus e.V.“, der die Geschichte der Mühlhäuser Mühlen im Fokus seiner Arbeit sieht. Eine Besichtigung der Klingenmühle ist nach Voranmeldung möglich. Sehenswert ist das Hauptgebäude mit historischen Fotografien und Informationen zur technischen Ausstattung der ehemaligen Mühle.

Übrigens: Im Kulturhistorischen Museum öffnet Ende 2019 ein neuer Bereich der Dauerausstellung zum Thema Handwerk und Industrie in Mühlhausen. Anhand von Mühlhäuser Unternehmen wird die Entwicklung der modernen Industrie aus dem mittelalterlichen Handwerk erläutert.

Erfurt ist, begünstigt durch die zentrale Lage, seit jeher ein wichtiger Industrie- und Wirtschaftsstandort von Waidanbau im Mittelalter über den erwerbsmäßigen Gartenbau im 18. Jahrhundert bis zur Herstellung von Schreibmaschinen in der Zeit der Industrialisierung. Im 19. Jahrhundert siedelten sich neben den bereits existierenden Brauereien mehrere Malzwerke zur Bierherstellung an. Vom 16.09.2018 bis 27.01.2019 zeigt die Ausstellung „Es braut sich was zusammen – Erfurt und das Bier“ im Stadtmuseum, wie über die Jahrhunderte aus einem traditionellen Handwerk ein mächtiger Wirtschaftszweig entstand.

Die Gedenkstätte Topf & Söhne fordert den Besucher auf, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und dokumentiert eindringlich die Mitwirkung eines privaten Unternehmens am Holocaust.

Aus dem ehemaligen Güterbahnhof der Bahn hat sich mit dem ‚Zughafen‘ ein Raum für die Kreativwirtschaft etabliert. Zahlreiche Unternehmen, Startups, eine Eventlocation und der Club Kalif Storch sind im heutigen Kulturbahnhof zu finden. Mit vielfältigen Veranstaltungen der jungen alternativen Kulturszene begeistert der Zughafen mit einer Mischung aus Kunst, Handwerk, Kulinarik und Musik.

Seit Ende des 19. Jhd. prägt der Kalibergbau Sonderhausen. An vielen Orten der Stadt sind Spuren davon zu finden. Besonders interessant ist das Bergbaumuseum. Es befindet sich im Erlebnisbergwerk „Glückauf“ ca. 670 m unter der Erde in der ältesten befahrbaren Kaligrube der Welt. In der über eine 230 Millionen Jahre alten Salzlagerstätte, die auch zur Erlebniswelt mit zahlreichen Attraktionen geworden ist, kann man bei einer Rundfahrt durch das unterirdische Straßenlabyrinth das Bergbau-Museum mit Technik in Aktion erleben.

Ein weiteres Wahrzeichen des Bergbaus in Sondershausen ist der sogenannten „Petersenschacht“ in der Nähe des Bahnhofs. Dieser stellt eine sehenswerte Komposition aus traditioneller Haus- und Industriearchitektur dar, die die Gestaltungsprinzipien des Jugendstils in sich vereint. Das 44 m hohe Gerüst des Förderturms ist besonders eindrucksvoll.

Auch das Schlossmuseum Sondershausen widmet sich diesem Thema indem es die Entwicklung von Handwerkerinnungen zur industriellen Produktion darstellt. Exemplarisch werden zwei Sondershausen prägende Industriezweige vorgestellt – der Kalibergbau und die Produktion von Elektroinstallationsmaterial.

In Suhl haben Handwerk und Technik Tradition! Seit über 700 Jahren ist die Bergbaugeschichte der Ursprung für die Metallindustrie und das -handwerk. Im Fahrzeugmuseum, Waffenmuseum Suhl sowie im Besucherbergwerk und Bergbaumuseum „Schwarzer Crux“ werden anschaulich diese Traditionen und die Industrialisierung dargestellt. Das Technische Denkmal „Schillingschmiede“ ist dabei nur ein Beispiel und geschichtlicher „Augenzeuge“ für die fortschrittlichen Entwicklungen in der Stadt, wozu auch das älteste Beschussamt Deutschlands (seit 1893, zur Qualitätsprüfung von Waffen und Munition) zählt.

Bad Langensalza hat etwas zu bieten, das es thüringenweit so nur ein Mal gibt: das Apothekenmuseum. In einem der ältesten Fachwerkhäuser der Stadt, dem „Haus Rosenthal“, wird eine Ausstellung zur Pharmaziegeschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts präsentiert. Einmalig in Thüringen werden wertvolle Standgefäße, pharmazeutische Arbeitsgeräte, wie z.B. zur Herstellung von Pillen, Salben, Pulvern sowie Mörser und Waagen gezeigt. Zum Apothekenmuseum gehört auch der angrenzende Apothekergarten, in dem mehr als 100 verschiedene Heilkräuter wachsen. Über das Jahr laden verschiedene Seminare, Vorträge und Gartenführungen dazu ein, mehr über die Pharmaziegeschichte und Heilpflanzen zu erfahren.

Seit über 120 Jahren werden in Eisenach Autos gebaut. 1899 verließen die ersten „Wartburgmotorwagen“ die Produktionsstätte in der Wartburgstadt und begründeten die bis heute lebendige Mobilbautradition. 1928 erlebte der BMW hier seine Geburtsstunde und ab 1953 der Wartburg. In einer historischen Fabrikhalle zeigt die automobile welt eisenach eine beeindruckende Ausstellung: Historische Fahrzeuge, Karosserie-Studien, Prototypen und Konstruktionspläne gehören zu den feinen Stücken des Museums. Besonderes Highlight ist ein AWE-Rennwagen, der 1956 einen sensationellen Sieg in der deutschen Meisterschaft errang. Seit Mai 2018 ist das Museum zudem um eine weitere Attraktion reicher. Auf ca. 60m² kann der Besucher eine voll funktionstüchtige historische Dixi-Reparaturwerkstatt aus dem Jahr 1912 erleben.

Über den Verein "Städtetourismus in Thüringen" e.V.

Im Verein "Städtetourismus in Thüringen" e.V. engagieren sich 19 Thüringer Städte seit 1994 aktiv für die touristische Entwicklung der Mitgliedsstädte selbst und die Förderung des Städtetourismus im Freistaat Thüringen. Bündelung der Kräfte, um im nationalen und internationalen Tourismuswettbewerb wahrgenommen zu werden, den Bekanntheitsgrad und die Gästezahlen zu erhöhen, sind die erklärten Ziele des Vereins.

Die Thüringer Städte überraschen mit Ihrer Vielfalt: Erleben Sie prachtvolle Residenzschlösser und Patrizierhäuser, Fachwerkhäuser in verwinkelten Gassen oder Kirchen von der Romanik bis zum Jugendstil. Entdecken Sie eine unvergleichlich dichte Kulturlandschaft im Herzen Deutschlands. Große Persönlichkeiten wie Luther, Bach, Goethe, Schiller, Cranach, Herder und Liszt fanden hier ihre geistige und künstlerische Heimat und prägen die kulturellen Angebote.

Mitgliedsstädte: Altenburg, Apolda, Arnstadt, Eisenach, Erfurt, Gera, Gotha, Greiz, Ilmenau, Jena, Meiningen, Mühlhausen, Nordhausen, Rudolstadt, Saalfeld, Schmalkalden, Sondershausen, Suhl und Weimar, allesamt Städte mit einem unverwechselbaren Profil, vielfältig und reich an historischen Sehenswürdigkeiten, sind attraktive Reiseziele und bieten eine Vielfalt der Freizeitgestaltung.

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