Efeu, Estland und eine sensationelle Thronrettungsmaschine – Sechs E-Books von Freitag bis Freitag zum Sonderpreis und ein Weihnachtsgeschenk

Nun sind es nur noch zwei Tage bis Weihnachten und daher hat auch der vorletzte Newsletter des Jahres ein Weihnachtsgeschenk im Gepäck. Mehr dazu ein paar Zeilen weiter unten. Zunächst einmal soll wie immer von den diesmal sechs Deals der Woche die Rede sein, die im E-Book-Shop www.edition-digital.de eine Woche lang (Freitag, 22.12.17 – Freitag, 29.12.17) zu jeweils stark reduzierten Preisen zu haben sind und sehr unterschiedliche Interessen bedienen. Den Anfang macht Jürgen Borchert mit Historischen Miniaturen. Von einer besonderen Urlaubsreise, die er und seine Familie im Sommer 2000 nach Estland unternommen hatten, erzählt Lutz Dettmann. Um einen mutigen Jungen im Chile nach dem Putsch von Pinochet geht es in dem Kinderbuch „Flucht über die Anden“ von Jan Flieger.

Auf ihre ganz eigene Weise hat Christa Kožik ein wunderbares Märchen von Gisela und Bettina von Arnim wunderbar nach- und neu erzählt. Und darin kommt auch eine ganz besondere Maschine vor, eine Thronrettungsmaschine für einen ängstlichen König, die sich vielleicht auch heutige (geschäftsführend) Regierende manchmal wünschen würden. Aber zurück zu den aktuellen Deals der Woche, von denen noch zwei fehlen: Der SF-Autor Alexander Kröger lässt vor zwei Jahrtausenden Außerirdische auf der Erde landen, um die damals dort lebenden Menschen zu erkunden und zu entscheiden, ob man ihnen irgendwie helfen muss. Wiederum rund 2000 Jahre später spielt die Geschichte von Heinz Kruschel, in der junge Männer zur „Fahne“ müssen – also zur Armee, genauer gesagt zur NVA – der Nationalen Volksarmee der DDR. Und die Zeit dort geht für Jasper Schneidereit und Anke, sein Mädchen, nicht ohne Konflikte ab.

Und wenn Sie bis hierher durchgehalten haben, dann sollen Sie jetzt auch erfahren, worum es sich bei dem Weihnachtsgeschenk der EDITION digital für treue Leser handelt: Zwischen dem 25. und 28. Dezember ist der Teil 1 der Zeitreisenden-Saga „Vom 22. Jahrhundert zurück in das antike Karthago“ von Hardy Manthey nicht etwa nur zu einem stark reduzierten Preis zu haben, sondern gänzlich kostenlos. Und hier sind die sechs Deals der Woche:


1982 erschienen im Mitteldeutschen Verlag Halle-Leipzig unter dem Titel „Efeu pflücken“ Historische Miniaturen von Jürgen Borchert: Efeu pflücken? Den Titel für seine historischen Miniaturen verdankt Jürgen Borchert der Gewohnheit eines Freundes, von Gräbern berühmter Menschen einen Efeuzweig zu pflücken, um sich so in seinem Garten eine immergrüne Autogrammsammlung anzulegen. Auch Borchert lässt Tote wieder lebendig werden. Die Liste der Leute, denen wir in seinen historischen Miniaturen begegnen, ist lang. Dazu gehören Bahnmeister Wilhelm Hansen, der ein spanischer Grande war, und Ritter vom Goldenen Vließ und Ritter der Georgsbrüder und Träger des Roten Adlerordens erster Klasse, ebenso wie der Präsident der Prignitz und Bethke, der unfromme Pastor und der verschwundene Professor Fritz Wachenhusen sowie auch Johann Sebastian Bach – jedenfalls beinahe. Außerdem ist von dem oft mit Wittenberg verwechselten Wittenberge die Rede, von den Türmen von Bautzen und nicht zuletzt von John Brinckman in Amerika. Und hinterher ist man bestimmt nicht nur schlauer als zuvor, sondern auch im besten Sinne des Wortes amüsiert. Als ein gutes Beispiel dafür möge der erste Beitrag des Borchert-Buches dienen, oder zumindest die Vorrede zu diesem ersten Beitrag, in dem es um einen gewissen Bahnmeister Wilhelm Hansen geht, auch Grande von Spanien, 1840, und um einen aufmerksamen Bürgermeister:

„Ja, Sie haben recht gelesen. Und außerdem war er noch Ritter vom Goldenen Vließ und Ritter der Georgsbrüder und Träger des Roten Adlerordens erster Klasse und was weiß ich noch alles, und eigentlich war er doch nur ein kleiner Brauerbursch, der Wilhelm Hansen aus Wilsnack in Preußen.

Wilsnack, in der westlichen Prignitz inmitten ausgedehnter Wälder gelegen, hat unsere Geschichte durch die bekannte Mär vom Wunderblut bereichert. Allhier, nach einem Brande der vormals hölzernen Dorfkirche, fand ein orthodoxer Eiferer irgendwann im Mittelalter drei Blutstropfen auf einer Hostie. Die Forscher glauben, dass das Altargemälde während des Brandes drei rote Farbtropfen ausschwitzte, die auf die heiligen Hostien fielen und also das Wunder bewirkten. Jedenfalls gab’s landauf, landab für zweihundert Jahre ein groß Gedränge, weil alle Welt, die halbe und die ganze, des Segens teilhaftig werden wollte. Tatsächlich werden noch heute Krücken gezeigt, die irgendwelche gebrechlichen Pilger von sich warfen nach dem Anblick des Wunderbluts. Luther und Hus haben der Sache ihr verdientes Ende gesetzt. Heute trägt Wilsnack den stolzen Beinamen „Bad“, das macht, es kuriert mithilfe heilkräftiger Moore unsere Rheumatiker und Gichtkranken, und man sagt, ihre Wirkung auf den Organismus sei im Allgemeinen vorzüglich und im Besonderen unersetzlich.

Bürgermeister Hinze, gottlob, findet ab und an neben seinen Alltagsgeschäften Zeit, in seinen Archiven zu kramen. Und da findet er nun eines Tages die Geschichte vom Bahnmeister Hansen, dem Ritter vom Goldenen Vließ, Granden von Spanien. Lieber B., schreibt Hinze, beiliegend sende ich Ihnen die Abschrift einer Geschichte, die ich ausgebuddelt habe. Vielleicht können Sie sie mal verwenden. Gruß Hinze.

Da stimme ich vorderhand ein Lob an auf alle die Hinzes, die ab und an Zeit finden, in ihren Archiven zu kramen. Die Hinzes wissen, dass in diesen ihren Archiven, auf den staubigen Dachböden unserer Kleinstadtrathäuser, manches Menschenschicksal seinen Dornröschenschlaf schläft. Und wenn kein Hinze kommt und das Dornröschen wachküsst, wird nie ein Schreibermensch von einem solchen Leben erfahren. Hinzes Abschrift erweist sich bei näherem Hinsehen als die Abschrift von der Abschrift eines Zeitungsartikels, dessen Verfasser sich unter dem Deckmantel der Anonymität verbirgt – halten Sie es meiner Pedanterie zugute, wenn ich dem Beginn und dem Fortgang solche bibliografischen Hindernisse in den Weg lege. Ich muss es von vornherein sagen: ich stehe für nichts. Der Artikel, den Freund Hinze heranzieht, soll in einem Periodikum mit dem Namen „Bad Wilsnacker Zeitung“ am 30. September und am 3. Oktober 1931 in zwei Fortsetzungen erschienen sein, und es nimmt niemanden, höchstens die Bibliothekare, wunder, dass sich in keiner Bibliothek unseres sammelwütigen Ländchens davon ein Blatt erhalten hat. Sollten also unter den geneigten Lesern Personen sich befinden, die ein Original der zitierten Zeitung zu besitzen glauben, so bittet um gefällige Nachricht der Verfasser. Genug der Vorrede.“

Erstmals 2002 veröffentlichte Lutz Dettmann im damaligen Schweriner Verlag Stock & Stein seine Aufzeichnungen einer Reise „Sommertage in Estland“: Im Juli 2000 fährt der Autor mit Frau und beiden Kindern mit der Fähre nach Tallinn, um seinen estnischen Freund Valdur und dessen Familie zu besuchen. Er lernte Valdur als 13-jähriger Schüler kennen, als er bei einer DDR-Freundschaftsreise im Jahre 1974 dessen Familie als Gastfamilie zugeteilt bekam. Zwei Wochen Urlaub verleben beide Familien gemeinsam in Estland. Der Autor lässt uns teilhaben an der mehrtägigen Reise zur Ostseeinsel Hiiumaa, die sie intensiv durchstreifen. Zurück in Tallinn, wird das übrige Estland in Tagesausflügen erkundet: die Ordensburgen in Toolse und Rakvere, die Hermannsburg, Ivangorod, Narva, die Burg von Paide, Schloss Kadriorg, die Altstadt von Tallinn, die unter Denkmalschutz stehende Stadt Kohtla-Järve, die Mitte der 1950er Jahre erbaut wurde, …

Die Reise ist zugleich ein Exkurs in die wechselvolle Geschichte des Landes. Sie führt den Leser zu den Spuren der dänischen, deutschen, russischen und sowjetischen Besatzung. Ordensburgen, Schlösser, estnische Dörfer, historische Altstädte, aber auch alte Bunkeranlagen und zahlreiche Reste sowjetischer Militäranlagen werden nacherlebbar beschrieben. Der Autor schildert die nahezu unberührte Natur und idyllische Dörfer, in denen das Leben scheinbar stehengeblieben ist, aber auch leerstehende Industriestandorte aus Sowjetzeiten und die beginnenden Veränderungen unter dem Einfluss des Westens. Und immer wieder die Gastfreundschaft und Wärme der befreundeten Familie, deren Verwandte und Freunde. Allerdings beginnt die Reise im Sommer 2000 nicht eben freundlich, zumindest wettertechnisch gesehen:

„Freitag, 28. Juli 2000
Der Himmel ist wolkenverhangen. Seit Stunden gießt es wie aus Kübeln. Sommer 2000 – Oktoberwetter im Juli! „Na dann, schönen Urlaub. Und ihr wisst ja, wenn Engel reisen …“ Der telefonische Gruß eines Freundes heute Morgen, mehr Ironie als ehrlicher Wunsch.

Egal, wir haben Urlaub – 14 Tage nach Estland. Die erste Reise seit 1995. Freunde werden auf uns warten. Wir sind gespannt, wie sich das Land verändert hat, wissen, dass wir wieder viel erleben werden. Und da hat man gute Laune, auch wenn es in Strömen regnet. Die B104 ist voller Fahrzeuge. Ferienzeit gleich Reisezeit; Wohnmobile mit Elchaufklebern, Mützenfahrer, Urlauber mit fremden Kennzeichen, die sich die Gegend mit Tempo 80 ansehen. Mecklenburg ist sooo schön! Da muss man schauen und staunen und langsam fahren, denn die Eindrücke müssen sofort ausgewertet werden. Egal, wir haben Urlaub und viel Zeit, bis unsere Fähre von Rostock fährt.

Es gießt noch immer. Also wird vorsichtiger gefahren, und der Polo ist sowieso schwer mit Koffern und vier Personen beladen. Er hat keinen Urlaub! Vor Brüel reißt einem BMW-Fahrer der Geduldsfaden. Er beginnt die Kolonne zu überholen. Natürlich kommt Gegenverkehr, und er muss wieder zurück in die Reihe. Und natürlich vor uns, wo auch sonst. Vollbremsung! Nicht aufregen, wir haben ja schließlich Urlaub. Hinter Brüel reißt die Wolkendecke kurzzeitig auf. Die Kolonne reißt auch – freie Fahrt für freie Bürger. Bis Sternberg, denn vor den Schranken ist ein Stau. Wir müssen halten. In affenartiger Geschwindigkeit laufen zwei Jugendliche über die Straße und verschwinden zwischen den Bäumen auf dem Judenberg. Seltsam! Warum die wohl so rennen müssen? Und auch einige Fahrer vor uns gestikulieren und sind aufgeregt. Da kommt auch schon die Ursache angeschnauft: Zwei etwas wohlbeleibte Justizbeamte jagen mit hochrotem Kopf an uns vorbei und haben die Verfolgung aufgenommen. Sommer 2000 irgendwo in Mecklenburg. Da kann man was erleben! Und wieder Regen! Bloß weg von hier! Aber die Europawetterkarte hat auch heute Morgen für Estland nicht besseres Wetter angesagt. Wie gesagt: Wenn Engel reisen!

In Kavelstorf, bei den Schwiegereltern, werden die Koffer umgeladen. Nun hat auch unser Polo Urlaub. Stau! Wir stehen auf der Autobahn, die berühmte Jahresbaustelle vor Rostock. Aber wir haben noch so viel Zeit! Die Fähre fährt erst um 17.30 Uhr vom Seehafen. Im Radio wird von der Flucht der beiden berichtet. Ferienstau vor Rügen, Staus um Rostock. Das Übliche! Weg von hier, in die Ruhe, in die Einsamkeit. Im Regen laden wir unsere Koffer aus. Das freundliche Mädchen der Silja-Line übergibt uns die Bordkarten. Sie lächelt noch einmal und wünscht uns schönes Wetter für unseren Urlaub. Ihre Worte in Gottes Gehörgang, und wir sind gerettet und haben 14 Tage blauen Himmel. Kann der Himmel über Estland überhaupt so lange ohne Wolken sein? Erinnern können wir uns jedenfalls nicht.

Völlig durchnässt schleppen wir unsere Sachen in das Zollterminal. 17.00 – Gedränge vor der Passkontrolle, aber kein Zöllner in Sicht. Wir leben ja im neuen Europa-Spiel und Reisen ohne Grenzen. Vor uns die Reihe der Shuttle-Busse. Pfützen auf dem Asphalt. Noch einmal Gedränge. Wir wuchten unsere Koffer die Gangway hoch. Hannes reißt der Henkel der Reisetasche. Noch einmal Stress. Ein Offizier begrüßt uns an Bord. Ein Blitzlicht flammt auf, denn der Bordfotograf muss auch leben. Die schweren Koffer müssen durch die engen Gänge gewuchtet werden. Schon wieder Gedränge, jemand schimpft – aber ich kann ihn nicht verstehen. Endlich, unsere Kabine. Mit Blick nach draußen! Regenschwerer Himmel und Herbstlicht. Wir verstauen die Koffer und lassen uns erst einmal auf die Betten fallen. Geschafft! Urlaub!“

Erstmals 1981 hatte Jan Flieger als Band 148 der beliebten Reihe „Die kleinen Trompeterbücher“ des Kinderbuchverlages Berlin sein Buch „Flucht über die Anden“ veröffentlicht: Paco, acht Jahre, wohnt im Chile unter Pinochet in der Hauptstadt Santiago. Wie viele andere muss er sich allein durchs Leben schlagen, da ihm die Militärs seine Eltern genommen haben. Paco bekommt einen Auftrag, einen gefährlichen Auftrag: Paco, der achtjährige Junge, soll einen Fremden über die Anden aus Chile nach Argentinien bringen. Der Fremde ist blind, weil man ihn im Gefängnis blind geschlagen hat. Jetzt braucht der Mann einen Lotsen, einen Jungen wie Paco, einen, der wenig auffällt, einen Jungen, klug und ohne Angst. Gemeinsam begeben sie sich auf die Flucht nach Argentinien. Paco muss sehr aufpassen, denn die beiden werden verfolgt. Und mehr als einmal droht die Flucht zu scheitern. Werden sie es trotzdem schaffen? Zunächst einmal lernen wir Paco kennen und erfahren, wie er zu seinem Auftrag kommt:

„Der Hunger hat ihn wach gemacht, früher als sonst. Ich werde zum Barrio Alto gehen, zur Oberstadt, denkt der Junge, als er aus seiner Kiste klettert, in der er die Nacht verbringt. Der Junge heißt Paco. Er hat wild wachsende Haare, schwarz wie aus einer Teertonne. Die Augen sind braun und sehr wach. Der Himmel steht wolkenlos über Santiago, es gibt keinen Frühdunst wegen der trockenen Luft. Im Barrio Alto ist es noch still. Die Villen scheinen zu schlafen. Das Beste an diesem Viertel, denkt Paco, sind die Mülltonnen. Heute sind sie schon durchwühlt. Die Hunde waren da, sie kamen in Rudeln. Hungrig geht Paco zur Siedlung zurück. Sie ist eine von sechshundert in Santiago. Der Priester hatte es gesagt, bevor Guillermo ihn tot fand im Mapocho, dem schmutzigen Fluss.

Die Menschen sind wach. Der Neger Guillermo sitzt vor seiner aus Kisten genagelten Hütte und kaut müde an einem Stück Holz. Sicher hat er in der Nacht vor der Fabrik gestanden — aber immer nur ein paar Männer bekommen Arbeit. Guillermo hat acht Kinder, darunter einen Sohn, den José, der so alt ist wie Paco. Paco schlendert vorbei an Luz Maria. Sie kocht etwas in einem alten Kanister und sieht nicht hoch. Ihre Kinder hocken nebeneinander, klein und zerlumpt. Paco bleibt vor der Hütte von Christian stehen. Sie ist die stabilste in der Siedlung und durch das Blechdach immer trocken. Christian war zur Zeit Präsident Allendes ein Pächter, lebte im Norden des Landes. Doch dann verkaufte der Gutsherr sein Land einem amerikanischen Konzern.

Paco stand neben Guillermo, als Christian kam, auf dem Rücken ein Bündel, hinter sich seine Frau und die Kinder. Die Frau ist eine Indianerin und gibt Paco manchmal Maisbrei. Aber nur, wenn Christian ein paar Eskudos verdient. Selten genug. Wunder gibt es für keinen mehr in der Siedlung. Die Generale haben sie ihnen genommen. Die Generale haben auch Pacos Eltern geholt, in das große Stadion, wo sonst der Fußball rollte. Paco sah sie nie wieder. Auch Luz Maria weint um ihren Mann, und ihre Jüngste, Beatriz, wurde geboren, als er schon tot war.

Der kleine Rico kommt angerannt. Seine Worte prasseln. Paco sieht an der Hütte der alten Franziska den Fremden stehen. Woher kennt Paco das Gesicht mit diesen schwarzen, tief liegenden Augen und den breiten Backenknochen, über die sich die Haut spannt wie braunes Leder? „Tag, Paco“, sagt der Mann. Paco kann sich nicht erinnern, ob es ein gutes Treffen war oder ein schlechtes. „Gehen wir ein Stück“, sagt der Mann, „willst du einen Apfel?“ Paco nickt und beißt in den Apfel. Der Fremde hat eine Narbe über dem Auge, die seine rechte Braue spaltet. Mit einem Mal weiß Paco auch, wer der Mann ist. Es war noch, als die Eltern lebten, er hatte Fieber und lag im Bett, der Mann holte Plakate vom Vater. Plakate mit dem Bild Allendes. Er klebte sie vor der Wahl an die Häuserwände. Der Vater rief ihn Julio. Kinder laufen vor ihnen her und jagen eine Ratte. Staub und Lärm füllen die Gasse. „Wie lebst du?“, fragt Julio. „Wie alle“, sagt Paco. Was soll er antworten auf solch eine Frage? „Wer ernährt dich?“ „Ich suche mir was.“ „Und heute?“, fragt Julio. Paco zeigt auf den Apfel. Sie verlassen die Siedlung. Die Straße führt zu einem Park. Er liegt wie ausgestorben, nur ein Bettler läuft an ihnen vorbei, er hat auf einer Bank geschlafen. „Ich habe dich beobachtet“, sagt Julio. Paco runzelt die Stirn. Was gibt es an ihm Besonderes? Ein Junge ohne Eltern. Tausende leben wie er in Santiago seit dem Tod Allendes. In Pacos Siedlung allein fünfzig. Vielleicht sogar mehr. Neue kommen hinzu; andere verschwinden, als hätte sie die Nacht verschluckt.

„Wir müssen jemanden nach Argentinien bringen“, sagt Julio, „durch das Land und über die Anden, einen Freund deines Vaters. Er war im Gefängnis. Sie schlugen ihn blind. Es ist uns gelungen, ihn herauszuholen, und er braucht einen Lotsen, einen, der wenig auffällt, einen Jungen, klug und ohne Angst.“ Die Gedanken wirbeln in Pacos Kopf. „Überschlafe es“, sagt Julio, „wenn sie euch fassen …“ Paco nickt. „Ich komme morgen wieder“, sagt Julio. Paco sieht ihn ängstlich an. Wenn Julio nicht wiederkommt? Doch dessen Hand ruht schwer auf seiner Schulter, wie ein Versprechen. In dieser Nacht kann Paco kaum schlafen. Von riesigen Bergen träumt er, den Schneegipfeln der Anden. Bis in die Wolken sollen sie ragen, nicht mal ein Kondor fliegt so hoch. Wie können Menschen über diese Berge gehn, ein Junge und ein Blinder?

Sehr früh ist Paco im Park bei den Pinien. Und plötzlich steht Julio hinter ihm. „Du hast es überschlafen?“ Paco nickt, aber ein Kloß sitzt in seinem Hals. Julio ahnt, was Paco denkt. „Du wirst Sardo kennenlernen“, sagt er, „den Blinden. Er entscheidet als Letzter. Sein Leben hängt von dir ab.“ Paco und Julio gehen in das Hafenviertel. Die Gassen kennt Paco nicht, eng und verwinkelt. Sie stehen in einem schmalen Flur. Dreimal klopft Julio. Eine Tür öffnet sich, und sie treten in einen niedrigen Raum, der nur ein winziges Fenster dicht unter der Decke hat. Paco sieht einen kleinen schmächtigen Mann mit einem faltigen, zernarbten Gesicht, So alt, wie er aussieht, wird er nicht sein, obwohl er schon grau ist und ihm Zähne fehlen, fast alle. Der Mann gibt ihm die Hand, ihr Druck ist fest und verrät Kraft.“

1991 erschien beim Hoch-Verlag „Gritta von Rattenzuhausbeiuns – vom Rattenschloss“ von Christa Kožik, in dem die Autorin den Märchenroman „Das Leben der Hochgräfin Gritta von Rattenzuhausbeiuns“ von Gisela und Bettina von Arnim für junge Leser sehr frei nacherzählt: Gritta, Tochter des Hochgrafen Rattenzuhausbeiuns, wird von ihrer Stiefmutter in eine dunkle Klosterschule gesteckt. Zum Glück aber gelingt es der kleinen Gräfin, zusammen mit anderen Schülerinnen auszubrechen. Dass alles ein gutes Ende nimmt und dass auch die sensationelle Thronrettungsmaschine, die Grittas Vater erfunden hat, ein voller Erfolg wird, daran sind nicht zuletzt Grittas vierbeinige Freunde, die Ratten, beteiligt. Nach einem ebenfalls von Christa Kožik geschriebenen Drehbuch wurde das Buch von der DEFA verfilmt. Aber begeben wir uns doch gleichmal in das Erste Kapitel und in das Rattenschloss:

„Es war einmal…
Ja, es war wirklich einmal, hundert oder zweihundert Jahre ist es her, da lebte in dem alten Schloss der Grafen von Rattenzuhausbeiuns ein Mädchen. Sie hieß Gritta. Gritta lebte dort allein mit ihrem Vater, dem Hochgrafen Freiherr Julius Ortel von Rattenzuhausbeiuns und dem alten Diener Müffert, der aus Mitleid im Schloss geblieben war. Denn der Hochgraf Julius Ortel verarmte immer mehr. Regieren war nicht seine Stärke.

Als er jung war, hatte ihn sein Vater auf einige Belehrungsreisen geschickt. Er sollte lernen, wie man seine Untertanen streng beherrscht. Aber diese Reisen waren umsonst gewesen. Hochgraf Julius Ortel brachte es einfach nicht übers Herz, die Bauern für sich arbeiten zu lassen und ihnen hohe Steuern abzupressen. Doch mit Lust hatte er das Maschinen-Werkwesen studiert, und auf diesem Gebiet brachte er es zu einigen Erfolgen. Er erfand zum Beispiel eine Haferschneidemaschine für seine Bauern, die ihm aus Dankbarkeit dafür zeitlebens den Hafer lieferten. Dann erfand er noch ein Fern Sprachgerät, genannt Bellophon, eine Wasseruhr, die leider tropfte und immer nachging, und ein hölzernes Fahrrad. Und seit sieben Jahren baute er an einer mächtig-gewaltigen Maschine: einer Thronrettungsmaschine für seinen König. Denn der König, im Volke König Gänserich genannt, bangte immerzu um sein Leben. Das hatte wohl seine Gründe, denn ein guter und gerechter König war er nicht, sondern eher faul, gefräßig und sehr ängstlich.

Die Angst um sein Leben ließ ihn wenig Schlaf finden, und so hatte er im Lande ausrufen lassen, wer ihm eine Thronrettungsmaschine baut, der soll reich belohnt werden: mit dem Maschinenwerks-Orden erster Klasse und mit einem Sack Goldstücke. Hochgraf Julius Ortel baute nun schon das siebente Jahr an dieser merkwürdigen Rettungsmaschine. Dafür hatte er einen Teil der Möbel verkauft, die Teppiche, Pferde, Kutschen und das gute Porzellan. Andere Möbel wie Stühle, Tische, Bänke hatte er zersägt. Alles für diese, wie er sie selber nannte, mächtig-gewaltige Maschine. Das Schloss Rattenzuhausbeiuns, das hoch auf einem Berge lag, wie die meisten Schlösser, verfiel immer mehr. Die Türme wackelten, die Mauern bröckelten, die Säle und Zimmer waren voller Staub, so dass man immer niesen musste. Ging man durch die halbleeren Räume, konnte es sein, dass man über dürre Hühner, Mäuse und Ratten stolperte.

Die Ratten waren aber von der ansehnlichen Sorte und sahen nicht hässlich oder gar ekelhaft aus. Nein, nein. Ihr dichtes Fell war bräunlich und schwarzweiß gescheckt. Zutraulich waren sie und von einer gewissen Klugheit und glichen freundlichen Mäusen oder Hamstern. In den Abendstunden, wenn die Berge vom matten Schimmer der untergehenden Sonne bestrahlt wurden, da regte sich ein seltsames Leben im Schloss. Es war ein Gewimmel von kleinen und großen Grauröcken. Sie balancierten munter auf den Dachbalken, den Säulen und Schränken herum, krochen in den Kamin oder versammelten sich auf der Fensterbank. Eine Rattenmutter mit sieben Kleinen lehrte ihre Kinder auf dem Seil zu tanzen, ein Rattenvater gab seinen Kindern Unterricht im Klettern. Kurzum, diese muntere Rattenschar belebte das Schloss auf gemütliche Art und Weise, und keiner der drei Bewohner fürchtete sich vor ihnen. Es waren wirklich freundliche Hausgenossen. Allerdings benagten sie alles, was ihnen vor die langen Zähne kam: Stoffe, Möbel, Papier und sogar das Familienwappen war vor ihnen nicht sicher.

Die Leute in der Umgebung nannten das merkwürdige Schloss einfach das Rattenschloss. Aber sie sagten es mit freundlicher Zuneigung. Die Dienerschaft hatte nach und nach das Schloss verlassen, und so lebten dort oben nur noch der Hochgraf Julius Ortel, die kleine Gritta und der alte treue Diener Müffert in fröhlichem Einvernehmen miteinander. Der alte Müffert war, wie schon gesagt, aus Mitleid geblieben. Er diente als Koch und Leibdiener, als Turmwächter und Hofmeister. Nach dem Tode der jungen Gräfin Amalia kümmerte er sich herzlich um die kleine Gritta, die ohne Mutter aufwachsen musste. Gritta zählte jetzt zehn Jahre. Sie war ein fröhliches, anmutiges und sehr kluges Mädchen. Klug war sie durch die vielen Bücher geworden, die sie im Laufe ihres jungen Lebens schon gelesen hatte. Lesen war ihre Lieblingsbeschäftigung, und sie verbrachte ganze Tage und lange Abende in der Schlossbibliothek im Turm. Dort standen in den hohen Regalen, die man mit einer kleinen Leiter erreichen konnte, alte dicke Bücher, in Leder gebunden.

Manche waren so groß, dass man die Buchseiten mit beiden Armen umschlagen musste. Blätterte man in den Büchern, stiegen Staubwolken auf, und allerlei kleines Getier, wie Motten, Mücken und Bücherwürmer aus dem vorigen Jahrhundert kamen ans Licht. Gritta las und las, und ihre Wangen röteten sich, und sie vergaß Zeit und Raum beim Lesen. Ja, sie verschlang die Bücher geradezu. Sie wirkten wie ein Zauber, und die Gestalten aus fernen Jahrhunderten rückten ganz in Grittas Nähe und wurden lebendig. Zum Beispiel die Gräfin Bärwalda, die vor Zeiten in diesem Schloss gewohnt hatte. Sie war ihrem Geliebten in den Krieg nachgezogen, weil sie ohne ihn nicht leben konnte. Sie wollte ihn retten und verkleidete sich als junger Mann. So ritt sie auf das Schloss des feindlichen Königs, und mit einer List sperrte sie diesen drei Tage in den Schrank ein und forderte, dass er den Krieg beende. So geschah es dann auch.“

Erstmals im Jahre 2000 erschien im Kröger-Vertrieb Cottbus der Science-Fiction-Roman „Saat des Himmels“ von Alexander Kröger. Dem E-Book liegt die 2. überarbeitete Auflage zugrunde, wie sie 2011 im Projekte-Verlag Cornelius Halle veröffentlicht worden war: Vor etwa 2000 Jahren landen Außerirdische im Nahen Osten auf der Erde und erforschen die „Zivilisierten“, die sie dort vorfinden. Sie sind sich uneins in der Frage, ob man auf diese Primitiven nicht doch ein wenig Einfluss nehmen sollte, um sie auf den rechten Weg in eine Welt des Friedens zu bringen. Die Expeditionsleitung hat jeden Eingriff strikt verboten. Aber drei von ihnen zeugen heimlich zwei von ihnen genmanipulierte Menschen. Joshua wird von einer Jungfrau geboren und ihr Mann Jossip erkennt den Sohn der Götter an. Und jetzt reisen wir einfach mal etwa 2000 Jahre zurück:

„Der muss total übergeschnappt sein!“ Der 21.VomBergo stellte es ärgerlich fest. Beim heftigen, schrägen Aufsetzen des Landers war er, wie die 17.AusGarmi auch, trotz des Haltefeldes beinahe aus der Sitzmulde gerutscht. Nur bei ihm wirkte eine größere Masse, sodass die Sicherungsgurte mehrere Wülste aus seinem Körper pressten. Er glitt mühsam zurück, stülpte den Mund hervor und schlürfte hörbar Odem. Dann reckte er sich, fuhr den Sehkopf aus und äugte durch das Seitenfenster. „Gar kein Grund für das blöde Manöver; völlig eben das Gelände.“ „Auf meiner Seite stecken wir in einem – na, bizarren Gestrüpp, wahrscheinlich solche Biostationäre“, vermutete die 17.AusGarmi. „AmUlzo wird wohl absichtlich …, um uns zu tarnen, möcht’ ich meinen.“

„Quatsch! Weswegen sollten wir uns verstecken? Hier gab es weit und breit keinerlei Rotreflexe. Von diesen Biomobilen keine Spur.“ „In der langen Zeit, die wir hier sind, werden natürlich welche auftauchen und den Lander entdecken.“ „Und, was glaubst du, könnten sie damit anfangen – meinst, das bisschen Gestrüpp schützte uns genügend?“ Er drehte den Sehkopf zum linken Fenster. „Wir müssten den Schild …“ „Und die Energie …?“ „Dann eben noch besser – die da draußen annullieren!“ „Das sähe dir ähnlich – immerhin sind Primaten darunter.“ „Na und? Primitivlinge!“

Durch die Röhre glitt, aus dem Leitstand kommend, der 16.AmUlzo, stabilisierte sich und sagte: „Da wären wir.“ „Das war eine ausgesprochene Glanzleistung“, brummte VomBergo. AmUlzo schüttelte den Sehkopf. „Ging nicht anders. Wir haben das Zeug erst im letzten Augenblick gesehen. Es ist nur eine kleine Fläche, eine Art Insel in der Öde.“ „Wir wären auch ohne dieses … Ach, pfeif drauf!“ VomBergo reagierte nach wie vor gereizt.

„Wir hatten Order.“ „Meinetwegen!“ VomBergo formte gleichgültiges Abwinken, schluckte Odem und fuhr den Sehtentakel ein. „Es wäre an der Zeit, dass ihr euch wieder vertragt“, mahnte AusGarmi. „Wir werden aufeinander angewiesen sein.“ Sie bekam keine Antwort. AmUlzo wedelte unbestimmt mit dem Sehtentakel.

Aus der Zentrale kommend informierte die 8.VonEtali: „Befehl vom Allbevollmächtigten:“ Ihre Augen wandten sich AmUlzo zu. „Alle, die den Erkundungstrupps angehören, gehen feminin.“ „Warum denn das?“, fragte der Angesprochene ärgerlich überrascht. „Er meint, es wird strapaziös, und das Weibliche ist halt – belastungsfähiger.“ Sie lächelte.

„Du liebe Zeit!“ „Die Temperatur draußen ist zwölf Strich über normal.“ AmUlzo sog schlürfend an seinem Odembehälter. „Sonst wäre ich ja ganz gern einmal feminin …“, sagte er anzüglich, „aber nicht unbedingt wegen zwölf Strich über normal.“ „Mist“, fluchte VomBergo. Er lag apathisch in seiner Mulde und rührte sich nicht. „Schade um den Tag. Scheißwandlung!“ „Na“, beschwichtigte VonEtali, „du wirst es schon überstehen.“ „Du hast leicht reden, dich betrifft es ja nicht!“ „Diesmal nicht – vielleicht … Vielleicht hast du Lust, eine Weile – feminin zu bleiben?“ Sie blinzelte ihn an.

Aber VomBergo sah es nicht; er hielt die Augen geschlossen. „Gönnt einem aber rein gar nichts, der Alte, nicht?“, scherzte VonEtali. AmUlzo blickte verdutzt. „Es hätte ja sein können, dass wir beide …“ „Ist ja noch nicht aller Tage Abend“, flachste AmUlzo zurück. „Schließlich wird er ja die Rückwandlung irgendwann gestatten müssen.“ „Und wenn ich dir zuvorkomme?“ „Das brächtest du fertig!“´

Zurück ins 20. Jahrhundert. Erstmals 1973 veröffentlichte der Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik Berlin „Die Schneidereits“ von Heinz Kruschel: Nie hätte Jasper Schneidereit geglaubt, dass er in eine Situation geraten könnte, aus der er nur einen Ausweg sah: aufgeben. Immer war ihm alles mit Leichtigkeit geglückt, stets hatte er mit seinem Elan andere mitgerissen. Plötzlich sollte das anders sein? Dabei schmeichelte die neue Aufgabe seinem Ehrgeiz: Kommandant einer Panzerbesatzung! Doch es gibt von Anfang an Schwierigkeiten in der Besatzung Schneidereit. Jasper kommt mit den Soldaten einfach nicht zurecht. Er leidet unter der bedrückenden Atmosphäre, grübelt über Ursachen, verrennt sich, wird ungerecht. Auch Anke, sein Mädchen, versteht ihn nicht mehr … Erst nach und nach erkennt er: Verständnis lässt sich nicht erzwingen, und es ist schwerer, um den Menschen neben sich zu kämpfen als um die Note Eins auf der Übungsstrecke. Bevor es aber soweit ist, treffen wir den Helden des Buches und seine Anke auf einem Sammelplatz vor dem Bahnhof:

„Jasper Schneidereit stand mit dem Rücken an die helle, sonnenbeschienene Mauer gelehnt und sah Anke an. Sie umspannte mit ihren festen Händen seinen Nacken und fragte: „Kommt Vater nicht?“ Es ging auf elf Uhr. Immer mehr Menschen kamen auf den Platz, junge Männer, die kleine Koffer trugen und von Müttern und Mädchen begleitet wurden; selten war ein älterer Mann zu sehen. Stimmengewirr erfüllte den Platz, von dem aus im Sommer die Ferienbusse der Kinder abfuhren. Die Menschen unterhielten sich lebhaft, eine Kapelle spielte von Zeit zu Zeit Märsche. Einige Kinder standen vor den Bläsern, anscheinend als einzige Zuschauer gefesselt von der lauten Musik, pressten die Fäuste gegen die Ohren, lockerten sie wieder, schlossen sie mit den Handflächen und freuten sich über den Effekt der auf- und abschwellenden Töne.

Jasper antwortete: „Warum sollte er kommen? Ich habe mich zu Hause von ihm verabschiedet, meine Güte, ich fahre ja nur achtzig Kilometer weit, nicht wahr?“ „Für mich ist das weit, und es ist auch eine lange Zeit. Oder etwa nicht?“ Ihre Stimme klang rau. „Es ist nicht weit. Du hast zu tun. Und wir werden uns sehen. Werde nicht sentimental, Anke, das passt nicht zu dir.“ „Zu Befehl. Du weißt ja ganz genau, was zu mir passt.“ „Ja. genau.“ Er dachte: Mir fällt immer wieder auf, dass das Weiß um die grüne Iris ihrer Augen leicht bläulich schimmert, ohne jede rote Ader, ganz klar wie bei einem Kinde. „Und was passt zu mir?“ „Dein Haar und deine Stimme und deine Haut und dass wir heiraten und am Rande der Stadt in einem Hochhaus wohnen werden, wo du bei klarem Wetter die blauen Berge sehen kannst.“

„Gut. Und du wirst auch an der Hochschule studieren, wir werden beide in einem Betrieb an einem Projekt arbeiten. Das ist alles ganz klar, was?“ „Ja. Und du solltest von der Hochschule aus schon eine Wohnung anmelden.“ Einen Augenblick blieb sie still, als lauschte sie dem Klang seiner Worte nach. Dann küsste sie ihn. Das war der Abschied. Anke würde anschließend, gleich von hier aus, in die Hochschule gehen und sich still in die Vorlesung schmuggeln und wochenlang an den langen Winterabenden lernen, prüfen, rechnen und manchmal einen Brief schreiben und von ihm träumen. Wie viele Mädchen tun das.

Wenn die Kapelle eine Pause einlegte, verschmolzen die Geräusche auf dem Bahnhofsvorplatz zu einem lauten Summen. Mal war ein Ruf zu hören: „Wo ist denn Finsterleben?“ Dann hob sich ein Schild aus der Menge und wurde geschwenkt. „Hier, Kumpel! Du fehlst uns noch in der Sammlung!“ Jasper erwiderte den Kuss. Die Finger seiner rechten Hand spielten mit ihrem offenen Haar. Neben ihnen stand ein breitschultriger Bursche mit blondem, langem Haarschopf und sagte zu einem Mann in Eisenbahneruniform: „Man müsste stoppen, wie lange die sich knutschen, Lotti wäre bestimmt auch gekommen, aber sie hat heute Schicht, Lotti ist schon in Ordnung …“ „Klar“, sagte der Eisenbahner, „nun mach uns keine Schande, Franz, du bist ein Bolzer, du kannst, wenn du willst, das weißt du genau. Hau nicht über die Stränge, darin verstehen sie keinen Spaß bei der Fahne. Wir waren doch eine Truppe, die zusammenhielt und in der sich einer auf den anderen verlassen konnte, und du kommst wieder in eine Truppe, verstehst du, im Prinzip ist da kein Unterschied.“ „Ist ja gut“, sagte Franz. Er hörte nur halb zu. Der Brigadier könnte seine Belehrungen lassen oder wenigstens leiser agitieren.

Anke machte sich los. Sie fing den Blick des Blonden auf und zwinkerte ihm zu. „Hast du gesehen?“, fragte Franz den Eisenbahner. „Du bist wütend, weil Lotti nicht da ist. Du bist wütend, weil du deine langen Haare bald los sein wirst. Du bist wütend, weil du dein Motorrad nicht mitnehmen darfst …“ „Quatsch. Es könnte losgehen. Ist ja blöde, hier herumzustehen und zu warten. Vergiss nicht, meine Fische regelmäßig zu füttern, bloß nicht zu viel, sonst verdirbt das Wasser …“

Die Gesichter der jungen Männer zeigten Erwartung. Alle kannten die Armee durch Freunde. Sie hatten Artikel gelesen, Reportagen im Fernsehen miterlebt, waren in der GST gewesen. Aber nun betraf es sie selbst, sie wurden einberufen, taten gleichgültig und waren es eigentlich gar nicht. Sie waren voller Erwartung: Der Freund hat übertrieben, die Reportagen waren vielleicht schöngefärbt — was erwartet uns?“

So, das wären die insgesamt sechs Angebote der aktuellen Deals der Woche, die bis zum 29. Dezember die im E-Book-Shop www.edition-digital.de eine Woche lang (Freitag, 22.12.17 – Freitag, 29.12.17) zu stark reduzierten Preisen zu haben sind. Und jetzt noch ein paar Informationen zu dem eingangs versprochenen Weihnachtsgeschenk, das vom 25. Dezember bis zum 28. Dezember kostenlos bestellt werden kann.

Nur als E-Books und nur bei der EDITION digital sind die Bücher der Zeitreisenden-Reihe von Hardy Manthey zu haben, deren 1. Teil „Vom 22. Jahrhundert zurück in das antike Karthago“ zunächst 2011 in einer 1. Auflage und dann 2015 in einer 2., stark überarbeiteten Auflage erschien: Das E-Book beschreibt die atemberaubenden Abenteuer einer jungen Frau, die durch Raum und Zeit reist. Sie ist eine auffallend schöne, blonde und vor allem intelligente Schwedin, die in München erfolgreich Medizin studiert hat. Die blinde Liebe zu einem Mann stürzt sie in das Abenteuer ihres Lebens. Ihre Erlebnisse in diesem Roman und in seinen Fortsetzungen schildern beklemmend realistisch, was Frauen seit vielen tausend Jahren, zum Teil bis heute, erdulden und erleiden müssen.

Maria Lindström überlebt als einzige einen Flug zum Pluto und landet sicher auf der Erde – allerdings 150 Jahre vor Christi Geburt. Als Aphrodite schließt sie sich Nomaden auf dem Weg nach Karthago an. In die noch unzerstörte antike Stadt zieht sie in Ketten ein und muss als begehrte Hure ihrem Herrn dienen. Aphrodite hat nicht nur das elende Sklavenleben zu erdulden, noch mehr Sorgen macht sie sich, ob sie den 3. Punischen Krieg und die Zerstörung Karthagos überleben wird. Doch genau dieses Wissen über die Zukunft der Stadt setzt sie für ihre Rettung ein. Wird es ihr gelingen, rechtzeitig Karthago zu verlassen und in das 22. Jahrhundert, aus dem sie als Maria startete, eine Botschaft zu übermitteln?

Das Buch schildert die Ereignisse überaus spannend und macht süchtig auf die weiteren Teile. Der Autor hat mit der 2. Auflage sein Erstlingswerk sehr stark überarbeitet und die kritischen, trotzdem begeisterten Hinweise berücksichtigt. Nähere Aufschlüsse, wie es überhaupt zu diesen Geschichten kann, das lässt sich dem Vorwort zu dem ersten Teil der Zeitreisenden-Saga entnehmen, die sich längst zu einem Bestseller im Programm der EDITION digital entwickelt hat. Und hier ist es:

„Vorwort
Bevor ich dem geneigten Leser meinen Roman zumute, bedarf es wohl einiger klärender Worte zur Entstehung dieses spannenden Titels über die Zeitreisende. Denn der Anlass meines Buches ist nicht weniger abenteuerlich als die Geschichte, die ich Ihnen in meinem Roman erzählen werde.

Alles begann mit jenem denkwürdigen Tage im Jahre 2004 direkt an der Cheopspyramide. Ich war bis zu diesem Zeitpunkt ein hoffentlich normaler Mann, der gerne spannende Romane las und sich brennend für Geschichte interessierte. Meine Vorliebe für die Vergangenheit hat mir nicht nur eine kleine Bibliothek beschert, sondern mich auch auf meinen zahlreichen Reisen an viele geschichtsträchtige Orte geführt. Bei allem Interesse für Geschichte und ihre oft dramatischen Ereignisse suchte ich, alles aus dem rationalen wissenschaftlichen Standpunkt zu betrachten und mir auch so zu erklären. Selbst die Religionen und Mythen des Altertums hatten nur wissenschaftlich betrachtet einen Platz in meiner Gedankenwelt. Die Idee, selbst Geschichten oder gar Romane zu schreiben, kam mir dabei nie. Lieber telefonierte ich, statt mühselig lange Briefe zu verfassen. Das alles stimmte bis zu diesem denkwürdigen Tag im September des Jahres 2004 auch.

Nun also stand ich mit meiner Frau an diesem frühen Morgen vor der Cheopspyramide und war wie schon beim ersten Besuch von diesem Bauwerk ergriffen. Ich berührte einen dieser Quader und spürte ein Kribbeln in den Händen, gerade so, als seien sie eingeschlafen. Nun weiß ich nicht, ob das überhaupt hierher gehört. Das können Sie hinterher für sich selbst entscheiden. Ich schüttelte meine Hände, das Kribbeln ließ langsam nach und ich konnte meinen Spaziergang um die Pyramiden fortsetzen. Doch jetzt meldete sich in mir ganz aus der Tiefe eine weibliche Stimme, die mir sagte, dass ich von nun an einen Auftrag zu erfüllen hätte. Ich konterte, ja, wir Menschen müssen doch immer einen Auftrag erfüllen, und ignorierte einfach die immer schwächer werdende Stimme. Die Fahrt zurück zu unserem Hotel in Hurgada dauerte über sieben Stunden. Ich verfiel in eine Art Halbschlaf. Plötzlich tauchte vor mir eine wunderschöne Frau auf und plauderte munter drauf los. Sie brauche mich, behauptete sie kühn. Ich hätte den Auftrag, ihre Abenteuer niederzuschreiben. Sie duldete keinen Widerspruch und begann sofort, mir ihre Geschichte zu erzählen.

Eine Vollbremsung holte mich zurück in die Realität. Etwas verdattert schaute ich mich um und dachte nur: „Wow, was für ein verrückter Traum!“ Vor allem konnte ich mich an jede Einzelheit klar erinnern. So etwas hatte ich zuvor noch nie erlebt. Meine Träume waren sonst bei mir nur undeutliche Erinnerungsfetzen. Für eine Stunde hielt ich mich wach. Als es draußen dunkel wurde, siegte erneut die Müdigkeit. Sobald ich die Augen schloss, war diese Frau wieder da und erzählte ihre Geschichte unbeirrt weiter. Ich protestierte und sagte ihr, dass ich als Mann doch nicht über eine Frau schreiben könne. „Das geht doch nicht!“ Sie erwiderte, gerade weil ich ein Mann sei, müsse ich ihre Erlebnisse niederschreiben. Ich müsse mich auch einfach nur an ihre Erzählung halten. Denn nur ein Mann habe den nötigen gesunden Abstand, der für ihre wahrlich abenteuerliche Geschichte notwendig sei. Sie behauptete, dass besonders Frauen gerne dazu neigen, sich einmal erlebte schlimme Dinge am Ende schönzureden. Das wolle sie aber nicht. „Ihr Männer seid dagegen oft schön brutal realistisch.“ Ich solle mich also nicht ständig herausreden und in Zukunft lieber aufmerksam zuhören, belehrte sie mich erneut. So gab ich mich geschlagen und wurde beinahe eins mit ihr.

Denn diese Frau lässt mich bis heute nicht mehr los. Wenn ich jetzt schreibe, genügt etwas Konzentration und schon kann ich loslegen. Mit ihr bin ich in ferne Welten gereist und habe oft Raum und Zeit durchbrochen. Siebzehn dicke Bücher sind so schon bis heute entstanden. Ich weiß noch nicht, wann es ein Ende geben wird. Das werden Sie als Leser sicher auch mit entscheiden! Aber vielleicht ist sie eines Tages einfach weg. So weg, wie sie damals gekommen ist?

Ich habe mich auch oft schon gefragt, warum es ausgerechnet eine Zeitreisende sein musste. Warum ist es kein Mann, der durch Raum und Zeit reisen kann? Ein Mann, ein wahrer Held, eben ein ganzer Kerl, der all diese Abenteuer bestehen muss. Ich habe diese Variante für mich auch schon durchgespielt. Schon allein aus Solidarität zu meinem Geschlecht. Was soll angeblich diese Frau besser können als ein Mann? Doch mein Wunschheld war schon an den ersten Abenteuern in der Antike kläglich gescheitert. Die Natur des Mannes erlaubt es in vielen Situationen einfach nicht, sich kampflos zu unterwerfen. Sich gar wie unsere Heldin oft ganz aufzugeben, fällt jedem Mann unglaublich schwer. Sich wie unsere Protagonistin unter Zwang zu prostituieren, ist doch die brutalste Form der Selbstaufgabe. Oder etwa nicht? Selbst die modernen Waffen könnten einen männlichen Helden nicht lange vor den Gefahren beschützen. Auch ein Recke braucht mal etwas Schlaf. Wenn ich also mit meiner Hauptfigur glaubwürdig bleiben wollte, müsste ich sie am Ende doch viel zu früh opfern. Schade, aber leider wahr.

Meine Heldin dagegen hat wahrlich viele Fehler gemacht, aber nie wirklich um jeden Preis gekämpft. Ehre, Ruhm oder gar Macht waren ihr nie wichtig. Nur für die Liebe und für ihre Kinder kämpfte sie bis zur Erschöpfung. Das ist das Geheimnis ihres Erfolges bis heute, glaube ich. Das ist eben das Naturwunder Frau! Folgen Sie also dieser Frau auf ihren vielen Abenteuern durch Raum und Zeit. Ich wünsche Ihnen dabei gute Unterhaltung!
Hardy Manthey“

Diesem Wunsch des Autors können wir uns nur anschließen und fügen noch ein herzliches „Fröhliche Weinachten!“ hinzu. Und hoffentlich finden Sie über die bevorstehenden Feiertage auch ein bisschen Zeit zum Lesen. Genügend Auswahl haben Sie ja …

Und falls Ihnen aus irgendeinem Zufall die „Bad Wilsnacker Zeitung“ vom 30. September und vom 3. Oktober 1931 in die Hände fallen sollte, dann sagen Sie uns Bescheid. Man kann ja nie wissen, was alles passiert.

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