Die Anzahl älterer Menschen steigt und damit auch die Anzahl an Demenzerkrankungen. Erst sind Kurzzeitgedächtnis und Merkfähigkeit gestört, dann gehen Inhalte des Langzeitgedächtnisses verloren. Um Pflegekräfte und Angehörige dabei zu unterstützen herauszufinden, was an Demenz erkrankte Menschen zum autobiografischen Erzählen anregen, sie vitalisieren kann, hat Dr. Doris Maria Wartmann (76) im Rahmen ihrer kürzlich an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe (PHKA) abgeschlossenen Promotion einen standardisierten Bildertest entwickelt, der sich im Pflegealltag ohne große Kosten und mit geringem Zeitaufwand realisieren lässt.
Beim Test werden an Demenz erkrankte Menschen gebeten, sich Bildkarten mit einfachen Motiven wie Badewanne, Haus oder Auto aus einem historischen Spiel für Kinder anzuschauen, die für sie wichtigsten Motive auszuwählen und ihre Wahl zu begründen. So können Pflegekräfte und Angehörige herausfinden, welche motivierenden oder vitalisierenden Impulse möglicherweise für die jeweilige Person sinnvoll sind.
„Die Bildkarten wirken wie Erzählplattformen“, sagt Wartmann, die davon ausgeht, dass sich Methoden aus der Förderung von Kindern auf an Demenz erkrankte Menschen übertragen lassen. Ausprobiert hat sie den von ihr entwickelten Bildertest in einer Feldstudie mit insgesamt 20 Proband:innen. Zehn aus einem Pflegeheim sowie zehn aus einer privaten Pflegesituation.
„Sowohl Betroffene als auch Angehörige haben eine positive Wirkung des Bildertests rückgemeldet. Und die Pflegekräfte waren weniger gestresst und fühlten weniger Unbehagen“, sagt Wartmann. In ihrer Doktorarbeit hat sie alle 20 Interviews anonymisiert dokumentiert. Eine 86-Jährige mit Alzheimer Demenz beispielsweise wählte unter anderem die Bildkarte mit Haus aus, weil „sie es schön findet, wenn man schön wohnt“. Und erzählte – angeregt von dieser Bildkarte – vom frühen Tod ihres Mannes und den Schwierigkeiten, das Haus alleine abzuzahlen. „Denkbar wäre, diese Probandin beim Ausschmücken von Räumen, bei der Erstellung von Blumensträußen oder beim Tischaufdecken kreativ werden zu lassen“, so Wartmann.
„Doris Maria Wartmann hat eine enorme Pionierarbeit geleistet und einen neuen Ansatz in die geragogische Forschungslandschaft eingebracht“, sagt Prof. Dr. Christian Gleser, Erstgutachter der Doktorarbeit und Leiter des PHKA-Masterstudiengangs Geragogik. Der viersemestrige Studiengang befasst sich mit Bildungsprozessen älter werdender Menschen. Wartmanns Doktorarbeit „Geragogik und Demenz. Identifikation von geragogischen Lenkungsmöglichkeiten zur Vitalisierung und Motivierung bei pathologischem kognitivem Altern“ steht als pdf zur Verfügung auf https://phka.bsz-bw.de/frontdoor/index/index/docId/704.
Zur Person
Dr. Doris Maria Wartmann, Jahrgang 1949, war Lehrerin für Grund- und Hauptschule und hat unter anderem an der Deutschen Schule Rom unterrichtet. Mit 70 hat sie sich entschlossen, an der PHKA Geragogik zu studieren. Und 2023 mit ihrer Doktorarbeit zu Geragogik und Demenz begonnen. Ihre im März 2026 abgeschlossene Promotion – bestehend aus Doktorarbeit und mündlicher Prüfung – wurde mit magna cum laude (mit großem Lob) bewertet.
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