FondsSuperMarkt: Warum wollten Sie einen Mischfonds schaffen, bei dem Sie die Aktienquote flexibel steuern können, statt sich an einer festen Gewichtung zu orientieren?
Dr. Georg von Wallwitz: Wir wollten bewusst keinen Mischfonds bauen, der starr an einer 60/40-Logik hängt. Märkte verändern sich, Bewertungen verändern sich, und auch die Chancen und Risiken auf der Aktien- und Anleihenseite sind nicht konstant. Flexible Quoten geben uns die Möglichkeit, Kapital dort einzusetzen, wo das Verhältnis von Renditepotenzial zu Risiko am attraktivsten ist. Das bedeutet nicht, kurzfristiges Market-Timing zu betreiben, sondern diszipliniert auf Bewertungen, Geschäftsmodell und makroökonomische Rahmenbedingungen zu reagieren.
FondsSuperMarkt: Viele Mischfonds kombinieren ungefähr 60 Prozent Aktien mit 40 Prozent Anleihen. Was machen Sie anders und welchen Vorteil hat das für Anleger?
Andreas Fitzner: Der Unterschied liegt vor allem darin, dass wir die Gewichtung nicht als Selbstzweck verstehen. Wir steuern sie bewusst aktiv, um unser Weltbild konsequent im Portfolio abzubilden. Und auch eine neutrale Allokation ersetzt keine aktive Titelselektion und kein Risikomanagement. Auf der Aktienseite suchen wir nach Unternehmen mit struktureller Qualität, Preissetzungsmacht und langfristigem Wachstumspotenzial. Aktives Management bedeutet für uns dabei auch, nicht jeder Marktbewegung und jedem kurzfristigen Hype hinterherzulaufen. So bleiben wir beispielsweise im Halbleiterbereich aktuell bewusst selektiv und investieren nur dort, wo wir von Qualität und langfristiger Wettbewerbsposition überzeugt sind. Auf der Anleihenseite investieren wir antizyklisch in Ertrags- und Stabilitätsquellen. Für Anleger entsteht dadurch ein Portfolio, das nicht nur breit gestreut ist, sondern aktiv an das jeweilige Marktumfeld angepasst wird.
FondsSuperMarkt: Können Sie uns an einem konkreten Beispiel erklären, welches Signal Sie zu einer Erhöhung der Aktienquote bewegen würde?
Dr. Georg von Wallwitz: Ein Signal wäre zum Beispiel eine Phase, in der hochwertige Wachstumsunternehmen aufgrund einer konjunkturellen Eintrübung, eines Makro-Schocks oder allgemeiner Marktsorgen deutlich günstiger bewertet werden, obwohl sich ihre langfristigen Ertragsperspektiven kaum verändert haben. Wenn wir also sehen, dass solide Geschäftsmodelle mit hohen Eintrittsbarrieren, guter Bilanzqualität und strukturellem Wachstum zu vernünftigen Bewertungen verfügbar sind, kann das für uns ein Anlass sein, die Aktienquote zu erhöhen. Das gilt derzeit etwa für qualitativ hochwertige Softwarefirmen. Ihre zuletzt starken Ergebnisse zeigen, dass Künstliche Intelligenz ihre Geschäftsmodelle nicht zwangsläufig unter Druck setzt. Im Gegenteil: Solche Unternehmen können KI nutzen, um ihren Kunden zusätzlichen Mehrwert zu bieten und die Kundenbindung zu stärken. Wichtig ist dabei immer, dass Bewertung und Qualität zusammenpassen.
FondsSuperMarkt: Welche Entwicklungen müssten Sie sehen, um die Aktienquote deutlich in Richtung 25 Prozent zu senken?
Andreas Fitzner: Eine deutliche Reduktion der Aktienquote käme für uns infrage, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen: sehr hohe Bewertungen, nachlassende Gewinnqualität, steigende Finanzierungskosten und ein Umfeld, in dem Anleger Risiken offensichtlich unterschätzen. Auch eine Verschlechterung der Liquiditätsbedingungen, stark steigende Inflations- und Zinsrisiken oder eine sich ankündigende Rezessionsdynamik, die noch nicht ausreichend in den Kursen reflektiert ist, wären relevante Signale. In solchen Phasen geht es darum, Kapital zu erhalten und Handlungsspielraum für spätere Chancen zu bewahren.
FondsSuperMarkt: Ihr Schumpeter-Ansatz unterscheidet zwischen „Monopolisten“ und „Herausforderern“. Wie entscheiden Sie, wann ein Herausforderer einem etablierten Monopolisten im Portfolio vorzuziehen ist?
Dr. Georg von Wallwitz: Unser Schumpeter-Ansatz basiert auf der Idee, dass wirtschaftlicher Fortschritt durch Innovation, Wettbewerb und schöpferische Zerstörung entsteht. Monopolisten sind für uns Unternehmen mit sehr starken Marktpositionen, die lange Zeit hohe Kapitalrenditen erzielen können, auch da sie ihre Preise nachhaltig über die Grenzkosten anheben können. Herausforderer greifen ein etabliertes Geschäftsmodell mit einer besseren Technologie, einer überlegenen Kostenstruktur oder einem deutlich stärkeren Kundennutzen an. Interessant ist ein Herausforderer dann, wenn wir überzeugt sind, dass er nicht nur kurzfristig wächst, sondern dauerhaft Marktanteile hinzugewinnt und dadurch attraktive Renditen auf das eingesetzte Kapital erzielen kann.
FondsSuperMarkt: Welche Entwicklungen beobachten Sie besonders genau, wenn Sie entscheiden, ob Sie bei Aktien offensiver oder vorsichtiger werden?
Andreas Fitzner: Wir beobachten mehrere Ebenen: erstens die Bewertung der Märkte und einzelner Unternehmen, zweitens die Entwicklung der Unternehmensgewinne und drittens die Liquiditäts-, Konjunktur-, Inflations- und Zinsbedingungen. Hinzu kommen politische und geopolitische Risiken, die das Vertrauen der Investoren beeinflussen können. Entscheidend ist aber nicht ein einzelner Indikator, sondern das Zusammenspiel. Offensiver werden wir, wenn Qualität zu attraktiven Preisen verfügbar ist. Vorsichtiger werden wir, wenn viel Optimismus bereits eingepreist ist und die fundamentale Absicherung fehlt. Oder Risiken am Markt unterschätzt werden. Das betrifft auch stark nachgefragte Themen wie Künstliche Intelligenz: Statt überfüllten Positionen hinterherzulaufen, bevorzugen wir Unternehmen, die von den Investitionen profitieren können, ohne selbst die damit verbundenen Bilanzrisiken tragen zu müssen.
FondsSuperMarkt: Welche Rolle spielen Anleihen heute für den Fonds: Sollen sie vor allem laufende Erträge liefern, das Portfolio stabilisieren – oder bieten sich Ihnen auch Chancen durch bestimmte Anleihemärkte?
Dr. Georg von Wallwitz: Anleihen erfüllen heute mehrere Funktionen. Sie liefern laufende Erträge, sie stabilisieren das Portfolio, und sie bieten in bestimmten Marktphasen echte Opportunitäten. Besonders interessant sind für uns Unternehmensanleihen, wenn die Risikoprämien einen ausreichenden Puffer bieten und die Bonität der Emittenten solide ist. Aktuell haben wir die gestiegenen Renditeniveaus genutzt, um Positionen in gut gerateten Investment-Grade-Emittenten aufzubauen. Dabei denken wir nicht schematisch in Laufzeiten oder Ratings, sondern fragen: Werden wir für das eingegangene Kredit- und Durationsrisiko angemessen bezahlt?
FondsSuperMarkt: Wie gehen Sie mit Phasen um, in denen sowohl Aktien als auch Anleihen unter Druck stehen?
Andreas Fitzner: Solche Phasen sind anspruchsvoll, weil klassische Diversifikation dann kurzfristig weniger zuverlässig funktioniert. Und sie treten seit einiger Zeit gehäuft auf. Wir diversifizieren deshalb das Portfolio nicht nur über Anlageklassen, sondern über unterschiedliche Risikotreiber. Dazu gehören Duration und Kreditrisiko, die Stärke des Konjunkturzyklus sowie Qualität und Wachstum der einzelnen Geschäftsmodelle. Auch regional denken wir bewusst über die großen Märkte USA und Europa hinaus. Eine breitere internationale Aufstellung eröffnet zusätzliche Anlagechancen und kann zugleich helfen, Abhängigkeiten – etwa vom US-Dollar – zu reduzieren. Wenn Aktien und Anleihen gleichzeitig unter Druck stehen, ist es besonders wichtig, nicht prozyklisch zu reagieren, sondern zu prüfen, wo Kurse bereits zu pessimistische Szenarien einpreisen.
FondsSuperMarkt: Welche Überzeugung prägt die aktuelle Aufstellung des Fonds derzeit am stärksten?
Dr. Georg von Wallwitz: Am stärksten prägt uns derzeit die Überzeugung, dass Qualität und Bewertung wieder enger zusammen betrachtet werden müssen. Die vergangenen Jahre waren stark von Liquidität, Themenzyklen und zuletzt auch von der Begeisterung rund um Künstliche Intelligenz geprägt. Wir halten viele strukturelle Wachstumstrends weiterhin für intakt, wollen aber nicht jeden Preis dafür bezahlen. Im Gesundheitssektor sehen wir beispielsweise, dass Pharma und Medizintechnik erstmals seit Jahren einen deutlichen Bewertungsabschlag mit intakten strukturellen Wachstumstreibern verbinden. Politische Unsicherheiten sind nicht verschwunden, aber reduziert, und auch die M&A-Dynamik kann Bewertungsböden einziehen. Wer den Einstieg über Qualitätsunternehmen mit belastbaren Pipelines und wiederkehrenden Erlösen streut, wird für die Geduld der vergangenen Jahre mit hoher Wahrscheinlichkeit belohnt. So sind wir in unseren Fonds und Mandaten über die letzten Jahre auch stets in diesem Sektor investiert gewesen Und in den kommenden Jahren wird die Weltwirtschaft durch Innovation und Knappheiten geprägt sein. Wir achten im Fonds deshalb sehr genau darauf, ob Unternehmen ihre hohen Erwartungen auch durch Gewinnwachstum, Cashflows und Kapitalrenditen rechtfertigen können. Parallel gewinnt die Anleihenseite an Bedeutung, weil sie wieder Ertrag liefern kann und uns zusätzliche Stabilität gibt.
Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Dr. von Wallwitz und Herr Fitzner.
Fondsdetails: Phaidros Funds – Balanced A
ISIN LU0295585748
WKN A0MN91
Fondskategorie Mischfonds ausgewogen, Welt
Ausgabeaufschlag 3,85 % (FondsSuperMarkt-Rabatt 100%)
Ertragsverwendung Thesaurierend
Laufende Kosten (ohne Transaktionskosten) 1,70 % (15.09.2026)
Performance Fee 10 % des Anstiegs des Netto-Fondsvermögens (High Watermark)
Auflegung 23.04.2007
Fondsvolumen 1,19 Mrd. EUR (31.08.2026)
Performance (seit Auflage) 142,76 % / 4,68 % durchschnittlich pro Jahr (15.09.2026)
Risikoklasse (SRI) 3 von 7
Über Eyb & Wallwitz
Die Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement GmbH mit Sitz in München betreut ein Vermögen von 2,5 Mrd. EUR u.a. für Vertriebspartner, Banken und Sparkassen, Family Offices, Stiftungen sowie Privatkunden und zählt somit zu den größten eigentümergeführten und unabhängigen Vermögensverwaltern in Deutschland. Das 2004 gegründete Haus ist bekannt für seine Phaidros Funds (Publikumsfonds) und bietet darüber hinaus auch individuelle Lösungen in Form von diskretionären Mandaten an. Eyb & Wallwitz fokussiert sich als Investmentboutique in der Kapitalanlage vor allem auf globale Aktien und Anleihen.
FondsSuperMarkt als Kernmarke der INFOS AG ist mit mehr als 24.000 angebotenen Fonds und ETFs und sechs Partnerbanken – darunter comdirect und FNZ Bank – eine der führenden Fondsplattformen im Internet. Rund 20.000 Kunden vertrauen bereits auf das Angebot des unabhängigen Vermittlers von Investmentfonds ohne Ausgabeaufschlag. Dabei richtet sich FondsSuperMarkt an Anleger, die kostenbewusste Selbstentscheider sind und bietet diesen neben einer einzigartigen Zahl von Fonds mit 100 % Rabatt auf den Ausgabeaufschlag u. a. umfangreiche Analysetools zur Fondsauswahl. Zu den dauerhaft günstigen Konditionen zählt neben dem komplett entfallenden Ausgabeaufschlag bei den meisten Fonds beispielsweise ein kostenloses Depot bei der FNZ Bank bereits ab einem Depotvolumen von 1.500 Euro. FondsSuperMarkt gehört zur Miltenberger Finanzgruppe, die aktuell Kundenvermögen von deutlich über einer Milliarde Euro betreut. Weitere Informationen unter www.fonds-super-markt.de. Stand: Juni 2026
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