Kern der Bachelorarbeit „KinAid – more than just a crutch“ von Leon Kast ist die Übertragung von Carbon-Blattfedern, wie sie aus Sportprothetik und Exoskelett-Entwicklung bekannt sind, auf ein neues Anwendungsfeld: klassische Unterarmgehstützen. Diese Federn speichern beim Auftreten Energie und geben sie beim Abstoßen wieder ab – ein Prinzip, das Sportler*innen im Leistungssport längst nutzen, für Alltagshilfsmittel wie Krücken war es bislang jedoch kaum erschlossen.
Als Vorbild dient dabei der natürliche, biomechanische Bewegungsablauf des Menschen. Das entwickelte Krückenkonzept soll beeinträchtigten Menschen helfen, sich mit weniger Kraftaufwand und flüssigeren Bewegungen fortzubewegen als mit bisherigen Modellen.
Besonders innovativ: Die Federcharakteristik der Krücke lässt sich individuell und modular auf den jeweiligen Genesungsprozess abstimmen. In frühen Rehabilitationsphasen sorgen mehrere eingesetzte Federn für höhere Energierückgabe und Stabilität. Im fortgeschrittenen Heilungsverlauf reduziert eine geringere Federanzahl die Rückstellkraft und ermöglicht eine weichere, eigenaktivere Bewegungsführung – die Krücke „wächst“ also mit dem Heilungsfortschritt der Patient*innen.
Ergänzend identifizierte die Arbeit gezielt ergonomische Schwachstellen konventioneller Mobilitätshilfen und entwickelte mithilfe fortgeschrittener 3D-Drucktechnologien neue Lösungsansätze. Das resultierende Krückensystem ist modular aufgebaut und lässt sich je nach Bedarf mit einer Achselstütze für erhöhte Stabilität oder einer Unterarmstütze für mehr Bewegungsfreiheit konfigurieren.
Die Arbeit bleibt nicht bei der reinen Produktentwicklung stehen, sondern denkt das Konzept ganzheitlich weiter – inklusive Fertigung, Wirtschaftlichkeit und einem nachhaltigen Vertriebskonzept. Vorgesehen ist ein Verleihsystem in Zusammenarbeit mit Sanitätshäusern, bei dem alle Komponenten austauschbar und reparierbar sind. So soll die Krücke über mehrere Nutzungszyklen hinweg ressourcenschonend eingesetzt werden können, statt nach einmaliger Nutzung im Müll zu landen.
Die im Rahmen der Arbeit entstandenen Visualisierungen – allesamt eigene Renderings und Darstellungen – zeigen das modulare Krückenkonzept in verschiedenen Konfigurationen. Die Bachelorarbeit von Leon Kast wurde außerdem bei der Förderpreisverleihung der Hochschule 2026 mit dem Förderpreis der Witzenmann GmbH und dem Zusatzpreis für besondere Innovationen der Rolf Scheuermann Stiftung ausgezeichnet.
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