Schwieriges Umfeld für Neuemissionen: Woran krankt der Börsenplatz Deutschland?

  1. Höhere Bewertungen locken Unternehmen an die Wall Street: „Der europäische Aktienmarkt ist deutlich niedriger bewertet als der amerikanische. Dies kann dazu führen, dass sehr ähnliche Unternehmen in den USA mit einem höheren Multiple bewerten werden als ein europäisches Pendant. Daraus ergibt sich ein Anreiz, das Unternehmen bei einem IPO in den USA listen zu lassen, um die Bewertung zu maximieren.”
  2. Neuemmissionen brauchen Zuversicht: „Die weniger liquiden Nebenwerte hinken den großkapitalisierten Aktien in der Kursentwicklung deutlich hinterher. Sollte sich hier der Knoten lösen, könnte das ein Katalysator für weitere Börsengänge sein, denn Börsenneulinge sind anfangs ohne Indexzugehörigkeit und oftmals auch weniger liquide. Zudem ist der Markt immer noch verunsichert im Hinblick auf die Zinsentwicklung. Sobald sich abzeichnet, dass der Zinserhöhungszyklus vorbei ist, könnte das den Märkten den nötigen Schwung geben und den Appetit auf Neuemissionen wieder erhöhen.”
  3. Es sind Börsenkandidaten in Wartestellung: „Die Pipeline für Börsengänge in Deutschland ist grundsätzlich intakt. Das Umfeld bleibt allerdings weiterhin herausfordernd, denn der Markt für Neuemissionen ist noch nicht wieder voll in Gang gekommen. Dass gute Unternehmen es trotzdem aufs Parkett schaffen, zeigt das Beispiel Schott Pharma. Wichtig ist: Viele Unternehmen entscheiden sich trotz der Herausforderungen auch weiterhin für ein Börsenlisting in Deutschland.”
  4. Deutschland ist nicht mehr immer erste Standortwahl: „Aufgrund der Gasabhängigkeit von Russland hat Deutschland vergangenes Jahr besonders stark am Aktienmarkt verloren. Während die Gasversorgung mittlerweile gesichert scheint, ist das Thema Energiekosten weiterhin ein Problem. Da Deutschland aus der Kernenergie und Kohle aussteigt, stellt sich gerade für energieintensive Unternehmen verstärkt die Standortfrage.” 
  5. Wie Anleger mit schleppenden Wachstumsaussichten umgehen können: „Wir beobachten fallende Inflationsraten und gehen davon aus, dass wir bei den Zinserhöhungen in der finalen Phase sind. Allerdings sind die Wachstumsaussichten nicht rosig. Europa wächst ohnehin kaum noch, und auch die Ausgabebereitschaft der amerikanischen Konsumenten könnte weiter abnehmen. In einem Umfeld schleppender Konjunktur ist das Stock-Picking wichtig: Mittels Aktienauswahl kann man auf Unternehmen setzen, welche auch ohne Wirtschaftswachstum ihre Gewinne steigern können, etwa aufgrund von Marktanteilsgewinnen oder strukturellem Wachstum. Aufholen könnten besonders die Nebenwerte, die gegenüber großen Unternehmen deutlich attraktiver bewertet sind und damit mehr Kurspotenzial aufweisen.”

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