Rat für Formgebung präsentiert Winner des Newcomer-Awards ein&zwanzig 2022 in Mailand

Die 21 Winner des vom Rat für Formgebung international ausgerichteten Nachwuchswettbewerbs „ein&zwanzig“ stehen fest: Drei Monate vor der Preisverleihung der vielbeachteten Newcomer-Awards, die anlässlich der 60. Edition des Salone del Mobile vom 6. bis zum 12. Juni 2022 in Mailand präsentiert werden, gibt die Jury erstmalig Einblick in die diesjährigen Produkt- und Projektideen: Mit Neugier, kompromisslosem Forschergeist und einem tiefen Verständnis für intelligente Problemlösungen wissen die Designstudent/innen und -absolvent/innen in diesem Jahr Ästhetik und Nutzwert auf eindrucksvolle Weise zu verbinden. Dabei ist die Unabdingbarkeit moderner Gestaltungsprinzipien wie Recycling, Upcycling und Re-Design das wesentliche Motiv der Entwürfe. Durch ein synergetisches Zusammenspiel von Handwerk und Industrie gelingt es ihnen nach Auskunft der Jury, das Verständnis von Design zu beflügeln – es schöpft aus traditionellen Prinzipien und begegnet aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen mit ökologischem Bewusstsein und Innovationskraft.

Das Spektrum der Gewinnerentwürfe verdeutlicht: Verringerte Wohnflächen, flexible Raumkonzepte und ein wachsendes Verantwortungsgefühl hin zu nachhaltigem Handeln stellen das Produktdesign vor neue Herausforderungen. Die prämierten Designerinnen und Designer präsentieren alternative Verfahrenstechniken und überzeugen durch ihren Willen zur Reduktion. Die eindrucksvolle Bandbreite ihrer Arbeiten erstreckt sich von flexiblen Systemen, Sitz- und Büro-Möbeln über multifunktionale Objekte bis hin zu Leuchten, Alltagsgegenständen und textilem Design. In experimentellem Umgang mit Textilien werden diese multifunktional als Vorhang, Wandbehang, Raumteiler oder sogar akustisch steuerndes Panel genutzt, das den Wohn- oder Arbeitsraum neu gliedert. Leuchtkörper fungieren nicht nur als Lichtquelle, sondern werden im Mix mit recycelten Materialien zum Kunstobjekt.

Die Veränderung unserer Lebensbedingungen durch die neue Akzeptanz von Homeoffice, die Auslastung privater Lebensräume und den Ruf nach flexiblen Raumkonzepten rücken modulare Sitzmöbel, Textilien und Tischkultur in den Fokus. Die Produkte erweisen sich als nachhaltig, sie bekennen sich zur Kraft des Handwerks, suchen mutige Materialkombinationen und Herstellungsverfahren. 

Die Experimentierfreude mit nachhaltigen Materialien zu arbeiten, ist in diesem Jahr unter den Nachwuchsdesignern besonders ausgeprägt. Das Materialspektrum reicht von upcycelten Bananenfasern, Naturkautschuk, Glas und Jute bis hin zu schwarzem Granit. Hier werden CO2-bindende Carbonfasern zu klimafreundlichen Pflanzengefäßen. Aus Holzfasern, die auf Zellulose basieren, entstehen multi-dimensionale, textile Objekte. Ist das eine Aufforderung an die Industrie, sich mit ähnlicher Intensität nachhaltigen Materialien und Herstellungsverfahren zu widmen und diese verantwortungsbewusst im Mainstream zu verbreiten?

Beispielhaft für diese Tendenz ist der Stuhl von Matthias Josef Gschwendtner (Universität der Künste Berlin) zu nennen. Für "New Sources" nutzt er Restmaterialien der Holzindustrie und ein roboterbasiertes Fertigungsverfahren. Das "Active Desk" von Johannes Choe, Absolvent der Kunsthochschule Kassel, ist ein Laptopdesk, das an hybride Arbeitsumgebungen adaptiert werden kann. Auch Felix Landwehr von der Fachhochschule Potsdam bietet mit dem Verbindungssystem "Apio" eine Option, Möbel flexibel und modular zusammenzusetzen. Praktisch, alltagstauglich und ästhetisch ansprechend überzeugt "LoPu" von Lilli Seiler von der Folkwang Universität der Künste. Sie kombiniert Luftpumpe und Fahrradschloss in einem. "LUDO" von Teresa Egger (New Design University Austria) ist ein hybrid einsetzbares Möbelstück, das von der ganzen Familie genutzt wird. Es kann als Beistelltisch oder Spielobjekt eingesetzt werden, denn jede 90 Grad-Drehung steht für eine andere Interaktionsmöglichkeit. Damit bietet "LUDO" gerade in Zeiten von Homeschooling neue Lösungen des Zusammenlebens von Kindern und Erwachsenen. Das Material Formsperrholz lässt "LUDO" in nur einem Pressvorgang entstehen.

Lutz Dietzold, Geschäftsführer des Rat für Formgebung, freut sich, dass die Verleihung des Awards 2022 nach zweijähriger Pause wieder live in Mailand im Rahmen der Tortona Design Week stattfinden kann: "Wir sind beeindruckt von der innovativen Kreativität, die in den eingereichten Produktideen zum Ausdruck kommt", betont Dietzold. "Die Pandemie und mit ihr die vielfach veränderten Lebensumstände haben die Entwürfe maßgeblich geprägt. Der Nachwuchs eröffnet Konsumentinnen und Konsumenten interessante Alternativen und intelligente Lösungen, den Alltag durch die Wahl nachhaltiger Produkte zu gestalten, die auch ästhetisch überzeugen."

Der oder die Best of Best-Gewinner/in als höchste Auszeichnung des Wettbewerbs wird bei der Preisverleihung am 6. Juni 2022 im Rahmen der Tortona Design Week in der Officina 3, Via Tortona 31 in Mailand bekannt gegeben. Das Ausstellungsdesign realisiert in diesem Jahr das Pariser Designstudio N O C O D. Auch die Gewinnerinnen und Gewinner des letztjährigen Nachwuchswettbewerbs werden anwesend sein.

Und das sind die ein&zwanzig Gewinner/innen 2022:
 
Projekt: Apio
Designer/in: Felix Landwehr/D
https://www.instagram.com/felix.landwehr/
 
Projekt: A softer wood
Designer/in: Isabella Braunreuther/D
https://www.isabellabraunreuther.com/
 
Projekt: LoPu – lock‘n‘pump
Designer/in: Lilli Seiler/D
https://www.xing.com/profile/Lilli_Seiler/cv
 
Projekt: Etagenregal 1200Y
Designer/in: Steffen Och/D
 
Projekt: Active Desk
Designer/in: Johannes Choe/D
https://joh-choe.com/
 
Projekt: Layers of time
Designer/in: Lucie Ponard/F
https://www.linkedin.com/in/lucie-ponard-b203b3223/?locale=en_US
 
Projekt: Converging disciplines – exploring digital crafts
Designer/in: Henrieke Neumeyer und Moritz Müller/D
http://www.henriekeneumeyer.de/info
 
Projekt: Caparica
Designer/in: Justus Hilfenhaus/D
https://www.linkedin.com/in/justus-hilfenhaus-a79768209/?originalSubdomain=de
https://www.instagram.com/justushilfenhaus/
 
Projekt: Future Artifact – Charby
Designer/in: Massimo Scheidegger und Nora Giuliana Iannone/D/CH
https://www.linkedin.com/in/massimo-scheidegger-053220162/?originalSubdomain=de
 
Projekt: Living Beings
Designer/in: Nelli Singer/D
https://www.linkedin.com/in/nelli-singer-61b655196/?originalSubdomain=de
 
Projekt: Sneature – waste based footwear
Designer/in: Emilie Burfeind/D
http://emil-blau.com/about.html
 
Projekt: Knit
Designer/in: Lucy Braun und Lars Schiwietz/D
https://www.schiwietz-braun.de/
https://www.linkedin.com/in/lucy-braun-756778232/?originalSubdomain=de
 
Projekt: Ludo – a hybrid furniture
Designer/in: Teresa Egger/A
https://teresaegger.com/
 
Projekt: Sabu
Designer/in: Julia Huisken/D
 
Projekt: Tele-nomadic textiles
Designer/in: Anna Resei/A
https://annaroro.com/
 
Projekt: Volta
Designer/in: Marie Radke/D
http://marieradke.de/

Projekt: New Sources
Designer/in: Matthias Josef Gschwendtner/D
http://matthiasgschwendtner.com

Projekt: Traditional heritage, a collage of my origin
Designer/in: Lenn Gerlach/D
https://www.instagram.com/lenn.gerlach/
 
Projekt: Fagus noir
Designer/in: Lars Zinniker und Gabriel Köferli/CH
https://www.linkedin.com/in/lars-zinniker-03771ab1/?originalSubdomain=ch
https://www.linkedin.com/in/gabriel-k%C3%B6ferli-7ba025164/?originalSubdomain=ch
 
Projekt: Rythm
Designer/in: Judith Kamp/D
 
Projekt: Gongsaeng Garden: PLANT Collection
Designer/in: Jinwoo Chae/KR
https://chaejinwoo.myportfolio.com

ein&zwanzig
Mit dem international ausgeschriebenen Wettbewerb ein&zwanzig fördert der Rat für Formgebung seit 2017 junge Designtalente: Der Award richtet sich an Designstudierende, Absolventinnen und Absolventen mit innovativen und richtungsweisenden Arbeiten in den Kategorien Interior Design, Lifestyle, Eco Design, Social Design & Medical and Rehabilitation, Materials and Textiles, Techniques and Processes for Design, Public Design und Digitally Supported Design. Eine internationale Fachjury zeichnet unter den Einreichungen 21 herausragende Arbeiten aus, von denen 20 als „Winner“ und ein Entwurf als „Best of Best“ prämiert wird.
http://www.ein-und-zwanzig.de/

Über Rat für Formgebung

Der Rat für Formgebung agiert seit 1953 als weltweit führendes Kompetenzzentrum für Kommunikation und Wissenstransfer im Bereich Design, Marke und Innovation. Mit internationalen Angeboten, Nachwuchsförderungen und Mitgliedschaften ist er Teil der globalen Design-Community und trägt seit jeher dazu bei, Austausch und Netzwerke weltweit zu etablieren. Durch Events, Kongresse, Wettbewerbe, Jurysitzungen und Expertenkreise vernetzt der Rat für Formgebung seine Mitglieder und zahlreiche weitere internationale Design- und Markenexperten, fördert den Diskurs und liefert wichtige Impulse für die globale Wirtschaft. Seinem Mitgliederkreis gehören aktuell mehr als 350 Unternehmen an.

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