Gleichzeitig öffnen in ganz Görlitz rund 40 historische Gebäude, Kirchen, Türme und weitere Denkmale ihre Türen, darunter auch Orte, die sonst nicht oder nur eingeschränkt zugänglich sind.
Vom mittelalterlichen Handelshaus zum Renaissance-Juwel
Die Geschichte des Schönhofs reicht weiter zurück, als sein 500. Geburtstag vermuten lässt. Seine Ursprünge liegen in der Zeit der Görlitzer Stadtgründung um 1300. Schon im Mittelalter war das Gebäude am Untermarkt Wohn- und Geschäftshaus wohlhabender Familien – an einem zentralen Ort der damaligen Handelsstadt. Die Via Regia führte direkt über den Untermarkt und am Schönhof vorbei. Kaufleute machten in Görlitz Station und handelten unter anderem mit Waid, Salz und Tuchwaren; im 15. Jahrhundert beherbergte das Haus auch königliche Gäste.
Nach dem verheerenden Stadtbrand von 1525 wurde der Schönhof ab 1526 im Stil der Renaissance wiedererrichtet. Seine unverwechselbare Fassade wurde zum Vorbild für weitere Bürgerhäuser der Stadt. Einen weiteren Umbau erfuhr das Gebäude um 1617.
In den folgenden Jahrhunderten wechselten Glanzzeiten, Umbrüche und neue Nutzungen einander ab. Das Haus diente später unter anderem kommunalen und sozialen Zwecken und beherbergte zu DDR-Zeiten eine Jugendherberge. Von 1995 bis 2005 wurde das Baudenkmal umfassend saniert. Heute sind die historische Raumstrukturen sowie Wand- und Deckenmalereien aus dem 16. und 17. Jahrhundert wieder sichtbar.
Seit 20 Jahren ist der Schönhof Hauptgebäude des Schlesischen Museums zu Görlitz. Die Jubiläumsausstellung „Wir sind SCHÖNHOF!“, die noch bis zum 14. Februar 2027 zu sehen ist, rückt nun die Geschichte des Hauses selbst ins Zentrum. Die Ausstellung erzählt von seiner Architektur, der Meisterschaft der Handwerker, seinen Bewohnern und wechselnden Funktionen, aber auch vom jahrzehntelangen Ringen um seinen Erhalt. Am Beispiel des Schönhofs lässt sich damit zugleich die Entwicklung des Görlitzer Denkmalschutzes nachvollziehen. Zeitzeugen- und Experteninterviews sowie ein eigens produzierter Animationsfilm ergänzen die Ausstellung.
Ein Haus als Schlüssel zur Stadt
Wer aus dem Schönhof auf den Untermarkt tritt, befindet sich mitten in einem außergewöhnlichen Ensemble historischer Architektur. Rund um Untermarkt und Obermarkt, entlang der Neißstraße und in den Gassen der Altstadt stehen Zeugnisse verschiedener Epochen unmittelbar nebeneinander.
Reich gestaltete Renaissanceportale treffen auf barocke Bürgerhäuser, Kaufmannspaläste und die für Görlitz typischen Hallenhäuser. Wenige Straßenzüge weiter prägen Gründerzeit und Jugendstil das Stadtbild. Der Schönhof steht beispielhaft für den architektonischen Reichtum der Stadt und eignet sich zugleich als Ausgangspunkt für einen Streifzug durch ihre Baugeschichte.
Am Tag des offenen Denkmals am 13. September erweitert sich dieser Blick noch einmal. Unter dem diesjährigen Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“ richtet sich bundesweit die Aufmerksamkeit auf Bauwerke und Strukturen, die Menschen und Orte miteinander verbinden. In Görlitz beteiligen sich rund 40 Objekte. Dazu zählen unter anderem die historische Waage am Untermarkt, das Biblische Haus mit seiner reich gestalteten Renaissancefassade und das benachbarte Barockhaus in der Neißstraße. Auch Kirchen, Türme, Kulturorte, ehemalige Industriegebäude und weitere historische Häuser gewähren an diesem Tag besondere Einblicke.
Das vollständige Programm mit Öffnungszeiten, Führungen und weiteren Angeboten wird auf der Website der Stadt Görlitz veröffentlicht.
„Schön, dass Sie da sind!“ – Geburtstagsfest im Schönhof
Im Schönhof selbst wird der Denkmaltag zum Höhepunkt des Jubiläumsjahres. Von 10 bis 18 Uhr lädt das Schlesische Museum zu einem großen Museumsfest ein. Auf dem Programm stehen Handwerksvorführungen, ein Trachten-Popup, Führungen, Keramik und Porzellanschmuck, Musik und Tanz. Auch Rübezahl schaut zu kurzen Stippvisiten vorbei.
Für Kinder gibt es unter anderem Schminken, Führungen und ein Architektur-Quiz. Am Nachmittag zeigt der Dresdner Hoftanz e. V. historische Tänze, um 16.15 Uhr folgen Lieder mit Magdalena und Thomas Maruck. Um 18 Uhr beschließt das Konzert „Aufgeweckte Gartenklänge“ den Festtag. Der Eintritt zum Museumsfest ist frei.
Angebotene Rundgänge und Sonderführungen am Denkmalstag
Wer seinen Aufenthalt in Görlitz auf mehrere Tage ausdehnt, kann bereits vor dem Denkmaltag weitere Facetten der Stadt kennenlernen. Am Freitag, 11. September, führt ein Rundgang durch das Biblische Haus, eines der besonderen Renaissancehäuser von Görlitz.
Am Samstag, 12. September, stehen gleich mehrere thematische Rundgänge auf dem Programm. Bei „Was die Görlitzer Häuser erzählen“ rücken Inschriften, Reliefs, Giebelfiguren, Kartuschen, Jahreszahlen und reich dekorierte Portale in den Blick. Der Rundgang „Mit dem Stadtbaumeister in Görlitz unterwegs“ führt zu Portalen, Kaufmannspalästen und Tuchmacherhallenhäusern.
Der Tag des offenen Denkmals bietet damit einen besonderen Anlass für einen Aufenthalt in Görlitz. Die historische Bausubstanz, Museen, Türme und vielfältigen Rundgänge prägen jedoch weit über diesen Termin hinaus das kulturelle Profil der Stadt. Gerade der September bietet sich für ausgedehnte Streifzüge durch Altstadt und Innenstadt an – und für einen Blick hinter Fassaden, die von Jahrhunderten Görlitzer Stadtgeschichte erzählen.
Die Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH (EGZ) ist der zentrale Dienstleister für Stadtmarketing, Tourismusentwicklung und Wirtschaftsförderung in Görlitz. Sie entwickelt, koordiniert und realisiert Stadtmarketing-, Tourismus- und Kommunikationsstrategien und vermarktet touristische sowie kulturelle Produkte der Stadt.
Mit über 4.000 Baudenkmalen aus 500 Jahren Architekturgeschichte positioniert die EGZ Görlitz als eines der schönsten und vielfältigsten Städtereiseziele Deutschlands. Als Impulsgeberin und Netzwerkpartnerin stärkt sie die Wahrnehmung der Europastadt GörlitzZgorzelec regional, national und international.
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