Seit Mitte letzten Jahres wurde nach Erstinfusion moderner, hochwirksamer B-Zell-gerichteter Medikation über Störungen der Leberfunktion (‚,Hepatopathien‘‘) bei MS-Erkrankten berichtet. Die Häufigkeit hierfür liegt nach den bisherigen Informationen derzeit bei unter 1:10 000. Da es sich um keine Nebenwirkungen in Zusammenhang mit Therapiestudien handelt, sind die Arzneimittelkontrollbehörden in Europa und Nordamerika auf individuelle Meldungen der behandelnden Ärztinnen und Ärzte angewiesen. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA ist zu einem raschen Urteil gekommen, indem sie von einem sogenannten Gruppeneffekt der B-Zell-gerichteten Antikörpermedikation ausging und alle entsprechenden Hersteller in Nordamerika zur Änderung des Medikamenten-Beipackzettels (1, 2 und 3) aufforderte. In den bislang bekannten Fällen betreffen die sogenannten Hepatopathien zunächst einmal das Präparat Ocrelizumab (Ocrevus©).
Leider erfordert die Veröffentlichung eines Rote-Hand-Briefes in Abstimmung der zuständigen Zulassungsbehörde und des Herstellers Roche deutlich mehr Zeit als erwartet. Deshalb hat sich der Vorstand des Ärztlichen Beirates der DMSG entschlossen, auf diese mögliche Komplikation bei Erstgabe einer anti-CD20-Medikation hinzuweisen.
Bei Beschwerden nach der ersten Infusion wie Oberbauchschmerzen, Gelbsucht, Übelkeit, Erbrechen oder anderen Magen-Darm-Symptomen sollte immer an eine Leberfunktionsstörung gedacht und diese baldmöglichst internistisch-gastroenterologisch weiter abgeklärt werden. In Abstimmung mit dem behandelnden Neurologen müssen dann Therapiealternativen gefunden werden.
Quellen:
1. FDA, Produktinformation Ocrelizumab
2. FDA, Produktinformation Ofatumumab
3. FDA, Produktinformation Ublituximab
4. Roche (Schweiz): Wichtige Mitteilung zur Arzneimittelsicherheit, Ocrevus® (Ocrelizumab): Leberschädigung mit Ocrelizumab, Januar 2026,
Der DMSG-Bundesverband e.V., 1952/1953 als Zusammenschluss medizinischer Fachleute gegründet, vertritt die Belange Multiple Sklerose Erkrankter und organisiert deren sozialmedizinische Nachsorge.
Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft mit Bundesverband, 16 Landesverbänden und derzeit mehr als 750 örtlichen Kontaktgruppen ist eine starke Gemeinschaft von MS-Erkrankten, ihren Angehörigen, mehr als 3380 engagierten ehrenamtlichen Helfern und 220 hauptberuflichen Mitarbeitern. Insgesamt hat die DMSG 42.000 Mitglieder.
Mit ihren umfangreichen Dienstleistungen und Angeboten ist sie heute Selbsthilfe- und Fachverband zugleich, aber auch die Interessenvertretung MS-Erkrankter in Deutschland. Schirmherr des DMSG-Bundesverbandes ist Christian Wulff, Bundespräsident a.D.
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems (Gehirn und Rückenmark), die zu Störungen der Bewegungen, der Sinnesempfindungen und auch zur Beeinträchtigung von Sinnesorganen führt. In Deutschland leiden nach Zahlen des Bundesversicherungsamtes mehr als 280.000 Menschen an MS. Trotz intensiver Forschungen ist die Ursache der Krankheit nicht genau bekannt.
MS ist keine Erbkrankheit, allerdings spielt offenbar eine genetische Veranlagung eine Rolle. Zudem wird angenommen, dass Infekte in Kindheit und früher Jugend für die spätere Krankheitsentwicklung bedeutsam sind. Welche anderen Faktoren zum Auftreten der MS beitragen, ist ungewiss. Die Krankheit kann jedoch heute im Frühstadium günstig beeinflusst werden. Deutschlandweit sind schätzungsweise 280.000 Menschen an Multipler Sklerose erkrankt, weltweit etwa 2,9 Mio. Menschen.
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