Hauptstraße Hornberg. Oben am Waldrand rattert die Schwarzwaldbahn vorbei, in einer lichtdurchfluteten Etage einer ehemaligen Industriehalle hat sich der so wort- wie zugewandte José Schloss (Jahrgang 1995) mit viel Fleiß und Grandezza ein imposantes Refugium eingerichtet.
Treten Besucher in sein »Studio Schloss« ein, fällt ihr Blick zunächst auf einen blau schimmernden Küchentresen – wie man erfahren wird, hat Schloss den selbst gebaut, schließlich studierte er Produktdesign in Kassel und ist Diplom-Möbeldesigner. Seine Kreativität lässt er heute aber zumeist in Bilder statt Möbel einfließen, über dem Tresen hängt eines seiner Natur-Gemälde in gelb-schwarz, an den Wänden florale Seerosenmotive, etwas versteckt prangt der Spruch »Finding Peace In Nature« hoch oben an der Wand, ein zentrales Motto für sein Schaffen. Ein einladendes Sofa, eine Siebträger-Kaffeemaschine, in der gegenüberliegenden Ecke ein Schlagzeug und seine Malecke, darin ein offenes Regal mit allerlei Malutensilien, eine bunt verschmierte Farbpalette, aktuelle Projekte an der Wand, die seine Leidenschaft für Blüten und Tennis vereinen. Urgemütlich, dieser Eindruck stellt sich schnell ein.
»Wenn man sich wohlfühlt«, sagt Schloss dazu, »kann man kreativ und konzentriert arbeiten«. Wen wundert´s, dass er seine Abschlussarbeit »New Normal Work« zum Thema »Wohlfühlen am Arbeitsplatz« geschrieben und eine Lampe entwickelt hat, die
auch als Blumenvase nutzbar ist?
Auf dem Tisch sammeln sich Skizzen künftiger Projekte (über die er noch nicht mehr verraten möchte), der Blick durch den Raum landet aber bei den Schwarzwald-Motiven, mit denen vor mehr als zehn Jahren alles losging: Schon als Kind begann Schloss mit dem Malen, zunächst Pokémons und Animes, später kam eine Faszination für Gesichter dazu. Und als die örtliche Sparkasse um 2013 einen Kunst-Wettbewerb zum Thema »Heimat« auslobte, war der in Hornberg geborene Schloss auch künstlerisch konfrontiert mit
dem deutsch-spanischen Erbe seiner Familie, stammt sein Vater doch aus Valencia. Was also ist Heimat? Schloss dachte damals an seine Oma aus einer der drei Bollenhut-Gemeinden Gutach. »Ich kannte von der Tracht nur alte Gemälde kunsthistorischer Maler. Das fand ich öde und habe mich gefragt, wie ich das Thema umwandeln kann in etwas, das ich cool finde und mir in die Wohnung hängen würde.«
Ich möchte mit meiner Kunst einladen zum Träumen und Nachdenken, damit sich Betrachter reinziehen lassen können in die Geschichten. José Schloss
Schloss also malte im Aquarell-Stil Porträts von Trachtenträgerinnen, allerdings ohne Gesichter, der Fokus sollte rein auf all den zahlreichen, detailgetreu dargestellten Facetten der Tracht liegen, nichts davon ablenken, alles so minimalistisch wie möglich sein. Schloss traf damit einen Nerv, profitierte vom Boom der Schwarzwald-Thematik und war einer der Künstler, die das kulturelle Erbe der Region zeitgemäß aufgriffen. Gutachs Bürgermeister Siegfried Eckert, der auch Präsident des größten Trachtenverbands Deutschlands ist und den Schloss heute als Freund bezeichnet, war begeistert. »Durch die ersten kleinen Ausstellungen gab es einen Push im Ego, der bei mir die Idee reifen ließ, vielleicht beruflich etwas in diese Richtung zu machen.«
Es folgte zunächst das Produktdesign-Studium in Kassel, Schloss tauchte voll ein in die Studentenwelt, der Schwarzwald war erst mal (auch gedanklich) weit weg. »Aufgrund von Ausstellungen war ich aber immer wieder in Hornberg und im Schwarzwald und mehr und mehr habe ich gemerkt, dass ich hier mehr Ruhe habe und mein Ding machen kann. Und so habe ich über die Jahre zunehmend wertgeschätzt, dass ich hier Freiheiten habe, die ich vielleicht anderswo nicht hätte und auch mental entspannen kann, weil das Umfeld funktioniert – mit Familie, Freunden und Ausstellungsmöglichkeiten«, erinnert sich Schloss.
Die Gemeinde Hornberg war ihm damals auch behilflich, als Schloss ein Atelier suchte und dieses in der ehemaligen Industriehalle fand – mit dem unschätzbaren Vorteil von viel Fläche und gewissermaßen einem eigenen Ausstellungsraum, der sich an das obig beschriebene Studio anschließt. Dort hängen gerade die Werke seiner Serie »El Origin« von der Decke, in der er sich zum zweiten Mal mit dem Thema Heimat beschäftigt hat. Unschwer zu erkennen, dass es dabei um den Ursprung des spanischen Familienerbes geht und die untrennbar damit verbundenen Schwarzwälder Facetten. »Ich bin fast jedes Jahr in Spanien bei meiner Familie in Andalusien. Gerade im vergangenen Jahr habe ich dort auch neue Künstler kennengelernt, die mich inspiriert haben und die sich gegenseitig sehr unterstützen. Ein bisschen sehne ich mich auch nach dem spanischen Lebensgefühl, wenngleich ich gerne in Deutschland lebe«, sagt Schloss.
Seine Bilder greifen diese Gedanken künstlerisch auf, zeigen etwa seine deutsche und seine spanische Oma in ihrer regionstypischen Tracht, verbinden die klassische Schwarzwälder Vesperplatte mit Tapas und den Schwarzwaldhof mit den Spanien-assoziierten Windmühlen oder kritisieren Statussymbol-Traditionen wie Trophäenjagd und Stierkampf. Andere Bilder feiern farbenprächtig des Künstlers Faszination für Paradiesvogelblume, Zitronenbaum oder den Vogel Blauracke.
»Ich möchte mit meiner Kunst einladen zum Träumen und Nachdenken, damit sich Betrachter reinziehen lassen können in die Geschichten. Ich freue mich auch immer über die Gespräche und erkläre gerne die Hintergründe der Bilder, aber das mache ich nur auf Nachfrage, denn jede Deutung seitens des Betrachters ist legitim«, sagt Schloss. »Ich bin gerne eine Art Erfinder in einem künstlerischen Sinne.«
Er ist zudem einer, der gerne ausprobiert, ein Künstler müsse sich weiterentwickeln und nicht immer nur das ewig gleiche Thema bedienen, auch wenn es beim Publikum funktioniere, findet er. »Ich liebe es, Neues zu gestalten und mich neu zu erfinden, das ist
eine intrinsische Motivation.« Ein Schlagwort, auf das er nie verzichten wolle, sei Freiheit.
Man kann sich gut vorstellen, dass der eloquente und am Gegenüber interessierte Schloss auch ein guter Netzwerker ist. Und so sind seine speziellen Auftragsarbeiten schon in zahlreichen Hotels wie der Luisenhöhe in Horben oder Munde Biereck in Hofstetten zu sehen, hängen in Restaurants im ganzen Schwarzwald und schmückten schon Wein- und Wasserflaschen, Bäckertüten, Kreditkarten, Skateboards…
Schloss wünscht sich die noch stärkere Vernetzung mit anderen Kreativen – zusammengearbeitet hat er schon mit Künstlern, Musikern, Köchen – und versteht sein Studio auch als offenen, kommunikativen Ort, etwa bei Workshops, die er anbietet. In die klassische Rolle des Lehrers will er dabei aber keinesfalls schlüpfen. »Mir geht es vor allem darum, dass sich die Menschen dabei die Zeit nehmen, an etwas Kreativem zu arbeiten. Natürlich gebe ich Tipps, aber es geht vor allem darum, sich wohlzufühlen, eine gute Zeit miteinander zu haben und das Vertrauen in seine eigenen künstlerischen Fähigkeiten zu stärken«, sagt er dazu. »Und darum ist mein Studio auch so eingerichtet, wie es eingerichtet ist.«
Info:
Ausstellungen, Arbeiten, Kurstermine und alle Informationen zum Künstler gibt es unter www.joseschloss.com
Was der Schwarzwald kulturtechnisch sonst noch so zu bieten hat, bündelt die Seite www.kultur-schwarzwald.info
Text: Michael Gilg
Fotos: Joshua Rzepka, José Schloss
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