Die Marktführerschaft großer Streaming-Giganten wie Spotify, Apple Music oder Amazon Music ist unbestritten. Sie haben die Musikindustrie vor dem Untergang durch illegale Downloads gerettet, doch das durch sie geschaffene Ökosystem weist aus Sicht vieler Experten systemische Mängel auf. Das Hauptproblem liegt im sogenannten „Pro-Rata-Modell“. Bei diesem Verfahren werden alle Einnahmen eines Anbieters in einen großen Topf geworfen und nach dem Anteil der Gesamtabrufe verteilt. Das bedeutet konkret: Wer monatlich zehn Euro zahlt, aber ausschließlich lokale Nischenkünstler hört, unterstützt mit seinem Geld dennoch unfreiwillig die globalen Megastars, da diese den größten Anteil vom Kuchen erhalten.
„Das aktuelle Abrechnungssystem der großen Plattformen bevorzugt die ohnehin schon Erfolgreichen und lässt die kulturelle Basis oft leer ausgehen“, erklärt Götz Schartner vom Verein Sicherheit im Internet e.V., einem der Mitveranstalter von SpardaSurfSafe. Es ist ein Paradoxon der digitalen Welt: Wir haben Zugang zu mehr Musik als je zuvor, doch für den einzelnen Indie-Künstler ist es heute schwerer denn je, von seiner Kunst zu leben, sofern er nicht hunderte Millionen Streams generiert. Wer als Hörer glaubt, mit seinem Abo-Beitrag gezielt seine Lieblingsband zu unterstützen, unterliegt leider oft einem mathematischen Irrtum.
Strukturelle Ungleichheit und die Suche nach dem „User-Centric“-Modell
Die Kritik an der gängigen Praxis führt in der Branche zu einem Umdenken. Immer mehr Stimmen fordern einen Wechsel zum „User-Centric-Payment“-Modell. Hierbei würden die Abogebühren eines Nutzers tatsächlich nur an die Künstler fließen, die dieser auch wirklich streamt. Doch die Umsetzung bei den großen Playern der Streaming-Branche verläuft schleppend. In der Zwischenzeit haben sich jedoch alternative Plattformen etabliert, die Fairness nicht nur als Marketingbegriff, sondern als Kern ihres Geschäftsmodells verstehen.
Ein prominentes Beispiel ist die Plattform Bandcamp. Im Gegensatz zu den von Algorithmen getriebenen Diensten steht hier der direkte Verkauf von Musik und Merchandise im Vordergrund. An bestimmten Tagen verzichtet das Unternehmen sogar vollständig auf seine Provision, um die Einnahmen zu 100 Prozent an die Musiker weiterzugeben. Dies schafft eine völlig andere Bindung zwischen Urheber und Konsument. Auch innovative Ansätze wie das kooperative Modell von Resonate, das auf einer Blockchain-Struktur basiert, oder Dienste wie Tidal, die zeitweise mit höheren Auszahlungsraten experimentierten, zeigen, dass der Markt bereit für Veränderung ist.
Hinzu kommen Modelle wie Patreon oder Buymeacoffee, bei denen man Podcasts und Musiker direkt mit einem kleinen Beitrag unterstützen kann. Das kann als monatliches Abo oder als einmaliges Trinkgeld geschehen und beinhaltet oft weitere Vorteile wie Zugang noch vor dem eigentlichen Veröffentlichungsdatum, Live-Sessions oder exklusive Zusatzinhalte. Besonders für Newcomer sind Plattformen wie SoundCloud interessant. Hier können sie ihre Inhalte selbst hochladen und Geld über Abos oder einmalige Zuwendungen verdienen. Die Abrechnung hängt dabei wesentlich stärker davon ab, was man tatsächlich gehört hat.
„Fairness in der digitalen Welt beginnt beim Bewusstsein des Konsumenten“, fasst Schartner zusammen. „Wenn Nutzer verstehen, dass ein Stream oft nur Bruchteile eines Cents generiert, verändert das den Blick auf den Wert von Musik.“ Es geht nicht darum, Streaming zu verteufeln, sondern darum, jene Nischen zu finden und zu fördern, die eine direkte Unterstützung der Künstler ermöglichen. Ein gekauftes digitales Album auf einer fairen Plattform bringt einem Künstler oft mehr als zehntausende Streams.
Kulturelle Vielfalt als Gemeinschaftsaufgabe
Die Debatte um Musikstreaming ist damit weit mehr als eine rein wirtschaftliche Diskussion, sie ist eine kulturpolitische. Wenn nur noch das finanziert wird, was massentauglich ist und in Playlists für Hintergrundbeschallung sorgt, droht die musikalische Vielfalt zu verarmen. Schartner betont, dass gerade junge Nutzer für diese Mechanismen sensibilisiert werden müssen. Wer heute nur noch den Algorithmen folgt, verliert den Bezug zur schöpferischen Leistung, die hinter einem Werk steht.
Neben der Wahl der Plattform spielt auch der bewusste Kauf von physischen Tonträgern oder Fanartikeln eine entscheidende Rolle für das Überleben der Musikszene. Vinyl-Schallplatten erleben nicht ohne Grund eine Renaissance – sie sind ein haptisches Bekenntnis zum Wert der Kunst. Schlussendlich sollte man also das eigene Konsumverhalten hinterfragen und Streaming eher als Entdeckungsreise, weniger als alleinige Form der Unterstützung sehen.
„Wir müssen uns fragen, welche Kulturlandschaft wir in zehn Jahren vorfinden wollen“, resümiert Schartner. „Echte Vielfalt entsteht nicht durch Algorithmen, sondern durch Wertschätzung. Jeder Klick und jeder Euro ist in der digitalen Welt eine Stimme für oder gegen ein gerechtes Entlohnungssystem. Fairness ist am Ende eine bewusste Entscheidung des Hörers, die weit über den Komfort einer gut kuratierten Playlist hinausgeht.“
Weitere Informationen zum Thema gibt es auf der Webseite von SpardaSurfSafe unter https://www.spardasurfsafe-bw.de/music-movies-games/49ffbaff-cbf9-4ba5-ad75-b53898ced046. Hier finden sich auch viele weitere spannende Beiträge rund um die Themen Sicherheit im Internet und Medienkompetenz.
Über SpardaSurfSafe – eine Initiative der Stiftung Bildung und Soziales der Sparda-Bank Baden-Württemberg
Veranstalter und Träger von SpardaSurfSafe ist die Stiftung Bildung und Soziales der Sparda-Bank Baden-Württemberg, die gemeinsam mit dem Kultusministerium Baden-Württemberg und dem Verein Sicherheit im Internet e. V. das Großprojekt im 14. Jahr durchführt. In Kooperation mit den IT-Sicherheitsexperten der 8com GmbH & Co. KG wurde ein Konzept entwickelt, das die Schüler im Rahmen des Unterrichts im Umgang mit den Neuen Medien aufklärt. „SpardaSurfSafe ist für uns ein Herzensprojekt, das wir mittlerweile in 35 verschiedenen Städten in Baden-Württemberg durchgeführt haben. Über 500.000 Teilnehmer konnten seit dem Start von dem Programm profitieren. Dafür bekommen wir durchweg positives Feedback von den Teilnehmern, ob Schüler, Eltern oder Lehrer“, erklärt Patrick Löffler vom Verein Sicherheit im Internet e. V.
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